Auch ab Dienstag setzte sich das Auf ‌und Ab ⁠der Aktie des Raumfahrt- und KI-Konzerns fort. Analysten zufolge spiegeln diese Schwankungen jedoch keine grundlegende Änderung in der Einschätzung der Aussichten und der SpaceX-Bewertung wider. Dies liege eher an der Informationsflut vor dem 75 Milliarden Dollar ⁠schweren Rekord-Börsengang und der darauf folgenden Stille.

Dies dürfte sich in den kommenden Tagen ändern. Die Aufnahme von SpaceX in wichtige Indizes und der Beginn der Analyseabdeckung durch grosse Investmentbanken dürften für weitere Käufe sorgen. Zugleich ‌könne aber der Ablauf von Haltefristen (Lock-ups) zu Verkäufen führen. Es sei aber unmöglich vorherzusagen, wie sich diese Faktoren genau auswirken werden, ‌insbesondere in einem heiss gelaufenen Markt für KI-bezogene Aktien.

Index-Aufnahme und hohe Kursschwankungen

Die Aktien waren Mitte Juni ​zu 135 Dollar pro Stück ausgegeben worden und in der Folge bis auf rund 220 Dollar gestiegen - danach aber wieder kräftig abgesackt. Am Dienstag lagen die Aktien bei 163 Dollar und damit fünf Prozent höher als am Montag. «Wenn diese Niveaus halten, wird dies optimistisch als 'Test' gewertet. Sollten sie jedoch brechen, könnte dies einen Stimmungsumschwung für die höher bewerteten Marktsegmente markieren», bewertete die Bespoke Investment Group die Lage.

Der jüngste Kursrückgang bei SpaceX ging zudem mit dem stärksten Rücksetzer bei Technologiewerten seit Wochen einher. So fiel der Börsenwert von ‌Nvidia wieder unter die Marke von fünf Billionen Dollar, während der Nasdaq-Index hunderte Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung einbüsste.

Am Freitag wird die Aufnahme der Aktie in die Russell-Indizes im Rahmen der regulären Indexanpassung erwartet. Das könnte zu Zuflüssen von passiven Investoren in Höhe von 2,68 Milliarden Dollar führen. Im Juni ist zudem noch der 13. Flug des SpaceX-Starship geplant. Im ​Juli wird dann die Aufnahme der Aktie in den Nasdaq-100 erwartet und die Stillhaltefrist (Quiet Period) endet, die die Veröffentlichung von Analysen durch ​die am Börsengang beteiligten Investmentbanken einschränkt. Die Aktie steht zudem vor der Einbeziehung in börsengehandelte Fonds (ETFs) wie ​den Invesco QQQ Trust und den iShares Russell 1000 ETF, die an die Nasdaq- und Russell-Indizes gekoppelt sind.

Die Aufnahme in diese ETFs sei vom Markt zwar erwartet worden, sagte Todd Rosenbluth vom ETF-Analyseunternehmen TMX VettaFi. «Dennoch ‌werden diese ETFs am Tag der Aufnahme als Käufer auftreten und für eine gewisse Nachfrage nach der Aktie sorgen.» Indexfonds könnten im Gegensatz zu aktiven Managern oder Privatanlegern nicht weit im Voraus handeln.

Defensive Positionierung der Optionshändler

Am Optionsmarkt sind die Anleger inzwischen defensiver positioniert. Der anfängliche Ansturm auf SpaceX durch bullische Optionswetten ist einem ausgewogeneren Handel gewichen. Einige Händler bereiten sich darauf vor, dass ​die Aktie ​in den kommenden Monaten unter ihren Ausgabepreis von 135 Dollar rutschen könnte. «Die Optionsaktivität ist ausgeglichener geworden. ⁠Es ist nicht mehr so völlig euphorisch wie am ersten Tag», sagte Steve Sosnick, Chefstratege bei ​Interactive Brokers.

Optionsdaten zufolge sehen Händler eine ⁠Wahrscheinlichkeit von etwa 40 Prozent, dass die Aktien bis Mitte September unter 130 Dollar notieren, erklärte Christopher Jacobson von der Susquehanna Financial Group. Zwar weisen SpaceX-Optionen insgesamt noch eine leichte ‌Aufwärtstendenz auf. Bei Kontrakten mit Fälligkeit von Juli bis September und Basispreisen zwischen 125 und 190 Dollar kommen laut LSEG-Daten jedoch fast zwei Put-Optionen auf jede offene Call-Option, was auf eine defensive Positionierung hindeutet. Call-Optionen verbriefen das Recht, Aktien in der Zukunft zu einem festgelegten Preis zu kaufen, während Put-Optionen das ‌Recht zum Verkauf bieten. Das sei aber nicht ungewöhnlich, «wenn man die Performance von heissen Börsengängen in der unmittelbaren Zeit nach ​der Emission und den Absicherungsbedarf rund um die Freigabefristen betrachtet», sagte Ophir Gottlieb, Chef von Capital Market Laboratories.

Während die meisten neu börsennotierten Unternehmen Insiderverkäufe für etwa sechs Monate nach der Notierung einschränken, hat SpaceX Ausnahmen für einige Beteiligte geschaffen. Geplant ist eine schrittweise Freigabe von gesperrten Aktien, die teilweise an die Unternehmensentwicklung und Kursziele geknüpft ist. Einige Aktionäre könnten kurz nach der Vorlage der ersten ‌Quartalszahlen von SpaceX mit dem Verkauf von Aktien ​beginnen, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

(Reuters)