Die Fusion der Lebensmittelsparte von Unilever mit dem US-Gewürzkonzern McCormick rückt immer näher. Der Konzern befinde sich in fortgeschrittenen Gesprächen über eine Transaktion, die ihm 15,7 Milliarden Dollar in bar einbringen und den Unilever-Aktionären eine Mehrheitsbeteiligung von 65 Prozent an dem neuen Unternehmen sichern würde, teilte Unilever am Dienstag mit. Die Transaktion soll als sogenannter «Reverse Morris Trust» strukturiert werden, was steuerliche Vorteile bietet. Dabei würde Unilever die Sparte abspalten und sie anschliessend mit dem für seine Cholula-Saucen bekannten US-Unternehmen fusionieren. Die Sparte, zu der auch Marken wie Colman's und Marmite gehören, stand im vergangenen Jahr für rund ein Viertel des Gesamtumsatzes und erlöste mehr als 12,9 Milliarden Euro. Allein in Europa arbeiten einem Insider zufolge knapp 5000 Menschen für die Sparte.
Für den seit März 2025 amtierenden Unilever-Chef Fernando Fernandez wäre die Transaktion ein Befreiungsschlag. Denn obwohl die Lebensmittelsparte hohe Margen abwirft, hinkt ihr Umsatzwachstum hinter dem der Sparten für Körperpflege und Kosmetik zurück. Dies belastet das Ziel des Konzerns, den Gesamtumsatz um vier bis sechs Prozent zu steigern. Unilever steht seit Jahren unter dem Druck von Investoren, sich von Lebensmittelmarken zu trennen. Dieser Druck nahm zu, nachdem 2022 bekannt wurde, dass der aktivistische Investor Nelson Peltz eine Beteiligung an dem Unternehmen aufgebaut hatte. Im vergangenen Jahr hatte Fernandez bereits die milliardenschwere Eiscreme-Sparte mit Marken wie Ben & Jerry's und Magnum abgespalten. In den Bereichen Schönheit und Körperpflege verfügt Unilever über Marken wie Axe, Rexona und Dove, die unter anderem mit Produkten von Henkel oder Beiersdorf konkurrieren.
Das Geschäft mit verarbeiteten Lebensmitteln steht dagegen unter Druck. Politiker warnen vor gesundheitlichen Risiken, zudem dämpft die wachsende Beliebtheit von Abnehmspritzen den Appetit vieler Verbraucher. Unilever würde sich zudem von seinen Wurzeln trennen, die bis 1860 zurückreichen. Denn die Firma geht auch auf eine Familie in den Niederlanden zurück, die im Handel mit Butter gross wurde. Der Konzern entstand dann 1929 aus der Fusion der Margarine Unie mit den Lever Brothers - schon damals eine der grössten Transaktionen in Europa.
Die geplante strategische Ausrichtung sei sinnvoll, sagte Tineke Frikkee, Portfoliomanagerin beim Unilever-Investor W1M. «Um zu beurteilen, ob mittel- bis langfristig ein ausreichender Wert für die Aktionäre geschaffen wird, müssen wir jedoch die Details eines jeden Geschäfts sehen, einschliesslich aller Vor- und Nachteile.» Analysten zufolge sind zudem weitere Details zu Synergien und zum Umgang mit den verbleibenden Kosten nötig. JPMorgan verwies auf einen von der Nachrichtenagentur Reuters gemeldeten weltweiten Einstellungsstopp bei Unilever. Dieser könnte die Stimmung bezüglich der aktuellen Geschäftslage beeinträchtigen. Der Konzern hatte wegen der Auswirkungen des sich ausweitenden Konflikts im Nahen Osten einen Einstellungsstopp auf allen Ebenen für mindestens drei Monate verhängt.
(Reuters)

