Im Tarifkonflikt beim südkoreanischen Technologiekonzern Samsung Electronics hat ein Gericht einem Antrag des Unternehmens auf eine einstweilige Verfügung gegen den geplanten Streik teilweise stattgegeben. Der Geschäftsbetrieb müsse auf einem normalen Niveau aufrechterhalten werden, berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap am Montag unter Berufung auf das Gericht. Der weltgrösste Speicherchip-Hersteller und die Gewerkschaft des Unternehmens sollen am Montag ihre Tarifverhandlungen unter staatlicher Vermittlung wieder aufnehmen. Ein Gewerkschaftsführer sagte vor dem Treffen, man werde sich an den Gesprächen beteiligen. Die Gewerkschaft hatte einen 18-tägigen Streik ab dem 21. Mai angekündigt, an dem sich Schätzungen zufolge mehr als 45.000 Beschäftigte beteiligen wollten.
Regierung schaltet sich ein
Südkoreas Präsident Lee Jae Myung schaltete sich in die Debatte ein und erklärte auf der Kurznachrichtenplattform X, Arbeitnehmer- und Managementrechte müssten gleichermassen respektiert werden. Daraufhin drehten die Samsung-Aktien ins Plus und stiegen im Vormittagshandel um bis zu 3,5 Prozent. Südkoreas Regierung will alle Hebel in Bewegung setzen, um im Tarifkonflikt beim Technologiekonzern Samsung Electronics drohende Streiks abzuwenden. Ministerpräsident Kim Min Seok brachte dafür am Sonntag nach einem Krisentreffen mit Ministern auch eine Notfall-Schlichtung ins Gespräch.
Eine Anordnung zum Einsatz dieses selten angewandten Kriseninstruments kann vom Arbeitsminister erlassen werden. Und zwar dann, wenn der Staat die Einschätzung vertritt, dass ein Streitfall voraussichtlich der Wirtschaft oder dem öffentlichen Leben schaden wird. Die Anordnung untersagt Streiks unverzüglich für einen Zeitraum von 30 Tagen, während die Nationale Kommission ein Vermittlungs- und Schlichtungsverfahren einleitet. Die Gewerkschaft erklärte am Sonntag, sie werde dem Druck hinsichtlich einer Schlichtung nicht nachgeben und keiner Lohnvereinbarung zustimmen, sollte das Unternehmen ein weniger vorteilhaftes Angebot vorlegen.
Streik würde globale Lieferengpässe verschärfen
Samsung steht für fast ein Viertel der gesamten Exporte des Landes. Das Unternehmen ist der weltgrösste Anbieter von Speicherchips und ein wichtiger Auftragsfertiger. Ein Streik würde die weltweiten Lieferengpässe bei Halbleitern verschärfen und damit globale Lieferketten empfindlich treffen. Führungskräfte der Chipsparte warnten Medienberichten zufolge, dass Kunden während eines Streiks vorübergehend keine Lieferungen mehr annehmen könnten, da die Produktqualität nicht garantiert werden könne. Zu Samsungs Kunden gehören Nvidia, AMD und Google. Kurz vor Bekanntgabe der neuen Gesprächsrunde hatte sich der Vorsitzende von Samsung Electronics, Jay Y. Lee, erstmals öffentlich zu dem Streit geäussert und um Entschuldigung gebeten.
Im Zentrum des Tarifkonflikts steht die Verteilung der Gewinne aus dem Boom bei Künstlicher Intelligenz (KI). Bei den bisherigen Tarifverhandlungen gab es keine Annäherung. Die Arbeitnehmervertreter wollen eine Erhöhung der Grundgehälter um sieben Prozent sowie die Verteilung von 15 Prozent des jährlichen operativen Gewinns als Boni für die Beschäftigten durchsetzen. Bislang liegen die Prämien deutlich unter denen, die der Lokalrivale SK Hynix zahlt. Dieser hat die Obergrenzen für Mitarbeiterboni abgeschafft und koppelt sie an den operativen Gewinn. Samsung zufolge würden Änderungen nach diesem Vorbild künftige Investitionen und die Ausschüttungen an die Aktionäre gefährden.
(Reuters)

