Viele Kleinanleger und Spekulanten seien auf den Zug der steigenden Goldpreise aufgesprungen und nun auf dem falschen Fuss erwischt worden, sagt Raiffeisen-Anlagechef Matthias Geissbühler. «Jetzt ziehen sie sich wieder zurück. Das erklärt die Korrektur weitgehend.»
Sobald das Segment der Kleinanleger und Spekulanten aus dem Markt verschwunden ist, ist eine Bodenbildung wahrscheinlich. Das wird laut Geissbühler voraussichtlich spätestens bei einem Goldpreis von 4250 Dollar je Unze sein. Diese Marke wurde seit Ende letzter Woche weder touchiert noch unterschritten, weshalb die Korrektur noch anhalten kann. Derweil hat der Goldpreis die Verluste am Montag bereits wieder eingegrenzt.
Sobald nun das - bildhaft gesprochen - kühlende Gewitter über den zuletzt aufgeheizten Edelmetallmarkt hinweggezogen ist, treten die Fundamentaltrends wieder stärker in den Vordergrund, namentlich: Zentralbanken, die Gold kaufen, um sich weniger abhängig vom Dollar zu machen. Zudem: Die geopolitischen Unsicherheiten, die bislang teilweise von der Zollpolitik, dem Eingriff in Venezuela und den Avancen auf Grönland der USA ausgelöst wurden - wie sie aber durch den Krieg in der Ukraine und den Konflikten im Nahen Osten auch schon bestanden.
Solche Trends stützen den Preis von Gold. Ungebrochen zuversichtlich ist die Deutsche Bank jedenfalls. Am Montag hat sie das Goldpreisziel von 6000 Dollar je Feinunze bekräftigt. Die Chancen zum Wieder- oder Neueinstieg in den Edelmetallmarkt reichen von Aktien der Minengesellschaft über ETF («Exchange Traded Funds») auf solche Aktien bis zu Gold-ETF. cash.ch zeigt eine Übersicht.
1) Aktien von Minengesellschaften
Die Valoren der Unternehmen, die Gold, Silber und andere Metalle fördern, schwanken mit den Edelmetallpreisen. Denn von diesen Notierungen hängen die Margen und Gewinne der Gesellschaften zu einem guten Teil ab.
Fast schon naturgemäss verhält es sich, dass auch die Aktien von Minengesellschaften in den zurückliegenden Tagen gefallen sind. Etwa verlor der «Market Vector Global Gold Miners Index» seit letztem Donnerstagmittag knapp 16 Prozent. Er bildet die Wertententwicklung von Unternehmen aus der Gold- und Silberbergbauindustrie ab; stark gewichtet sind die Titel von Agnico-Eagle Mines, Newmont und Barrick Mining.
Diese Unternehmen operieren weiter unter grundsätzlich positiven Vorzeichen: Die Förderkosten je Unze Gold werden mit rund 1500 Dollar beziffert, womit auch unter Hinzurechnung weiterer Kosten noch Luft bleibt. Und so schreiben die Bergbaufirmen laut jüngster Berichterstattung weiter Gewinne und verzeichnen positive Freie Cash Flows. Das Gros der Analysten stuft die Aktien von Agnico-Eagle Mines, Newmont und Barrick Mining denn auch mit «Buy» ein.
Allerdings gibt es beim Kauf solcher Werte unternehmensspezifische Risiken. Das Management kann Fehlentscheide treffen, Minen müssen unerwartet geschlossen werden oder eine kostspielige Exploration ergab, dass ein Vorhaben nicht umgesetzt wird. Alternativen zu Einzeltiteln bieten ETF (Exchange Traded Funds, oder: börsengehandelte Indexfonds), die eine Art Korb von Aktien bilden.
2) ETF
Nach der heftigen Korrektur bieten Gold-ETF eine einfache Möglichkeit zum Wiedereinstieg - ohne physisches Metall kaufen und lagern zu müssen. Besonders interessant sind physisch hinterlegte Produkte, die tatsächlich Gold in Tresoren halten. «Zum Wiedereinstieg - oder Neueinstieg - sind physisch hinterlegte Gold-ETF die eleganteste Lösung. Man muss das Gold nicht in einem Safe halten, kann es sich aber ausliefern lassen. Dennoch ist man direkt in physisches Gold investier», sagt Geissbühler von Raiffeisen.
