Google-Mutter - Alphabet-Aktie: Warum die lahme Ente unter den Big-Techs jetzt zum Einstieg lockt

In der vielzitierten US-Big-Tech-Rally geht oft unter, dass die Aktie der Google-Mutter Alphabet im Vergleich zu Konkurrenten schlechter abschneidet. Das könnte sich bald ändern.
25.08.2020 14:29
Von Henning Hölder
Google ist eine Tochter von Alphabet Inc.
Google ist eine Tochter von Alphabet Inc.
Bild: imago images / Ralph Peters

Die Corona-Krise ist die Zeit der Technologie-Aktien. Insbesondere die ohnehin seit Jahren an Marktmacht gewinnenden US-Big-Techs entpuppten sich als grösste Profiteure der Pandemie. Die beeindruckenden Zahlen: Amazon plus 79 Prozent seit Anfang Jahr, Apple plus 71 Prozent, Netflix plus 51 Prozent, Microsoft plus 36 und die Facebook-Aktie verzeichnet ein Wachstum von immerhin noch 32 Prozent.

Und Alphabet? – "lediglich" ein Plus von 18 Prozent seit Jahresbeginn. Damit hinkt die Google-Mutter auch dem Branchenindex Nasdaq 100 deutlich hinterher (+31 Prozent). Während Amazon etwa von steigenden Bestellungen während des Lockdowns profitierte, Netflix massiv Nutzerzahlen hinzugewonnen konnte und Microsoft zum Gewinner der durch Corona beschleunigten Digitalisierung wurde, steht Alphabet im Schatten der Big-Tech-Highflyer.

Aktienkurs-Entwicklung von Amazon (grün), Nasdaq 100 (violett) und Alphabet (grau) seit Anfang Jahr, Quelle: Bloomberg. 

Sinnbildlich dafür: Ende Juli fieberten Marktbeobachter auf ein zuvor nie dagewesenes Ereignis hin. Mit Amazon, Apple, Alphabet und Facebook publizierten gleich vier Big Techs ihre Zahlen praktisch gleichzeitig nach Börsenschluss. Einzige Enttäuschung dabei: Alphabet. Der Suchmaschinen-Monopolist verzeichnetet das erste Mal in seiner 22-jährigen Unternehmensgeschichte einen – wenn auch minimen – Umsatzrückgang.

Dabei waren die Zahlen viel besser als von Analysten befürchtet. Alphabet blieb mit einem Quartalsumsatz von 38,3 Milliarden Dollar nur hauchdünn hinter dem Vorjahresergebnis (38,94 Milliarden), aber klar über dem Durchschnitt der Analystenschätzungen von 37,37 Milliarden. Und auch bei Gewinn je Aktie übertraf die Google-Mutter mit 10,13 Dollar die Erwartungen (8,23 Dollar) deutlich. Der Aktie nützte das herzlich wenig, sie fiel in den darauffolgenden Tagen.

Alphabet kein Corona-Gewinner

Was ist der Grund? Alphabet ist im Gegensatz zu seinen Big-Tech-Kollegen kein klarer Profiteur der Corona-Pandemie. Im Gegenteil: Der Konzern erwirtschaftet ganze 95 Prozent seines Umsatzes im Online-Werbegeschäft – allein 60 Prozent davon mit Werbeanzeigen über die klassische Google-Suchmaschine. Die restlichen fünf Prozent entfallen auf das kleine, aber stark wachsende Cloud-Geschäft. Das Problem: Werbung ist ein extrem zyklisches Geschäft. In der Corona-Krise haben vielen Firmen als allererstes das Werbebudget gekürzt.

Das ist der Grund, warum die Stimmung bei den Anlegern in Bezug auf die Alphabet-Aktie kurz- bis mittelfristig gedrückt ist. Die Ungewissheit ist und bleibt gross, wie lange die Corona-Krise die Wirtschaft noch belasten und demzufolge das Werbegeschäft trüben wird.

Allerdings: In dieser allgemeinen Skepsis der Anleger liegt eine Chance. Wem bei den Höhenflügen von Amazon und Apple schwindlig wird, hat mit Alphabet einen Technologie-Riesen, der an der Börse noch Aufholpotenzial besitzt. Das Wachstum des Alphabet-Geschäfts ist nach wie vor in Takt. Google beansprucht über ein Drittel des weltweiten Werbegeschäfts - einem Markt, der weiter wachsen wird. 2019 war der weltweite digitaler Werbemarkt erstmals grösser als der Offline-Werbemarkt. Und:  Der Werbeumsatz von Google wächst mit 21 Prozent jährlich stärker als der Gesamtmarkt mit 13 Prozent pro Jahr. Die Quasi-Monopolstellung dürfte weiter bestehen bleiben.

Cloud-Geschäft und Moonshot-Phantasie

Massiv schneller, weil auch noch kleiner, wächst das Cloud-Geschäft. Mit einem Jahreswachstum von zuletzt 50 Prozent ist Alphabet auf gutem Weg den Branchenkönigen Amazon und Microsoft Marktanteile abzuzweigen. Dieser beträgt derzeit acht Prozent und hat noch viel Luft nach oben – ähnliches gilt für die Aktie.

Hinzukommt kommt der üppige Cash-Flow. Alphabet hat 135 Milliarden Dollar auf dem Konto und weiss kaum, wohin damit. Vieles wird in zahlreiche sogenannte Moonshot-Projekte wie Waymo (autonome Fahrzeuge), Google Fiber (Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetzes) oder Deepmind (Künstliche Intelligenz) investiert. Mit diesen und noch über 20 anderen Programmen verbrennt Alphabet derzeit viel Geld. Sollte in einem dieser Projekte jedoch einmal ein Durchbruch gelingen, dürfte das der Aktie mehr als einen kräftigen Schub geben.

Das Wachstum ist also weiterhin intakt. Anleger, die einigermassen günstig bei einem US-Big-Tech zuschlagen wollen, haben bei Alphabet jetzt noch die Gelegenheit.