Finanzindustrie - Corona-Krise hinterlässt bei Santander und Barclays tiefe Spuren

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen auch die europäischen Grossbanken mit voller Wucht.
29.07.2020 13:23
Niederlassung von Barclays im Zentrum Londons.
Niederlassung von Barclays im Zentrum Londons.
Bild: cash

Wegen der mauen Konjunkturaussichten und drohender Kreditausfälle schrieb die spanische Grossbank Santander im zweiten Quartal einen Rekordverlust von 11,1 Milliarden Euro, wie sie am Mittwoch mitteilte.

Die britische Grossbank Barclays konnte sich nach einer milliardenschweren Vorsorge für Kreditausfälle gerade noch in der Gewinnzone halten. Die Deutsche Bank kam im zweiten Quartal dagegen vergleichsweise glimpflich davon. Alle drei Geldhäuser zeigten sich optimistisch, dass die Belastungen durch Kreditrückstellungen im zweiten Halbjahr sinken dürften.

Den Aktienkursen konnte das aber nicht auf die Sprünge helfen: Die Barclays-Aktie verlor mehr als sechs Prozent, bei Santander waren es fast vier Prozent.

Santander trifft die Krise so hart wie bislang keine europäische Grossbank. Wegen der schlechteren Konjunkturaussichten schrieb das grösste Geldhaus der Euro-Zone 12,6 Milliarden Euro auf frühere Zukäufe ab. Neben dem Heimatmarkt Spanien gehören auch die für die Bank wichtigen Märkte Grossbritannien und Brasilien zu den am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder weltweit.

Schrumpfende Konzernerträge

Bereinigt um die Abschreibungen fiel der Gewinn um 27 Prozent auf 1,53 Milliarden Euro. Denn wie die Konkurrenz mussten auch die Spanier viel Geld für drohende Kreditausfälle zurücklegen - allein im zweiten Quartal waren es gut drei Milliarden Euro. Zudem machen die niedrigen Zinsen Santander zu schaffen, die Konzernerträge schrumpften um 15 Prozent auf 10,46 Milliarden Euro.

Die britische Grossbank Barclays konnte sich dagegen in der Gewinnzone halten. Der Nettogewinn brach im zweiten Quartal um mehr als 90 Prozent auf 90 Millionen Pfund (100 Millionen Euro) ein. Hauptgrund waren die Rückstellungen für drohende Kreditausfälle, die sich auf 1,6 Milliarden Pfund beliefen.

Trotz eines florierenden Investmentbankings schrumpften die Konzernerträge um knapp vier Prozent auf 5,3 Milliarden Euro, da die Verbraucher in der Corona-Pandemie seltener die Kreditkarte zückten und weniger Darlehen aufnahmen. Zudem stundeten viele Verbraucher ihre Kredite.

Europas Banken können Abstand auf US-Häuser nicht verringern

Dagegen konnte das Investmentbanking glänzen. Wie die Konkurrenz profitierte auch Barclays von den schwankenden Märkten und der Begleitung von Unternehmen bei Anleiheemissionen. Die Erträge im Geschäft mit Anleihen, Rohstoffen und Devisen legten um 60 Prozent zu.

Auch die Deutsche Bank schnitt dank ihres Investmentbanking besser ab als befürchtet, zudem stellte sie mit 761 Millionen Euro weniger Geld für Kreditausfälle zurück als die beiden Rivalen. "Wir haben kaum Kreditkarten und Kreditkartenzahlungen wie zum Beispiel unsere amerikanischen Wettbewerber oder ein hohes Konsumentenfinanzierungsgeschäft", sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing.

Trotz der milliardenschweren Hilfsprogramme der europäischen Staaten und der Sozialversicherungssysteme ergeht es den Geldhäusern auf dieser Seite des Atlantiks ähnlich wie den grossen Konkurrenten in den USA. Wegen der mauen Konjunkturaussichten, der hohen Arbeitslosigkeit und einer zunehmenden Zahl an Firmenpleiten sorgten die sechs grössten US-Geldhäuser im zweiten Quartal mit mehr als 30 Milliarden Dollar für Kreditausfälle vor.

Dennoch fuhren die meisten von ihnen Milliardengewinne ein, während viele europäische Konkurrenten vergleichsweise beschauliche Ergebnisse lieferten oder sogar rote Zahlen schreiben. Den Rückstand auf die in den Vorjahren weit enteilten US-Geldhäuser konnten Europas Banken bislang nicht verringern. 

(Reuters)

 
Aktuell+/-%
Banco Santander Rg3.083+2.99%
EUR/USD1.1721+0.05%
Barclays Rg1.837-0.12%
Deutsche Bank N10.762+1.03%
EUR/GBP0.8568+0.04%

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