Die Aktie von Interroll gibt um 3,1 Prozent auf 1390 Franken nach, während der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Performance Index (SPI) um 0,36 Prozent zulegt. Seit Jahresbeginn haben die Valoren von Interroll mehr als 35 Prozent an Wert verloren. Auf eine Sicht von drei Jahren resultierte gar ein Kursverlust von nahezu 55 Prozent.
Die letzten Jahre waren beim Fördertechnikspezialisten alles andere als einfach: Umsatzrückgang, Margenschwund, mehr Konkurrenz aus China und Restrukturierungen sind die Stichworte. Mit Thorsten Sauter von Kepler Cheuvreux hat nun ein erster Analyst den dicken Rotstift angesetzt und am Donnerstag das Kursziel auf 1400 von 2400 Franken reduziert. Zudem ging er beim Rating auf «Reduce» von «Hold».
Das Unternehmen sei nach einer längeren Durststrecke zwar wieder auf Wachstumskurs, doch der Experte von Kepler Cheuvreux warnt vor neuem Gegenwind. Die Währungsschwankungen und die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten könnten die aktuelle Erholung dämpfen. Positiv hebt Sauter von Kepler Cheuvreux die Strategie gegen die chinesische Konkurrenz hervor, auch wenn sich deren Erfolg erst langfristig auszahlen dürfte. Kurzfristig drohe jedoch Druck auf die Profitabilität, da höhere Budgets für Marketing und Forschung sowie die Übernahme von Royal Apollo die Margen vorerst belasten dürften.
Gemäss AWP-Analyser liegen drei Ratings «Kaufen», vier «Halten» und einmal «Verkaufen» vor. Das durchschnittliche Kursziel liegt weiterhin bei rund 2175 Franken unter Berücksichtigung des neuen Kurszieles von Kepler Cheuvreux. Berenberg, Jefferies und Research Partners - alle drei mit einer Kaufempfehlungen - rufen seit Mitte März immer noch Kursziele bis zu 2400 Franken auf. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von bis zu 78 Prozent.
Anlegerinnen und Anleger sollten aber nicht blindlings zugreifen, nur weil hohe Kursziele locken. Ein Turnaround ist ein steiniger Weg, und gerade an Interroll zeigt sich demonstrativ, wie lange das dauern kann. Es könnte zudem auch sein, dass nach Kepler Cheuvreux andere Finanzinstitute in den nächsten Wochen und Monaten die Kursziele und Ratings unter negativen Vorzeichen ebenfalls neu überdenken.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Corona-Krise, welche bei dem auf E-Commerce-Firmen spezialisierten Unternehmen 2020 bis 2022 einen regelrechten Run auf Automatisierungsanlagen auslöste. Das verzerrte das Bild, der Geschäftsgang litt 2023 bis 2025 entsprechend unter einer schwachen Nachfrage. Das ist nun alles eingepreist. Wer den Titel im Depot hat, darf diesen getrost dort liegen lassen.

