Die oberste Bankenaufseherin der Europäischen Zentralbank (EZB), Claudia Buch, hat die Regierungen der Euro-Zone vor einer ‌Senkung ⁠der Kapitalanforderungen für Banken gewarnt. Ein solcher Schritt würde angesichts einer ⁠schwachen Kreditnachfrage und eines risikoreichen Umfelds die Kreditvergabe kaum ankurbeln, sagte Buch am ‌Montag vor den Finanzministern der Eurogruppe. Stattdessen ‌könnten die Banken das ​Geld eher für Ausschüttungen an ihre Aktionäre verwenden als für mehr Darlehen an Unternehmen und Haushalte.

Hintergrund sind Überlegungen von EU-Gesetzgebern, die Wettbewerbsfähigkeit der Banken im Euroraum zu stärken, da ‌diese hinter ihren US-Rivalen zurückbleiben. Buch argumentierte jedoch, die Institute benötigten eine solide Kapital- und Liquiditätsausstattung, um Risiken wie den Folgen des Iran-Kriegs ​und Cyberangriffen standzuhalten. Die Banken verfügten derzeit ​über ausreichend Kapital, um Kredite ​zu vergeben. «Jedoch verhindern erhöhte Risiken, eine geringere Risikobereitschaft und eine schwache Darlehensnachfrage eine schnellere ‌Ausweitung des Kreditangebots», sagte Buch.

Ihre Äusserungen fallen in eine Zeit, in der die italienische Bank UniCredit versucht, die Commerzbank ​zu übernehmen, ​was auf Widerstand der ⁠Bundesregierung stösst. In diesem Zusammenhang wiederholte Buch, ​dass die Aufsicht «grenzüberschreitende ⁠und inländische Fusionen gleich behandeln» werde. Zudem bekräftigte sie ‌die langjährigen Forderungen der EZB nach einer gemeinsamen europäischen Einlagensicherung und dem Abbau von Hürden, die den ‌freien Fluss von Kapital und Liquidität zwischen den ​Ländern behinderten.

(Reuters)