Idorsia, Basilea und Co. - Wie steht es um (Schweizer) Biotech-Firmen?

Idorsia ist an der Schweizer Börse fulminant gestartet. Andere Biotech-Aktien hingegen haben durchzogene Wochen und Monate hinter sich. cash sagt, wie es um den Sektor steht.
20.06.2017 07:02
Von Pascal Züger
Eine Mitarbeiterin in einem Pharmalabor.
Eine Mitarbeiterin in einem Pharmalabor.
Bild: Bloomberg

Am letzten Freitag hat mit Idorsia ein neues Unternehmen aus dem Bereich Biotech seine Aktien an der Schweizer Börse kotiert. Die Titel des von Actelion abgespalteten Forschungs- und Entwicklungsteils sind gefragt: Am ersten Handelstag legte der Titel gegenüber dem Eröffnungskurs um 36 Prozent zu. Auch am Montag legte die Aktie zeitweise bis 12 Prozent  zu, schloss dann aber einiges tiefer.

Diese Entwicklung lässt auf einen Boom im Biotech-Sektor schliessen - aber dieser war bereits Mitte 2015 zu Ende: Der Nasdaq Biotechnology Index, der wichtigste Branchenindex, hat seit seinem Höhepunkt im Juli 2015 bei über 4200 Punkten bis heute 26 Prozent eingebüsst.

Entwicklung des Nasdaq-Biotech-Index über die letzten 2 Jahre. Quelle: cash.ch

Ab Juli 2015 kam es zu starken Gewinnmitnahmen im ganzen Sektor. "Der Anstieg der Biotech-Aktien bis Mitte 2015 ging relativ schnell, so dass es früher oder später zu einer Korrektur kommen musste", erklärt Ivo Staijen, Portofoliomanager von HBM Healthcare Investments, die Trendwende im Biotech-Sektor. HBM Healthcare Investments ist eine Beteiligungsgesellschaft, welche gezielt in Biotech-Firmen investiert. Die Firma ist an der Schweizer Börse kotiert. HBM Healthcare Investments wird von HBM Partners beraten, welche auch Fonds für Privatanleger anbietet.

Allgemeine Faktoren spielten bei der Biotech-Baisse mit: Es folgte im Januar 2016 ein genereller Einbruch der Aktienmärkte und im Juni 2016 der Rückgang aufgrund des Brexit-Entscheids in Grossbritannien. Im Vorfeld der US-Wahlen vom November 2016 war es schliesslich die Angst vor einer möglichen US-Präsidentin Hillary Clinton, die bei einer Wahl gegen "überteuerte" Medikamentenpreise hätte vorgehen wollen - und Biotechfirmen das Leben erschwert hätte.

Doch so weit kam es nicht. Präsident wurde bekanntlich Donald Trump. Trotzdem kam es im Biotech-Sektor seither nicht wirklich zu einem Aufschwung. Dies wohl deshalb, weil das Thema Regulierung nicht vom Tisch ist. Im Gegenteil: "Der Regulierungsdruck von Seiten der USA wird künftig eher zunehmen. Versicherer sind nicht mehr bereit, für teure Kombinationsmedikamente jeden Preis zu bezahlen", so Martin Vögtli, Analyst bei Research Partners, gegenüber cash. Für Firmen aus dem Biotech-Bereich bedeute dies ein geschmälertes Umsatzpotenzial von einzelnen Entwicklungsprodukten in der Pipeline.

Sollten Anleger nun die Finger von Biotech-Firmen lassen? Nicht, wenn es nach Staijen geht. Gemäss dem Biotech-Experten befindet sich die Branche aktuell auf einem historisch tiefen Bewertungsniveau. Ausserdem richte sich der Sektor stark nach dem Fortschritt der klinischen Untersuchungen. In den nächsten Monaten werde diesbezüglich zwar nicht viel passieren, in den Folgejahren soll sich dies jedoch ändern: "2018 und 2019 wird es voraussichtlich wieder spannendere klinische Studienergebnisse, insbesondere im Bereich der grösser kapitalisierten Gesellschaften, geben, was Investoren wieder zum Einstieg verleiten könnte", so Staijen.

Keine neue Actelion in Sicht

Unter den Schweizer Biotech-Firmen ist derzeit - wie im gesamten Markt - kaum Euphorie auszumachen. Auf Sicht der letzten 52 Wochen schneiden die meisten Titel zwar gut ab. Weniger gut verliefen jedoch die letzten vier Wochen, vereinzelt gab es sogar starke Korrekturen: Die Aktienkurse von Santhera (-16 Prozent) und Ypsomed (-10 Prozent) büssten in jenem Zeitraum im zweistelligen Bereich ein (Tabelle unten). 

Anleger dürften sich aber Fragen, ob am hiesigen Markt irgendwo die nächste Biotech-Erfolgsstory nach Actelion wartet. Zur Erinnerung: Actelion hatte sich unter der Führung von Jean-Paul Clozel von einem Startup zum einem hochrentablen Biotechunternehmen mit über 2500 Mitarbeitenden entwickelt, welches in diesem Jahr schliesslich von Johnson & Johnson aufgekauft wurde. Mit dem Verkaufspreis von knapp 280 Franken pro Aktie bekamen Aktionäre ein satte Prämie. Ende November 2016 - bevor erste Übernahmegerüchte kursierten - war die Aktie noch 158 Franken wert.

Ist es etwa die Actelion-Abspaltung Idorsia, die ebenfalls von Clozel geleitet wird, und einen Traumstart an der Börse hingelegt hat? Nein. Zumindest noch nicht. Denn: Die Produktekandidaten des Unternehmens befinden sich noch in einer frühen Entwicklungsphase. Bis zu einer allfälligen Markteinführung dürfte es noch einige Jahre dauern. 

"Actelion war ein Ausnahmefall", meint dazu Vögtli von Research Partners. Es gäbe derzeit kein anderes Schweizer Biotechunternehmen mit Entwicklungsschwerpunkt Pharma-Wirkstoffe, welches die Gewinnzone nachhaltig erreicht hat. Viele Unternehmen haben noch gar keine Produkte auf dem Markt, oder sind, wie etwa Basilea oder Newron, nicht profitabel, auch die Gewinnschwelle scheint in weiter Ferne.

Auch Staijen sieht derzeit die spannenden Biotech-Firmen anderswo als in der Schweiz: Small- und Mid-Cap-Firmen mit einem Umsatz von 2 bis 10 Milliarden Dollar, die bereits über Produkte auf dem Markt oder über Medikamenten-Kandidaten späterer klinischer Entwicklungen verfügen, seien am besten positioniert. "Solche Biotech-Unternehmen stammen überwiegend aus Amerika", sagt er. In Kontinentaleuropa erfüllten nur einige börsenkotierten Firmen diese Kriterien.

Performance Schweizer Biotech-Aktien

Titel Performance 4 Wochen (in %) Performance 52 Wochen (in %)
Basilea +5 +21
BB Biotech +4 +27
Evolva -6 -39
HBM Healthcare -1 +13
Molecular Partners +6 +26
Newron -4 +35
Santhera -16 -21
Tecan  +3 +26
Ypsomed -10 +19

Quelle: cash.ch