Laut einer aktuellen Einschätzung von Morgan Stanley könnte der Schweizer Franken gegenüber dem Euro um weitere 5 Prozent aufwerten. Die Bank rät Anlegerinnen und Anlegern, den Euro gegenüber dem Franken zu verkaufen, da ihrer Meinung nach das Risiko einer Intervention der Schweizerischen Nationalbank (SNB) an den aktuellen Kursniveaus überschätzt wird.

Die Strateginnen und Strategen der US-Grossbank empfehlen eine Short-Position im Währungspaar Euro-Franken mit einem Zielkurs von 87 Rappen - ein Niveau, das zuletzt Anfang 2015 erreicht wurde, als die SNB die Obergrenze für den Franken aufhob und damit eine dramatische Aufwertung auslöste. Sollte das Währungspaar jedoch auf 0,94 steigen, würde die Position neu bewertet werden.

In einer Analyse unter der Leitung von Andrew Watrous heisst es, dass der Euro-Franken-Kurs voraussichtlich weiter fallen wird, da die Kaufkraftparität den Schweizer Franken unterstützt. Gleichzeitig überschätzen Anlegerinnen und Anleger die Wahrscheinlichkeit, dass die SNB den Kurs um 0,92 Franken verteidigen wird – ein Niveau, an dem die Notenbank in der Vergangenheit bereits eingriff. Aktuell notiert das Währungspaar bei etwa 0,9140, dem schwächsten Stand seit 2015.

Die Strategen vergleichen die aktuelle Situation mit Mai 2020, als der Euro-Franken-Kurs unterhalb des Niveaus lag, das die historischen Inflationsunterschiede suggerierten. Heute hingegen notiert das Währungspaar deutlich über diesem Niveau. Basierend auf der historischen Beziehung würde die Kaufkraftparität sogar einen Kurs von 0,8718 nahelegen.

Morgan Stanley geht davon aus, dass die SNB erst dann eingreifen wird, wenn die Frankenstärke die Inflationsaussichten spürbar verändert. Zudem wirkt die Nachfrage nach sicheren Anlagen wie ein Rückenwind, der den PPP-getriebenen Abwärtstrend des Devisenpaars beschleunigen könnte. Die Experten sehen sogar Potenzial, dass der Franken Gold outperformen könnte.

Im Vergleich zu anderen sicheren Anlagen wie Gold, dem japanischen Yen oder dem Dollar sei die Perspektive für den Franken klarer und weniger unsicher. In diesem Kontext könnte die relative Attraktivität des Frankens als sicherer Hafen die Abwärtsbewegungen des Euro-Franken-Paars in Phasen erhöhter Risikoaversion noch verstärken.

(Bloomberg/cash)