Die letzte Anpassung der Valoren im Börsenbarometer Swiss Market Index (SMI) liegt ein respektive drei Jahre zurück. Am 21. Juni 2023 rutschten für die Aktien der Credit Suisse die Anteile des Transportunternehmens Kühne+Nagel in den hiesigen Leitindex nach. Im Vergleich zu einem normalen Rebalancing, wie dieser Vorgang in der Fachsprache heisst, erfolgte diese Anpassung ausserordentlich, da die Aktien der Credit Suisse am 14. Juni mit der Übernahme durch die UBS dekotiert wurden. 

Im Folgejahr 2024 kam es zu keiner Veränderung, ehe im vergangenen Jahr Amrize nach dem Spin-off von Holcim die Position des Hörgeräteherstellers Sonova übernahm. Für die Mitte Juli 2026 erneut anstehende Überprüfung, die per 17. September in Kraft treten wird, könnte die Ausgangslage indessen nicht spannender sein. Gleich zwei Kandidaten sind für die Aufnahme im Spiel und drei Namen stehen vor einem möglichen Aus.  

Bei den Kriterien gemäss Reglement der SIX spielen nicht nur die Börsenkapitalisierung, sondern auch die Anzahl frei handelbarer Aktien der Firma und die Entwicklung der Handelsumsätze eine tragende Rolle. Ferner gilt es zu berücksichtigen, dass die SIX bei der Zusammensetzung des SMI einen Puffer von Platz 19 bis Platz 22 eingeführt hat, um allzu häufige Wechsel im Leitindex zu vermeiden, wie Tobias Kistler, Analyst bei der St. Galler Kantonalbank (SGKB), auf Anfrage von cash.ch erläutert.

«Die bereits im SMI enthaltenen Titel werden zudem bevorzugt behandelt. Erst wenn ein SMI-Titel auf Basis der diskutierten Streubesitz- und Liquiditätskriterien auf Rang 23 abrutscht, wird er aus dem SMI entfernt.» Gleichzeitig sei ein definitiver Aufstieg in den SMI für einen neuen Titel nur möglich, wenn er mindestens Rang 18 erreicht, präzisiert der SGKB-Experte. 

Unter Berücksichtigung dieser Kriterien sehen die Analysten von JPMorgan eine Aufnahme von Galderma und Sandoz sowie einen Ausschluss von Kühne+Nagel und Swisscom als möglich. Dabei hat Galderma die besten Aussichten auf eine Aufnahme, weil die Börsenkapitalisierung 42 Milliarden Franken beträgt - damit reiht sich der Gesundheitskonzern auf dem neunten Platz im SMI-Ranking nach Holcim (Börsenkapitalisierung 43 Milliarden Franken), aber noch vor Lonza (40 Milliarden Franken) ein. Zudem ist der frei handelbare Streubesitz genügend hoch, nachdem sich die vorherigen Eigentümer aus dem Private-Equity-Bereich fast vollständig zurückgezogen haben. 

Mit Sandoz und einem Marktwert von 32 Milliarden Franken meldet ein zweiter Kandidat Ambitionen für eine SMI-Aufnahme an. Der Titel des Generikaherstellers würde im SMI gemessen an der Marktkapitalisierung auf die 13. Position rutschen - knapp hinter Givaudan mit 32,6 Milliarden Franken und vor Swisscom mit 31,7 Milliarden Franken.

Somit scheint auch bei Sandoz auf den ersten Blick klar, dass der Titel aufgenommen werden dürfte - zumal Sika, Alcon, Swiss Life, Kühne+Nagel, Amrize, Partners Group, Geberit und Logitech einen tieferen Börsenwert ausweisen. Aber ganz sicher ist das nicht, weil dem freien Streubesitz und dem Handelsvolumen respektive der Liquidität des Titels eine grosse Bedeutung zukommt. 

Gemäss SIX wird beim Kriterium Liquidität der Orderbuchumsatz gemessen – sprich: Wie oft werden die Aktien gehandelt? Jede abgeschlossene Transaktion mit einer Aktie gilt als Umsatz. Ein hoher Orderbuchumsatz bedeutet also viele Transaktionen, was wiederum auf einen liquiden Handel schliessen lässt.

Kühne+Nagel, Swisscom oder doch Logitech?

Bereits vor Jahresfrist standen die Valoren von Kühne+Nagel auf der Kippe, aus dem SMI herauszufallen - letzten Endes traf es wie eingangs erwähnt Sonova. In diesem Jahr dürfte es für den Logistiker aus Schindellegi nochmals schwierig werden, das Ausscheiden aufzuschieben. Entscheidend ist der Streubesitz, da der Hauptaktionär Michael Kühne direkt und indirekt rund 60 Prozent der Aktien kontrolliert. Entsprechend werden dem Unternehmen von der gesamten Börsenkapitalisierung von 24 Milliarden Franken weniger als die Hälfte angerechnet. Einerseits fällt Kühne+Nagel damit auf den letzten Platz der SMI-Rangliste, andererseits auch hinter den 22. Platz in der Pufferliste, da Galderma und Kühne+Nagel die deutlich höhere Börsenkapitalisierung ausweisen, wie der SGKB-Experte ausführt.  

Ähnlich sorgt auch bei Swisscom der Ankeraktionär - in diesem Fall der Bund mit 51 Prozent - für einen geringen Streubesitz, welcher sich negativ auf das Ranking auswirkt. Entsprechend weist der Schweizer Telekomriese einen Free Float von 49 Prozent auf, was eine Halbierung der Gewichtung der Börsenkapitalisierung nach sich zieht. Dies bedeutet: Swisscom steht mit einer angerechneten Börsenkapitalisierung von 15,8 Milliarden Franken auf dem zweitletzten Platz, vor Geberit mit 18 Milliarden Franken und Logitech mit 12 Milliarden Franken. 

Während die Wahrscheinlichkeit bei Kühne+Nagel verhältnismässig hoch ist, nach einem kurzen Gastspiel den Indexplatz im SMI zu verlieren, könnte es bei einer Aufnahme von Sandoz entweder Swisscom oder Logitech treffen. «Wen es genau trifft, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht genau abgeschätzt werden», sagt Kistler von der St. Galler Kantonalbank

Thomas Daniel Marti
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