Der hiesige Valuta ist zum Euro am Dienstag um 15.50 Uhr auf ein neues Allzeittief von 0,9095 Franken vorgestossen. Der Dollar notiert derweil bei 0,7660 Franken und somit ein halbes Prozent über dem Jahrestief. 

Die anhaltende Dollarschwäche kommt dabei wenig überraschend, nachdem der Greenback seit dem «Liberation Day» im April 2025 15 Prozent an Wert verloren hat. Die hausgemachten Gründe in den Vereinigten Staaten sind ein überbordendes Staatsdefizit, eine Inflationsrate von knapp 3 Prozent, erwartete Leitzinssenkungen und die irrationale Politik von US-Präsident Donald Trump. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten um den Ukraine-Krieg, ein möglicher neuerlicher Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie die Ansprüche von China auf Taiwan.

«Auf den Franken kann man zählen», bringt es Thomas Stucki, Anlagechef der St.Galler Kantonalbank, auf den Punkt. Das neue Jahr habe dabei politisch mindestens so turbulent angefangen, wie das alte aufgehört hatte. «Die Amerikaner schlagen wild um sich, sehen sich heute als globale Ölbarone und morgen als moderne Kreuzritter, die die Welt erobern wollen. Davon profitieren die klassischen sicheren Häfen wie Gold und der Schweizer Franken, während das Vertrauen in den Dollar weitere Schläge einsteckt», so Stucki weiter. 

Bei der Euro-Schwäche ist die Ausgangslage etwas komplizierter. Einerseits erhofften sich Ökonomen ein rasches Erstarken der Konjunktur in Deutschland, was dem Euro auf die Sprünge geholfen hätte. Die Konjunkturdaten deuten nun allerdings darauf hin, dass sich die positive Wirkung der geplanten Infrastruktur- und Rüstungsinvestitionen verzögert. 

Andererseits kamen am Markt Diskussionen auf, die Europäische Zentralbank (EZB) könnte die Zinsen wider Erwarten senken, weil sich der Euro zu den anderen Währungen aufgewertet hatte. Für Gegenwind sorgt ferner die Positionierung der grossen Marktplayer wie UBS oder ING Bank, welche einen schwächeren Franken auf dem Zettel haben. Das ist ein gefundenes Fressen für Investmentbanken wie Morgan Stanley, welche genau die gegenteilige Position eingehen und mit einem sogenannten «Contrarian Trade» auf ein Kursziel von 0,87 Franken wetten - mehr dazu hier. 

Ein weiterer Grund für die Frankenstärke ist in Japan zu suchen, meint Roman Ziruk, Senior Market Analyst bei der auf Devisentransaktionen spezialisierten Firma Ebury in London. «Da Anleger auch um Japans Haushaltsaussichten besorgt sind, insbesondere nach Sanae Takaichis deutlichem Wahlsieg, betrachten viele den Franken als die wichtigste sichere Währung.» 

Kann die SNB überhaupt intervenieren?

Wann und ob die Schweizerische Nationalbank am Devisenmarkt intervenieren wird, steht in den Sternen. Dies, weil ihr die Hände gebunden sind. «Der Euro lässt aber wohl auch deshalb gegenüber dem Franken Federn, weil eine Absenkung des Schweizer Leitzinses in den negativen Bereich als unwahrscheinlich gilt. Im Euroraum wäre aber durchaus noch Raum für eine Zinssenkung, auch wenn die EZB derzeit gewillt ist, davon abzusehen», erklärt Claudio Wewel, Devisenexperte bei der Bank J. Safra Sarasin, auf Anfrage von cash.ch.

Nikolay Markow, Ökonom bei Pictet, begründet den Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken zum Euro wiederum mit dem Abseitsstehen der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die offenbar nicht aktiv am Devisenmarkt interveniert. «Tatsächlich hat sie kaum Spielraum, um nicht von den US-Behörden als 'Währungsmanipulator' eingestuft zu werden», so der Pictet-Ökonom. Gleichzeitig zeige das makroökonomische Gleichgewichtsmodell, dass der Schweizer Franken mit 0,89 Franken nahe an seinem fairen Wert per Ende 2026 liege und somit nicht überbewertet sei.

Kurzfristig erwartet der Experte, dass der Schweizer Franken weiterhin unter Aufwertungsdruck bleibt, bevor er sich im Laufe des Jahres aufgrund der nachlassenden Nachfrage nach dem Schweizer Franken als sicheren Hafen allmählich auf 0,95 gegenüber dem Euro Ende 2026 abschwächt. «Dies spiegelt eine Rückkehr zu einem risikofreudigeren Marktumfeld und abnehmende geopolitische Risiken wider», so Markow von Pictet.

Die UBS-Ökonomen gehen in einem Kommentar zur am Dienstag publizierten Devisenumfrage bis zum Jahresende ebenfalls von einem leicht stärkeren Eurokurs von 95 Rappen aus. Die Grossbank begründet dies mit der Erwartung, dass sich die deutsche Wirtschaft 2026 beschleunigt und dem Euro Rückenwind verleiht. 

Die Devisenumfrage zeigt aber auch, wie wenig Vertrauen Schweizer Unternehmen in den Euro haben. Die rund 300 im Spätherbst befragten Schweizer Firmen sehen den Eurokurs bei 91 Rappen. Es erstaunt deshalb kaum, wenn die UBS-Ökonomen eine wesentliche Anmerkung hinterherschieben. «Bleibt die Erholung aber aus und materialisieren sich die zahlreichen bestehenden wirtschaftlichen und geopolitischen Risiken, dürfte sich der Franken in den Augen der Experten auch 2026 weiter aufwerten. In diesem Fall sehen sie den Eurokurs bei 90 Rappen.» Dies ist das Kursniveau, das der Experte der Bank J. Safra Sarasin als mögliches Interventionslevel der SNB sieht.

Als Fazit kann festgehalten werden, dass die Lage sowohl für die Exportindustrie als auch für die Schweizerische Nationalbank ungemütlich bleibt. Wer die Sommerferien in der Eurozone bereits gebucht hat, ist dagegen gut beraten, bei diesen Kursen die ersten Euros einzukaufen. 

Thomas Daniel Marti
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