Die Partizipationsscheine der Graubündner Kantonalbank (GKB) fallen am Montagvormittag um 3,4 Prozent auf 2290 Franken. Dabei waren sie am vergangenen Donnerstag, dem letzten Handelstag vor dem verlängerten Wochenende, noch auf ein weiteres Allzeithoch gestiegen.

Dass dieser Rekordstand zum Auftakt der neuen Börsenwoche keinen Bestand hat, geht auf eine Klage gegen die GKB, ihre Tochtergesellschaft BZ Bank sowie aktuelle und ehemalige Organe der BZ Bank zurück. Ihnen werden Pflichtverletzungen in einer Kundenbeziehung und einem von der BZ Bank verwalteten Anlageprodukt vorgeworfen. Die GKB und BZ Bank bestreiten die Vorwürfe und erachten sie als unbegründet.

Auch andere Aktien von Schweizer Kantonalbanken stehen am Montag unter Druck: So die Titel der Insititute der Kantone Jura, St. Gallen, Basel-Stadt, Glarus oder Waadt. Sie verlieren zwischen 1 und 4 Prozent.

Der Kläger gegen die GKB ist nicht namentlich bekannt. Seine Forderung lässt sich aber grob beziffern. Laut der Zürcher Kantonalbank (ZKB) handelt es sich um eine Summe von zwischen 400 und 600 Millionen Franken. Der zuständige ZKB-Analyst erachtet diesen Betrag als «sehr bedeutend» und sieht ein Risiko. Er begründet diese Einschätzung mit dem GKB-Konzerngewinn des Jahres 2025, der bei 225 Millionen Franken lag. Demnach ist die Forderung des Klägers rund doppelt so hoch wie dieser Jahresgewinn. 

«Vor dem Hintergrund, dass insbesondere die Tochtergesellschaften in den letzten Berichtsperioden durch erhöhte Nettoneugeldabflüsse aufgefallen sind, stellt diese Klage eine zusätzliche negative Entwicklung dar», hält der Experte der ZKB fest. Die Nachricht vom Montag sei «klar negativ». Einstufung der GKB durch die Zürcher Kantonalbank lautet weiterhin «Marktgewichten».

Die GKB kaufte 2022 dem damaligen Besitzer Martin Ebner eine Mehrheit der BZ Bank ab. Seit Anfang 2025 ist die GKB alleinige Besitzerin. Ebner machte mit dem Verkauf den letzten Schritt in seiner Nachfolgeplanung.

Der bekannte Investor Ebner hatte die Bank 1985 gegründet. Sie war danach Dreh- und Angelpunkt seiner Aktivitäten. Schwerpunktmässig berät sie professionelle, private und institutionelle Kunden bei Aktienanlagen und Beteiligungen.

Laut einem Bericht des Online-Portals Inside Paradeplatz vom Montag soll der aktuelle Streit rund um den Verkauf der ehemaligen Georg-Fischer-Tochter Agie Charmilles an die United Grinding Group ausgebrochen sein. Ebner ist dort Hauptaktionär.

Die BZ Bank habe den Kläger und weitere Privatkunden dazu gebracht, auf Bezugsrechte bei einer Kapitalerhöhung mittels Stimmrechtsaktien zu verzichten - womit diesem Geld entgangen sei. Zudem kritisiert gemäss Inside Paradeplatz der Kläger die Bewertung der Firma. Der Preis für die Aktien sei anhand einer internen Berechnungsformel der BZ Bank künstlich tief angesetzt worden.

(cash/AWP)