Wie etwa der Swisscanto Gold ETF (ISIN: CH0047533523), der mit rund 13 Milliarden Franken Fondsvolumen einer der grössten Gold-ETF Europas ist. Er ist zu 100 Prozent physisch mit Gold hinterlegt, das in Schweizer Tresoren liegt. Die Gesamtkostenquote (TER) beträgt 0,25 Prozent pro Jahr. Anleger können jederzeit Anteile veräussern oder die Sachauszahlung in physischem Gold zu Standardbarren von zirka 12,5 Kilogramm zu verlangen.
Günstiger ist der Invesco Physical Gold ETC (ISIN: IE00B579F325, TER: 0,12 Prozent), der ebenfalls vollständig durch Goldbarren besichert ist. Wer bei der von Geissbühler prognostizierten Bodenbildung bei 4250 Dollar einsteigen will, findet hier liquide interessante Alternativen.
Wer breiter streuen möchte, kann auch andere Edelmetalle beimischen. Der iShares Physical Silver ETC (ISIN: IE00B4NCWG09, TER: 0,20 Prozent) bildet den Silberpreis über physisch hinterlegtes Metall ab. Silber kombiniert Eigenschaften eines Edelmetalls mit industrieller Nachfrage aus Solarzellen und Elektronik - allerdings ist es volatiler als Gold, wie der jüngste Absturz zeigt. Am Montag hat der Silberkurs weiter eingebüsst, so dass vom Rekordhoch von vergangener Woche ein Minus von fast 30 Prozent zu Buche steht.
Platin und Palladium waren weniger der jüngsten Kursrallye ausgesetzt. Der WisdomTree Physical Platinum (ISIN: JE00B1VS2W53, TER: 0,49 Prozent) und der WisdomTree Physical Palladium (ISIN: JE00B1VS3770, TER: 0,49 Prozent) sind ebenfalls physisch hinterlegt. Beide Metalle hängen stark von der Automobilindustrie ab. Angebotsengpässe - insbesondere bei Palladium wegen ausgefallener russischer Exporte - könnten die Preise stützen.
Wer breiter in Rohstoffe investieren möchte, greift zum iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF (ISIN: IE00BDFL4P12, TER: 0,19 Prozent). Dieser bildet den Bloomberg Commodity Index mit 24 Rohstoffen ab: von Energie über Industriemetalle wie Kupfer bis zu Edelmetallen. So lässt sich das Portfolio über verschiedene Rohstoffklassen diversifizieren, eine sinnvolle Ergänzung zur reinen Goldanlage.
3) Anlagen ausserhalb des Edelmetallmarktes
«Ausserhalb der Edelmetalle gibt es einen Anlagenotstand», stellt Geissbühler fest. Konkret: Anleihen, gerade Schweizer Staatsanleihen, werfen praktisch nichts mehr ab. So liegen die Renditen zehnjähriger Bundesobligationen bei rund 0,3 Prozent. Immobilienfonds sind schon auf historischen Hochs, und Aktien sind oft teuer bewertet. Am Aktienmarkt bieten dem Raiffeisen-Anlagechef einzelnen Sektoren wie das Gesundheitswesen, Basiskonsumgüter oder zyklische Konsumgüter Chancen.
Auch die These, dass sich Kryptowährungen als alternatives Investment anbieten, scheitert wohl. Während Gold nach der Korrektur laut Experten mittelfristig auf 6000 Dollar steigen könnte, zeigt sich bei Kryptowährungen ein ganz anderes Bild: So ist der Bitcoin-Kurs am Montag zeitweise unter 75'000 Dollar gefallen - rund 40 Prozent unter dem Höchststand vom letzten Herbst. Ethereum, die zweitgrösste Kryptowährung, folgt diesem Abwärtstrend und notiert ebenfalls deutlich unter ihren Höchstständen.
Anders als Gold reagierten Bitcoin und Ethereum weder auf geopolitische Spannungen noch auf Dollar-Schwäche positiv. Selbst während der Kursrallye von Gold und Silber in den letzten Wochen gab es keine positiven Kursbewegungen bei Kryptowährungen. Vielmehr verzeichneten etwa Bitcoin-ETF drei Monate in Folge Abflüsse von insgesamt 5,7 Milliarden Dollar.
«Plötzlich scheinen Kryptowährungen keine Alternative mehr zu Fiat-Geld zu sein», resümiert Alex Kuptsikevich, Chefmarktanalyst bei FxPro, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Auch andere Analysten erwarten keine baldige Erholung. So schreibt etwa Paul Howard, Direktor des Market Makers Wincent, in einem Marktkommentar: «Ich glaube nicht, dass wir 2026 ein neues Allzeithoch sehen werden.»


