Die Edelmetallmärkte legen eine Pause ein. Gold war Anfang Jahr auf ein Allzeithoch von über 5500 Dollar je Feinunze gestiegen, notiert aktuell bei rund 4550 Dollar und kann Prognosen der US-Bank Wells Fargo mittelfristig bis auf 8000 Dollar steigen. Die Feinunze Silber war dieses Jahr schon mehr als 110 Dollar wert, ist auf derzeit 75 Dollar zurückgefallen, dürfte den Prognosen der UBS zufolge aber bald wieder zu 100 Dollar gehandelt werden.

Was Anleger, die in der gegenwärtigen Lage der Edelmetallmärkte zukaufen, bevorzugen, zeigen Angaben der Händler Degussa und Philoro. cash.ch hat sie befragt: Präferieren die Investoren Silber oder Gold, Münzen oder Barren, kleine oder grosse Einheiten?

Sowohl bei Philoro als auch bei Degussa zeigen die Anleger eine bestimmte Vorliebe für das 20-Franken-Goldvreneli. Es stehe in der Rangfolge der Goldmünzen an erster Stelle und liege vor international bekannten Anlagemünzen wie Krügerrand aus Südafrika, Philharmoniker aus Österreich und Maple Leaf aus Kanada, teilt Philoro mit. Bei Degussa zählt das Goldvreneli ebenfalls zu den Klassikern sowie zu den meistverkauften Münzen, neben Krügerrand und Maple Leaf.

Neben der Gemeinsamkeit, dass das Goldvrenli bei Philoro und Degussa sehr gefragt ist, beobachten die Edelmetallhändler gewisse Unterschiede im Kaufverhalten der Kunden insgesamt. 

Derzeit lasse sich eine deutliche Verschiebung der Nachfrage feststellen, sagt Andrea Haener, Marketing-Chefin von Degussa. «Während zu Jahresbeginn beide Edelmetalle - Gold und Silber - stark im Fokus standen, verzeichnet Gold aktuell wieder einen spürbaren Aufwärtstrend.»

Bei Philoro zeigt sich für das erste Quartal 2026, dass Kundinnen und Kunden Silber gegenüber Gold bevorzugten. Silberprodukte machten mehr als 50 Prozent des Verkaufsumsatzes aus, teilt der in Wittenbach SG niedergelassene Händler mit. In der Langzeitbetrachtung stelle dieses erste Quartal jedoch eine «grosse Ausnahme» dar - in der Regel mache Gold den Löwenanteil aus.

Die hohe Nachfrage bei gleichzeitig knapper Verfügbarkeit sorge bei Silber dafür, dass viele Anleger dieses Edelmetall in den Fokus nehmen, sagt Christian Brenner, CEO von Philoro Schweiz. Insgesamt sei aber auch das Interesse an Gold enorm gross. «Beide Edelmetalle profitieren von den geopolitischen Unsicherheiten und vom Wertverlust von Papiergeld bei der gegenwärtigen Inflation und der hohen Verschuldung vieler Staaten», so Brenner.

Sowohl bei Gold als auch bei Silber haben Kunden von Philoro in den ersten Monaten des Jahres grössere Stückelungen in Form von Barren wieder stärker nachgefragt als Münzen. Gemessen am Umsatz wurde das erste Quartal denn auch besonders von volumenstarken Barrenprodukten getragen.

Christian Brenner erklärt: «Die Anleger scheinen derzeit einen langfristigen Fokus zu haben, weshalb sie grosse Stückelungen favorisieren. Würden sie mit einem baldigen Verkauf rechnen, wären kleinere Einheiten wichtiger, um flexibel zu sein.»

Solche kleinere Einheiten können Silbermünzen sein. Gängig sind hierbei Ein-Unzen-Stücke, die momentan klar weniger als 100 Franken kosten. Daher sind sie für gerade für Kleinanleger erschwinglich. Der Rangfolge nach sind bei Philoro unter den Silbermünzen die Ein-Unzen-Stücke Philharmoniker, Maple Leaf, Krügerrand, American Eagle und Britannia am beliebtesten.

Degussa: Goldprodukte im Aufwind

«Goldprodukte im Aufwind», berichtet derweil Degussa, der aus Deutschland stammende Händler, welcher in Zürich und Genf Niederlassungen betreibt. Besonders gefragt seien Goldbarren der Marke Degussa. «Sie machen derzeit rund 80 Prozent der Goldverkäufe aus, während Investment-Münzen etwa 20 Prozent ausmachen», teilt Andrea Haener von Degussa mit.

Sie beobachtet ein unterschiedliches Nachfrageverhalten von Kleinanlegern und professionellen Investoren. Private setzten vor allem auf kleinere Barren, die zwischen 0,5 und 100 Gramm schwer sind. Ein besonderes «Highlight» seien Ein-Gramm-Goldbarren. Zu den aktuellen Notierungen kostet ein solches Stück knapp 130 Franken beziehungsweise in etwa so viel wie zwei Ein-Unzen-Silbermünzen.

Institutionelle und erfahrene Anleger fokussieren sich laut Haener auf die grösseren Barren zu je 250, 500 oder 1000 Gramm. Ein solcher Ein-Kilogramm-Barren ist derzeit 116'000 Franken wert. Damit lassen sich gerade grössere Bestände effizient aufbauen. Allerdings gibt es auch noch grössere Goldbarren. Der Gold-ETF der Zürcher Kantonalbank lagert beispielsweise Standardbarren von 12,5 Kilogramm ein.

Unter den Spezialprodukten sind bei Degussa-Kunden die Kombi-Barren zu 20 Gramm und zu 50 Gramm begehrt. Sie werden zwar an einem Stück hergestellt, sind aber in Ein-Gramm-Plättchen unterteilt. Diese lassen sich bei Bedarf gut abtrennen. Wegen dieser Teilbarkeit bieten die Kombi-Barren den Anlegern Flexibilität.

Am Silbermarkt verzeichnet Degussa eine über alle angebotenen Formen des physischen Silbers hinweg ausgeglichene Nachfrage, wobei wiederum auch die Kombi-Barren beliebt seien.

Andere Anlageformen als physisches Edelmetall

Neben dem Kauf von Barren und Münzen können Investoren über andere Vehikel ebenfalls am Edelmetallmarkt teilnehmen. Eine Möglichkeit sind Aktien von Minengesellschaften. Typischerweise steigen und fallen sie mit den Preisen der Metalle. Dies aber nicht eins zu eins, da - wie bei jeder Aktie - auch das Management, der Kennzahlenkranz und dessen Entwicklung eine zentrale Rolle für den Kursverlauf spielen.

Weiter können Edelmetall-ETF oder sogenannte ETC («Exchange-traded Commodities»; börsengehandelte Rohstoffe) interessant sein. Als Anleger kauft man zum Beispiel Anteile eines Fonds. Das Silber oder Gold wird physisch eingelagert; es kann dann auch an die Investoren ausgeliefert werden.

Etwa kann man beim Gold- und beim Silber-ETF der Zürcher Kantonalbank jederzeit eine Sachauszahlung verlangen. Das physische Edelmetall wird dann in Barren «von zirka 30 Kilogramm» bei Silber und «von zirka 12,5 Kilogramm» bei Gold ausgegeben, wie es in den jeweiligen Faktenblättern heisst. Sie vor einem Investment anzuschauen, wird einem solche möglicherweise nicht unerheblichen Angaben aufzeigen.

Reto Zanettin
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