Als Dufry Mitte März das Jahresergebnis vorlegte, war klar, dass der Reisedetailhandelskonzern aus Basel seinen Aktionären erstmals seit 2008 wieder eine Dividende entrichten will. Wer sich für diesen Tag eine konkrete Aussage zu deren Höhe erhoffte, wurde allerdings enttäuscht. Entgegen der Norm hüllte sich das Unternehmen an diesem Tag noch in Schweigen (cash berichtete).

Nun hat die Geheimniskrämerei ein Ende: Im Anschluss an eine mehrstündige Verwaltungsratssitzung liess Dufry die Öffentlichkeit am späten Donnerstagabend wissen, dass die Jahresdividende 3,75 Franken je Aktie betragen soll. Damit liegt die Dividende am ganz oberen Ende der zwischen 1 und 4 Franken angesiedelten Erwartungsbandbreite der Analysten. Zu aktuellen Kursen beträgt die Rendite knapp 3 Prozent.

Darüber hinaus will das Unternehmen über die nächsten 12 Monate hinweg eigene Aktien im Gegenwert von bis zu 400 Millionen Franken zurückkaufen. Aufgrund der hohen Verschuldung des Unternehmens hatte kaum jemand mit der Bekanntgabe eines Aktienrückkaufprogramms gerechnet (cash berichtete).

Dennoch werden die Pläne an der Börse begrüsst. An der Schweizer Börse SIX gewinnt die Dufry-Aktie zur Stunde noch 2,4 Prozent auf 134,05 Franken. Die bisherigen Tageshöchstkurse liegen gar bei 136 Franken.

Mehr als 200 Millionen Franken fliessen an die Aktionäre zurück

Aus Sicht der UBS Investmentbank fällt die Kapitalrückführung an die Aktionäre insgesamt sehr grosszügig aus. Die Grossbank selbst hatte mit einer Dividende von 3 Franken je Aktie gerechnet. Den von ihr errechneten Konsens gibt sie sogar nur mit 2,40 Franken an.

In Kombination mit dem Aktienrückkaufprogramm dürften insgesamt 202 Millionen Franken an die Aktionäre zurückfliessen. Dem stehen bankeigene Schätzungen von 162 Millionen Franken sowie Konsenserwartungen von gerademal 129 Millionen Franken gegenüber.

Dennoch hinterfragt die UBS Investmentbank die grosszügige Ausschüttungspolitik vor dem Hintergrund der hohen Verschuldung und der hohen Zinskosten durchaus kritisch. Die Gewinnverwässerung durch den teilweisen Börsengang der US-Tochter Hudson von 7 bis 8 Prozent werde durch das Aktienrückkaufprogramm nicht ganz aufgefangen, so heisst es. Die Dufry-Aktie wird deshalb weiterhin nur mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 140 Franken eingestuft.

Die angekündigte Dividende liege am oberen Ende der Erwartungen, so schreibt die Bank Vontobel und bezeichnet die davon abzuleitende Rendite von 2,9 Prozent als attraktiv. Vom Aktienrückkaufprogramm ausgehend errechnet die Zürcher Bank für 2019 eine Gewinnverdichtung von 4 Prozent. In Anbetracht der anhaltend hohen Wachstumsdynamik wird die Dufry-Aktie wie bis anhin mit einem Kursziel von 170 Franken zum Kauf empfohlen.

Bei Baader-Helvea wird die Dividendenpolitik gar als "überzeugend" bezeichnet. Das Unternehmen werde auf Jahre hinaus von den Kapitaleinlagereserven zehren können, weshalb die Ausschüttung nicht der Verrechnungssteuer unterliege, so der Tenor. 

Je höher der Gewinn, desto höher die Dividende

Wie Händler ergänzen, verlagert sich das Hauptaugenmerk bei Dufry nun wieder auf das Tagesgeschäft. Das Unternehmen müsse nun endlich zeigen, dass es die Synergien aus den milliardenschweren Firmenübernahmen vergangener Tage in den Aktionären zurechenbare Gewinne ummünzen könne.

Eigenen Angaben zufolge will Dufry in Zukunft 40 Prozent des in bar anfallenden Reingewinns an die Aktionäre ausschütten. Dabei soll die Dividende jeweils mindestens auf Vorjahreshöhe liegen, verspricht das Unternehmen. Je höher der Reingewinn, desto höher die zukünftigen Ausschüttungen.

Lorenz Burkhalter Redakor Ringier
Lorenz BurkhalterMehr erfahren