Die Valoren von LVMH haben seit dem Allzeithoch im April 2023 bei 900 Euro mehr als 55 Prozent an Wert verloren. Damals brachte das wertvollste Unternehmen Europas im Euro Stoxx 600 Index 455 Milliarden Börsenkapitalisierung auf die Waage.

Nun hat das Unternehmen auch den Titel als wertvollstes Unternehmen an der Pariser Börse verloren und steht im Ranking des CAC40 noch an zweiter Stelle hinter L'Oréal. Und auch im Euro Stoxx 50 ging es auf Rang fünf von zwei zurück. ASMLSAP, L'Oréal und Siemens reihen sich vor LVMH ein. Das ist ein symbolträchtiger Rückschlag für den Luxusriesen, der die europäischen Börsenindizes während des Booms nach der Corona-Pandemie noch angeführt hatte.

Eine schnelle Erholung scheint nicht in Sicht. «Wer behauptet, Europa sei zurück, irrt sich. Europa ist nicht zurück. Was uns LVMH zeigt, ist, dass sein wichtigster Wachstumsmotor – das Luxusgeschäft – ins Stocken geraten ist», schrieb Vincent Juvyns, Chef-Anlagestratege der ING Bank, in einem Kommentar.

Die Nachfrage nach Luxusgütern ist auf dem wichtigen chinesischen Markt zurückgegangen, während der Iran-Krieg zu leeren Shoppingzentren im Nahen Osten führte. Für die unter Druck stehenden europäischen Luxusgüteraktien dürften sich die Aussichten auf absehbare Zeit kaum aufhellen, da sich die zweite Jahreshälfte nach Einschätzung der Analysten von HSBC schwieriger gestalten dürfte. Entsprechend hatten deren Analysten vor Wochenfrist für LVMH ebenso wie für Burberry das Rating auf «Halten» von «Kaufen» zurückgenommen.

Etwas weniger negativ ist die UBS-Analystin Zuzanna Pusz eingestellt, welche für die Luxusgütertitel Richemont und LVMH das Rating «Kaufen» aufruft. Eine der wichtigsten Erkenntnisse dieser Berichtssaison sei, dass der Luxussektor offenbar nicht mehr mit einer breit angelegten Abschwächung konfrontiert sei.

Die UBS-Expertin verweist dabei auf die weiterhin polarisierte Nachfrage. Diese konzentriere sich auf Marken und vor allem Produktkategorien, die sich durch hohe Begehrlichkeit, handwerkliche Qualität und Preissetzungsmacht auszeichnen sowie eine starke Ausrichtung auf wohlhabende Konsumenten haben. Dies stütze weiterhin die überdurchschnittliche Entwicklung im Schmucksegment, während auch Uhren Anzeichen einer Erholung zeigten, nachdem sie zuvor durch das China-Geschäft gebremst worden waren.

Auch wenn das Segment «Soft Luxury» wie Lederwaren, Bekleidung und Accessoires weiterhin schleppend verlaufe, sei die erfolgte Rückkehr von Chanel zu einem zweistelligen Umsatzwachstum im ersten Halbjahr 2026 positiv zu werten. Dies zeige, dass die richtigen strategischen Weichenstellungen das Wachstum neu beleben können, so Pusz von der Schweizer Grossbank.

Die Analysteneinschätzungen zeigen trotz durchwachsenem Ausblick ein überraschend optimistisches Bild. Die Aktien von LVMH werden gemäss Bloomberg-Daten von 18 Analysten mit «Kaufen» und von zehn mit «Halten» eingestuft. Eine Verkaufsempfehlung liegt nicht vor. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 559 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 38 Prozent. 

Thomas Daniel Marti
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