Gold und Silber haben sich im Laufe des Vormittags etwas von den zuvor markierten Tagestiefs erholen können. Nachdem beide Metallpreise am Donnerstag neue Höchststände markiert hatten, setzte am Freitag mit der Ernennung von Kevin Warsh als Nachfolger von Fed-Chef Jerome Powell ein beispielloser Ausverkauf bei beiden ein. «Der Freitag, 30. Januar 2026, wird wahrscheinlich als der volatilste Tag für Gold und Silber in die Geschichte eingehen», unkte ein Ökonom.
«Diejenigen, die gehofft hatten, dass sich der starke Rückgang der Gold- und Silberpreise von Freitag - Gold verlor 9 Prozent und Silber 27 Prozent - am Montag verlangsamen würde, erlebten heute Morgen einen weiteren Albtraum», fasste es die Analystin Ipek Ozkardeskaya von Swissquote zusammen. Im frühen Handel sackte Gold zeitweise um mehr als 8 Prozent ab, während es für Silber vorübergehend prozentual zweistellig abwärts ging.
Am frühen Nachmittag kostete die Feinunze Gold (etwa 31,1 Gramm) 4761 US-Dollar, ein Minus von 2,1 Prozent. Das bisherige Tagestief lag bei 4406 Dollar. Silber verlor 1,9 Prozent auf 83 Dollar. Im Tief kostete das Edelmetall am Morgen unter 72 Dollar.
Zum Vergleich: Erst am Donnerstag hatten beide Metalle noch Rekordstände markiert. Während Gold in der Spitze 5594 US-Dollar kostete, wechselte Silber zu fast 122 Dollar die Hand. Dabei sei der Preis für Silber nochmals schneller als der für Gold gestiegen, hielt Ozkardeskaya fest. Daher sei es nicht überraschend, dass der Absturz auch etwas ausgeprägter war.
Spekulativ heiss gelaufen
Letztlich seien die Preisanstiege der Vorwochen auch stark spekulativ gewesen, meinte ein Marktteilnehmer. Diese Spekulationsstimmung entlade sich nun ziemlich heftig. Ähnlich klang der Rochstoffexperte Dominik Sperzel vom Edelmetallhändler Heraeus: «Das dynamische Kursverhalten deutet auf umfangreiche Positionsauflösungen hin, ausgelöst durch technische Faktoren wie Margin-Anpassungen und algorithmische Handelsprogramme.» Wie der Experte betonte, kamen im Zuge des jüngsten Ausverkaufs auch Platin und Palladium unter Druck.
Mit der Ernennung von Warsh zum Nachfolger Powells seien bei Investoren Zweifel aufgekommen, dass es tatsächlich zu einer deutlichen Lockerung der Geldpolitik kommen wird, hiess es. Die Erwartungen von Zinssenkungen hatten zuletzt die Edelmetallpreise gestützt. Aber auch die zuletzt wieder gestiegenen geopolitischen Risiken hatten die Preise gestützt.
Sicherer Hafen in Krisenzeiten
Edelmetalle - allen voran Gold - gelten als sichere Häfen in Krisenzeiten. Silber ist zudem ein wichtiges Industriemetall, das für viele Anwendungen rund um KI, Robotik und Energie benötigt wird.
Für den Anlage-Experten Jurus Arthur von Oddo BHF wiederum stellte die Ernennung von Warsh eine «viel tiefere Zäsur dar als ein blosser Wechsel an der Spitze des Fed». Warsh sei nicht nur ein Inflationsfalke, sondern ein Reformer der geldpolitischen Governance. Vor allem plädiere er für eine engere operative Verzahnung zwischen Fed und Finanzministerium. «Geldpolitik wird damit nicht mehr als Gegengewicht zur Politik verstanden, sondern als integriertes Instrument der wirtschaftspolitischen Strategie der Exekutive.»
(AWP)

