Der Anstieg der Jahresinflation im August von 0,4 Prozent auf 0,8 Prozent kam überraschend. Die Prognosen der Ökonomen hatten lediglich von 0,5 bis 0,6 Prozent gereicht. Die Teuerung in der Schweiz befindet sich damit auf dem höchsten Stand seit August 2024. Das verleitete einige Experten bereits zur Prognose, dass die Schweizerische Nationalbank die Leitzinsen an ihrer Sitzung am nächsten Donnerstag von 0 Prozent auf 0,25 Prozent erhöhen werde.
Damit nicht genug: Die St. Galler Kantonalbank geht davon aus, dass sich die Inflation in der Schweiz im weiteren Verlauf des Jahres nochmals erhöhen wird. «In den kommenden Monaten dürfte die Inflation in der Schweiz ebenfalls steigen und im Herbst wieder über 1 Prozent klettern», schreibt Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie und Analyse der St. Galler Kantonalbank (SGKB), mit Blick auf die gestiegenen Teuerungszahlen in den USA oder im Euroraum.
Doch dies darf laut Schmidlin nicht zu Fehlinterpretationen führen. Das Anziehen der Inflation könne dann zwar leicht als neue Teuerungswelle interpretiert werden. Ein wesentlicher Teil des Anstiegs sei jedoch statistischer Natur, schreibt Schmidlin in den neuen «Investment News» der Ostschweizer Kantonalbank. Der Grund liege in der tiefen Vergleichsbasis aus dem vergangenen Jahr.
«Im Herbst 2025 war die Inflation in der Schweiz praktisch bei null angekommen. Zwischen Oktober und Dezember lag die Jahresteuerung zwischen 0,0 Prozent und 0,1 Prozent.» Diese tiefen Werte bildeten nun die Vergleichsbasis für den kommenden Herbst. Die Jahresteuerung messe nicht das absolute Preisniveau, sondern den Abstand zum Preisniveau von vor zwölf Monaten.
Anstieg der Inflationsrate in der Schweiz hat nicht bloss statistische Gründe
«War dieses Vorjahresniveau sehr tief, genügt bereits eine moderate Preisentwicklung, damit die ausgewiesene Teuerungsrate steigt. Selbst wenn die Preise nun weitgehend stabil bleiben, steigt die Jahresinflation deshalb weiter an», so Schmidlin weiter.
Er schränkt allerdings ein, dass der Anstieg der Inflationsrate nicht bloss statistische Gründe habe. Höhere Energiepreise und der zuletzt schwächere Franken, der Importe verteuert, hätten die Teuerung verstärkt.
Entscheidend sei nun aber, ob sich der Preisdruck verbreitere. «Solange die höheren Kosten nicht verstärkt auf Dienstleistungen, Löhne und andere binnenwirtschaftliche Preise übergreifen, bleibt das Risiko einer nachhaltigen neuen Teuerungswelle begrenzt», so der SGKB-Stratege. Dafür gebe es momentan noch keine belastbaren Anzeichen. Die Kerninflation – ohne Energie und Treibstoffe sowie frische und saisonale Produkte – stieg im Jahresvergleich gegenüber dem Wert vom Juli dabei nur leicht auf 0,4 von zuvor 0,3 Prozent.
Die Schweizerische Nationalbank sei deshalb nicht automatisch unter Zugzwang, an der Zinsfront tätig zu werden. «Ein vorübergehender Inflationsanstieg, der wesentlich durch Basiseffekte geprägt ist, wäre für sich allein noch kein Grund für einen geldpolitischen Kurswechsel», so Schmidlin. Die Schweiz befinde sich bei der Inflation weiterhin in einer deutlich komfortableren Ausgangslage als viele andere Industrieländer.
Denn auch mit den höheren Inflationszahlen wie im August oder möglicherweise noch höher im Herbst liegt die Inflation im Bereich der Preisstabilität. Die Schweizerische Nationalbank SNB definiert diese in einer Bandbreite von 0 bis 2 Prozent.

