Die Valoren des Schokoladenherstellers Barry Callebaut schlossen am Dienstag um 6 Prozent höher bei 1523 Franken an. Der Titel hat somit die zwischenzeitlich in den vergangenen 15 Monaten erlittenen Kursverluste von 50 Prozent wieder egalisiert. In den Genuss von anziehenden Kursen kamen auch die Aktionäre von Nestlé und Lindt&Sprüngli

Die US-Investmentbank Goldman Sachs äusserte sich zu den drei Schweizer Schokoladeproduzenten positiv. Die Analystin Samantha Darbyshire der US-Investmentbank hob das Kursziel für Barry Callebaut von 1450 Franken auf 1600 Franken an, da niedrigere Kakaopreise voraussichtlich den Cashflow steigern und den Schuldenabbau sowie die Dividendenpolitik des Unternehmens unterstützen werden. 

Die Aktien von Lindt & Sprüngli stiegen um 2,2 Prozent auf den höchsten Stand seit Oktober 2025. Goldman Sachs erhöhte das Kursziel moderat von 11'120 auf 11'300 Franken an, bekräftigte aber die Verkaufsempfehlung, da der Wettbewerb im Jahr 2026 die Marge und das Wachstum belasten dürfte. 

Bei Nestlé sieht Goldman Sachs aufgrund des beschleunigten realen internen Wachstums (RIG) - einer wichtigen Wachstumskennzahl für das Unternehmen - und der geringeren Verschuldung ein solides Fundament für das Geschäftsjahr 2026. Die Titel des Nahrungsmittelkonzerns aus Vevey zogen am Dienstag um 1,9 Prozent an. 

Entspannung am Kakao-Markt

Gegenteilig zur Kursentwicklung von Barry Callebaut entwickelte sich der Kurs der braunen Rohware Kakao. Vor 15 Monaten zog die Kakao-Notierung in New York rasant von 3200 auf ein zwischenzeitliches Allzeithoch von 12'000 Dollar an, ehe der Preis in den vergangenen sechs Monaten wieder in sich zusammenfiel und am Dienstagabend bei 3102 Dollar notiert. 

So schnell der Mangel an Kakaobohnen wegen Dürre und einer Pilzkrankheit 2024/2025 offensichtlich wurde, so schnell kam die Flut an Kakaobohnen zurück. Nun verstopfen die Bohnen die Lager in den afrikanischen Häfen und Händler sitzen auf unverkauften Bohnen, weil Firmen wie Barry Callebaut & Co. ihre Käufe reduzierten oder teilweise einstellten. Dieses Überangebot übt weiter Abwärtsdruck auf die Terminpreise aus.

Die Kakaopreise sind wieder auf einem vernünftigen Niveau angelangt. Dagegen dürfte die Kursrallye bei Barry Callebaut zunehmend auf Widerstand stossen. War die Aktie im letzten Oktober noch mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10x günstig bewertet, liegt die Bewertungskennzahl mit 24x wieder über dem fünfjährigen Mittel von 21x. Ferner gilt es zu beachten, dass der Ertrag auf dem investierten Kapital (Roic) gemäss Bloombergdaten mit knapp 5,0 Prozent immer noch tief ist. 

Verwaltungsrat trennt sich von Aktien

Ein negatives Signal kam auch von der Aktionärsfront bei Barry Callebaut. In der vergangenen Woche kam es zu grossen Verkäufen von Aktien aus dem Verwaltungsrat. Insgesamt wurden Aktien im Gesamtwert von 27,6 Millionen Franken von einem Verwaltungsrat veräussert, wie aus zwei Offenlegungsmeldungen an die SIX-Regulierungsstelle hervorging. Laut dem jüngsten Geschäftsbericht 2024/25 kommt nur Verwaltungsrat Nicolas Jacobs als Verkäufer infrage - die Details dazu hier.

Vier der von Bloomberg befragten Analysten stufen den Titel mit «Kaufen», zehn mit «Halten» und einer mit «Verkaufen» ein. Das durchschnittliche Kursziel von 1369 Franken liegt 10 Prozent unter den am Dienstag bezahlten Preisen. 

(cash/Bloomberg)