Himmel oder Hölle: Was lohnt sich mehr?

Bibel-Fonds predigen mit Erfolg moralische Investments. Doch auch mit lasterhaftem Verhalten lässt sich Geld verdienen. Diese Taktik verspricht mehr Rendite.
10.12.2014 01:05
Von Ivo Ruch
Lohnt es sich, beim Investieren moralische Kriterien zu beachten?
Lohnt es sich, beim Investieren moralische Kriterien zu beachten?
Bild: ©lassedesignen - fotolia.com

Der Börsenhandel wird häufig mit einem Laster in Verbindung gebracht: Das kurzfristige Investieren als Glücksspiel. Genau das Gegenteil machen sogenannte Bibel-Fonds, die sich an die zehn Gebote der heiligen Schrift orientieren.

So zum Beispiel die Anlagefonds der Amerikaner von Schwartz Investment Counsel. Sie bieten sechs "Ave Maria" genannte Produkte an. "Unsere Fonds sind für moralisch verantwortungsvolle Investoren", schreiben die Fondsmanager in einem Informationspapier. Die ausgewählten Aktien verletzen laut Angaben die Grundwerte der katholischen Kirche nicht.

Mit 850 Millionen Dollar Anlagevermögen ist der "Rising Dividend Fund" das Aushängeschild von "Ave Maria". Die Liste der ausgewählten Aktien wird angeführt vom US-Detailhändler Ross Stores und hält Beteiligungen am Logistiker C.H. Robinson Worldwide, am Getränkeriesen Coca Cola oder am Chiphersteller Qualcomm. Aber auch zwei Finanzgesellschaften und ein Unternehmen aus der Ölindustrie finden Aufnahme in die 39 Titel umfassende Auswahl.

Gott hat die Nase vorn

Überzeugend ist aber vor allem die Rendite an der Börse. Im laufenden Jahr hat der Fonds 9 Prozent Wertzuwachs eingefahren. In der dreijährigen Abrechnung kommt sogar ein Plus von 50 Prozent zustande. Seinen Benchmark-Index, den S&P 500, schlägt der Fonds allerdings nicht. Dieser hat seit Jahresbeginn 11 und in den letzten drei Jahren satte 64 Prozent dazugewonnen.

Eine gänzlich andere Strategie fahren sogenannte Laster-Fonds. Sie geben sich keinerlei moralische Grenzen. Im Gegenteil. Ihr Anlagecredo lautet: Je lasterhaft desto besser. Zu diesem Segment gehört der "Barrier Fund" der Bank USA Mutuals, der in die Tabak-, Alkohol-, Glücksspiele- und Rüstungsindustrie investiert. Die Beteiligungsliste des Fonds liest sich wie ein Auszug aus dem Sündenregister: Philip Morris (Zigaretten), Raytheon (Torpedos), MGM Resorts und Las Vegas Sands (Casinos) oder Diageo (Guinness, Smirnoff, Pimm's).

Allerdings hat der Fonds auch in Bezug auf Rendite einen Pferdefuss, da er im laufenden Jahr bloss 2 Prozent zulegen konnte. Das zukünftige Umfeld dürfte ebenfalls schwierig bleiben. Ein zunehmender Trend zu gesundem Lebensstil oder Einsparungen bei den Rüstungsausgaben könnten auf die Umsätze von "sündigen" Unternehmen drücken.

Alles total easy

Besser sieht es hingegen für den Fonds von Invesco aus, der sich ganz der siebten Todsünde - der Faulheit - verschrieben hat. Dank Beteiligungen an Facebook, Disney oder Royal Caribbean Cruise hat der "Global Leisure Fund" in diesem Jahr 17 Prozent dazugewonnen.

In dieses Segment passen auch sogenannte Kiffer-Aktien. Seit in den USA der Konsum von Cannabis laufend entkriminalisiert wird, haben diverse Marihuana-Unternehmen den Gang an die Börse gewagt - mit unterschiedlichem Erfolg. Während Cannabis Sativa seinen Börsen-Wert um knapp 1000 Prozent hat steigern können, sind andere Gras-Aktien regelrecht abgestürzt. Viele dieser Firmen sind allerdings volatile Penny Stocks, Titel im Cent-Bereich. Deshalb gelten sie als hochriskant. Wer also kein grünes Halleluja erleben will, sollte sich umfassend informieren.

Wertentwicklung von Laster- und Tugend-Fonds

Fonds Performance 2014, in % Perf. 3 Jahre, in %
Barrier Fund +2 +62
Ave Maria Dividend +9 +50
Global Leisure Fund +17 +108

Quelle: cash.ch/bloomberg.com, Stand: 9. Dezember 2014