Grossbanken - Analyst meint: Die UBS muss Strategie deutlich überarbeiten

Der vor acht Jahren forcierte Fokus auf Privatkunden zahlt sich für die UBS nicht deutlich genug aus. In der Endphase der Ära Ermotti rät ein Analyst zum Strategiewechsel.
15.05.2019 11:26
Von Marc Forster
UBS-Ausbildungseinrichtungen in Singapur: In Asien sucht Bank besonders aktiv nach neuen Privatkunden.
UBS-Ausbildungseinrichtungen in Singapur: In Asien sucht Bank besonders aktiv nach neuen Privatkunden.
Bild: Bloomberg

Zwar ist die UBS die grösste Vermögensverwalterin der Welt. Aber dies nützt ihr wenig, wie Analyst Amit Goel in einer Studie schreibt. Die UBS solle sich die Frage stellen, ob es Sinn mache, nach dem Geld der reichsten Menschen des Planeten zu jagen, um es dann zu verwalten. 

Den Ertrag dieser Strategie bewertet Goel als zu mager. «Viele Investoren, mit denen wir sprechen, glauben, dass die UBS höhere Erträge erzielen müsste und sind deswegen seit einiger Zeit unzufrieden», schreibt der Experte, der für das britische Bankenimperium Barclays arbeitet. Der aggressiv betriebene Ausbau der Vermögensverwaltung koste zu viel: Eine langsamere Gangart würde die Ressourcen der Bank besser schonen. Ausserdem schlägt Goel vor, dass die UBS die Privatkundensparte in Nord- und Südamerika verkaufen soll. Sprich: Eine kleinere UBS wäre effizienter und würde den Aktionäre mehr bringen. 

Der Fokus auf Privatkunden ist das beherrschende Thema der Ära von Sergio Ermotti, der das Ruder der bedeutendsten Bank der Schweiz im September 2011 übernahm. Damals stand der Kurs der Aktie bei 10,54 Franken, heute sind es mit 11,84 Franken nur etwa 10 Prozent mehr. Ein Umstand, auf den die Fühungsriege der UBS nur ungern hingewiesen wird.

Der UBS-Aktienkurs seit September 2011 (Grafik: cash.ch).

Zwar ist die Bank, die nach der Finanzkrise jahrelang gar keine Dividende entrichtete, wieder zum guten Dividendenzahler geworden. Mit 5,9 Prozent Rendite ist der SMI-Titel gar in der Schweizer Spitzengruppe. Der Kursverlauf der Aktie hingegen ist für Ermotti, über dessen Ablösung als CEO seit Monaten offen spekuliert wird, kein überzeugender Ausweis.

Die Investmentbank wurde unter Ermotti stark verkleinert: Die umstrittene Anlagesparte hatte der UBS nicht nur den Beinahe-Untergang in der Finanzkrise 2008 eingehandelt, sie hatte in Form eines Zockerskandals auch Ermottis Vorgänger Oswald Grübel zu Fall gebracht.

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Für den Rückbau der Investmentbank wurde die UBS jahrelang gelobt. Die Credit Suisse vollzog diese Strategie erst später und nur zögerlich, während das Festhalten an der Investmentsparte die Deutsche Bank in ihre noch nicht ausgestandene existentielle Krise gestürzt hat.

Die UBS hingegen, so der Tenor, habe nicht nur die Risiken minimiert, sondern auch ein Geschäft verkleinert, das grosse Mengen Eigenkapital binde. In den Jahren des Zuspruchs stieg der Aktienkurs auch, bis auf 22,57 Franken im Juli 2015. Seitdem hat sich der Kurs wieder halbiert, weil die Risiken der UBS-Strategie wieder deutlicher wahrgenommen werden. Ein zentrales Thema sind die hohen internen Kosten. 

Reine Vermögensverwalter betrieben das Geschäft effizienter, schreibt Barclays-Analyst Goel. Die UBS betreibt nach wie vor eine Investmentbank – diese soll zwar vor allem auch im Dienste der reichen Anlagekunden stehen, erfordert aber dennoch Eigenkapitalunterlegung. Laut Goel beansprucht die Investmentbank ein Drittel des Eigenkapitals. 

Und: Die Betreuung schwerreicher Kunden ist aufwändig und teuer. Ausserdem handelt es sich dabei häufig um Menschen, die etwas vom Anlagegeschäft verstehen und daher kritisch beispielsweise zu den Kosten der Vermögensverwaltung stehen. Zudem ist die Konkurrenz um die Gunst solcher Kunden sehr gross.

Amit Goel, der aufgrund seiner Analyse der Bank eine deutliche "Überarbeitung" der UBS-Strategie vorschlägt, setzt die Aktie auf "Underweight", mit einem Kursziel von 11,80 Franken. Das ist fast genau der Stand von heute.

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