Bian Ximing hat seit Anfang 2022 mit bullischen Positionen auf Gold-Futures an der Shanghai Futures Exchange fast drei Milliarden Dollar verdient. Nun hat er dort die grösste Netto-Short-Position in Silber aufgebaut, wie eine Bloomberg-Analyse von Börsendaten und Angaben informierter Personen zeigen. Sie wollten anonym bleiben, da die Informationen nicht öffentlich sind.
Bians grosse Short-Position ist mit erheblichen Risiken verbunden. In dem volatilen Silbermarkt war er gezwungen, einige Positionen mit Verlust zu liquidieren. Derzeit hält er jedoch eine Short-Position von rund 450 Tonnen Silber beziehungsweise 30'000 Kontrakten. Der starke Preisrückgang seit der vergangenen Woche hat dadurch zu einem Buchgewinn von etwa zwei Milliarden Yuan, umgerechnet 288 Millionen Dollar, geführt.
Unter Einrechnung früherer Verluste könnte Bians Nettogewinn auf rund eine Milliarde Yuan steigen, basierend auf seiner Position und den Preisen zum Handelsschluss am Dienstag. Silber rutschte am Donnerstag weiter ab und hat inzwischen mehr als 16 Prozent verloren, was Bians Gewinn mit ziemlicher Sicherheit deutlich erhöht hat.
Bian begann über sein Brokerhaus Zhongcai Futures in der letzten Januarwoche damit, seine Silber-Short-Positionen deutlich auszubauen, wie Börsendaten zeigen. Die SHFE gibt keine Auskunft über die Identität einzelner Anleger hinter den Brokerkonten, doch Insidern zufolge machen Bians eigene Wetten - und Produkte, die er direkt für eine kleine Anzahl von Kunden verwaltet - den Grossteil der Edelmetallpositionen des Unternehmens aus.
Bian und Zhongcai Futures reagierten nicht auf E-Mails mit der Bitte um Stellungnahme.
Börsendaten zeigen, dass Zhongcais die Short-Position in Silber am 28. Januar auf rund 18'000 Kontrakte ausgeweitet hatte. Am 30. Januar, als Silber in Shanghai ein Allzeithoch erreichte, war sie weiter auf etwa 28'000 Kontrakte erhöht worden.
Hintergrund für Bians Wette sind die seit Wochen dramatischen Kursschwankungen, die Marktbeobachter dazu veranlassen, ihre einheitliche Herangehensweise an Edelmetalle zu überdenken. Während viele institutionelle Anleger Gold weiterhin als Absicherung gegen Zinsänderungen, Käufe durch Zentralbanken und globale Unsicherheiten betrachten, wird der Anstieg des Silberpreises zunehmend als eine industrielle Rally angesehen, die vor allem durch spekulative Positionierungen und nicht durch wirtschaftliche oder andere fundamentale Faktoren angetrieben wird.
Zurückgezogenheit als Stärke
Bian erlangte in Chinas Terminmärkten Bekanntheit durch aggressive Wetten auf steigende Goldpreise, die vor fast vier Jahren begannen. Er gehört zu einer kleinen Gruppe prägender Persönlichkeiten, die den Rohstoffhandel seit dem wirtschaftlichen Boom vor mehr als zwei Jahrzehnten dominieren. Anders als viele seiner Mitstreiter hebt er sich durch seine Zurückgezogenheit hervor - und durch die treue Anhängerschaft, die seine Überlegungen zur Investmentphilosophie im Internet verfolgen.
Seit August des vergangenen Jahres hatte Bian eine Long-Position in Silber aufgebaut, die laut Berechnungen auf Basis von Börsendaten einen Gewinn von mehr als 1,3 Milliarden Yuan einbrachte. Im November begann er jedoch, seine Position zu drehen, und versuchte mit vorsichtigen Schritten, den Höhepunkt der Rally zu treffen, was ihn zeitweise auf die Verliererseite von Trades brachte.
Seit der vergangenen Woche hielt Bian seine Short-Position jedoch mit Überzeugung, verteilte sein Engagement auf länger laufende Kontrakte und blieb auch während zwischenzeitlicher Preisanstiege investiert. Der starke Kursverfall hat seine Strategie vorerst belohnt.
Bloomberg rekonstruierte die Veränderungen der Zhongcai-Positionen mithilfe täglicher Daten der SHFE und schätzte daraus die Gewinne. Da die Börse Details wie Einstiegskosten nicht veröffentlicht, sind kleinere Abweichungen möglich.
(Bloomberg/cash)

