Neue Kampfhandlungen im Iran und Spekulationen auf steigende Zinsen haben der Rally an den europäischen Aktienmärkten ein vorläufiges Ende bereitet. Der ‌Dax fiel ⁠am Montag um 0,9 Prozent auf 26'338 Punkte, nachdem er am Freitag auf ein Rekordhoch von 26'618,74 Zählern geklettert war. Der EuroStoxx50 gab zum ⁠Wochenstart 0,4 Prozent auf 6458 Stellen nach.

Die Reaktion auf die neuen US-Militärschläge gegen Ziele im Iran falle bislang verhalten aus, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. «Die Mehrzahl der Anleger ‌erwartet offenbar nicht, dass die Situation erneut grossflächig und langfristig eskaliert.» Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee ‌verteuerte sich um bis zu 3,8 Prozent auf 91,45 Dollar je Barrel (159 ​Liter). Dies gab den europäischen Ölwerten Auftrieb. Die Aktien von TotalEnergies, Repsol und Aker BP stiegen daraufhin um bis zu 2,5 Prozent. Die in London notierten Titel von BP und Shell wurden wegen eines britischen Feiertags nicht gehandelt.

Wann dreht die Fed an der Zinsschraube?

Gleichzeitig rätselten Investoren nach der jüngsten Rede von US-Notenbankchef Kevin Warsh weiterhin über die Aussichten für die US-Geldpolitik. «Warsh hat ein wichtiges Signal gesendet: Die Fed ist bereit, die Geldpolitik weiter zu ‌straffen, sollte die Kerninflation ins Stocken geraten», sagte Elwin de Groot, Chef-Anlagestratege der Rabobank. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, verteidigte daher seine jüngsten Kursgewinne weitgehend und notierte bei 99,52 Punkten.

Investoren taxieren die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung im September inzwischen auf 60 Prozent - etwa doppelt so hoch wie vor Warshs Rede. ​Er gehe dennoch weiterhin davon aus, dass die Fed den Leitzins im laufenden Jahr nicht antasten werde, betonte Mark ​Haefele, Chef-Anleger der Vermögensverwaltung der Bank UBS. Die jüngsten Konjunkturdaten deuteten auf einen nachlassenden Inflationsdruck ​hin.

Anleiheanleger reagierten mit Verkäufen auf die gestiegenen Ölpreise und die Zinsspekulationen. Dies trieb die Rendite der richtungweisenden 30-jährigen deutschen Papiere auf ein 15-Jahres-Hoch von 3,797 Prozent. Die vergleichbaren US-Bonds hatten vergangene ‌Woche mit 5,337 Prozent zeitweise auf dem höchsten Stand seit 2007 rentiert.

In ​Paris waren ​die Titel des Chipindustrie-Zulieferers Soitec gefragt und gewannen bis zu vier Prozent. Firmenchef ⁠Laurent Remont sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Kunden schlössen wegen der hohen Nachfrage verstärkt langfristige Lieferverträge ​für Siliziumwafer ab, die Festpreise und Anzahlungen ⁠vorsähen.

(Reuters)