Inflation zeigt sich im Alltag an steigenden Lebensmittel- oder Benzinpreisen. Man erhält für die gleiche Summe Geld weniger Dienstleistungen und Waren. Im extremen Ausmass kommt es zu einer Hyperinflation mit Raten von über 50 Prozent. Der Staat muss dann fortlaufend Geld drucken, um Schulden zu begleichen oder Kriege zu finanzieren.

So wie in Deutschland im Jahr 1923, dem Extrembeispiel. Für einen US-Dollar kriegte man 4,2 Billionen Mark, ein Brot kostete in Deutschland gegen 300 Millionen Mark. Die schädliche Wirkung der Inflation lässt sich auch heute beobachten. So hat sich seit der Jahrtausendwende die Kaufkraft eines US-Dollars halbiert, beim Euro steht ein Kaufkraftverlust von 44 Prozent zu Buche, wie Thomas Stucki, Anlagechef der St. Galler Kantonalbank, in einer Anlagenotiz vorrechnet.

100 türkische Lira sind real sogar auf 0,3 Lira geschmolzen, so Stucki. Der Franken vom Jahr 2000 ist heute dagegen noch 85 Rappen wert. Im Vergleich USA/Schweiz zeigt Stucki die Mechanismen auf, welche zum unterschiedlichen Kaufkraftverlust von Währungen führen. Ein wichtiger Punkt sind die Preise im Dienstleistungsbereich, die in den USA dreimal so stark gestiegen sind wie in der Schweiz.

Wichtigster Faktor sind aber die Lohnkosten. Der Durchschnittslohn ist in den USA seit 2000 um 3,7 Prozent pro Jahr gestiegen, in der Schweiz dagegen nur um 1,1 Prozent. Die Folge: Jahre mit einer Inflationsrate über 4 Prozent kommen in den USA immer wieder vor. 2022 stieg die Teuerung gar auf 9 Prozent.

Im Gegensatz dazu sind in der Schweiz Inflationsraten über 2 Prozent eher selten. Zum letzten Mal kam dies im Mai 2023 vor. In diesem Monat betrug die Teuerungsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat 2,2 Prozent. Im August 2022 erreichte die Inflation kurzzeitig einen seltenen Höhepunkt. Die Teuerung stieg auf 3,5 Prozent und erreichte damit fast den höchsten Stand seit 30 Jahren.

Die Schlussfolgerung von Thomas Stucki: «Es gelingt der Schweizerischen Nationalbank mit ihrer konsequenten Ausrichtung der Geldpolitik auf die Preisstabilität offensichtlich besser als der Federal Reserve, die Preis- und damit auch die Lohnerwartungen der Arbeitnehmer unter Kontrolle zu halten.»

Dabei definiert die SNB Preisstabilität als einen Anstieg des Landesindexes der Konsumentenpreise von 0 bis 2 Prozent pro Jahr. Auch die Federal Reserve und die Europäische Zentralbank streben ein langfristiges Inflationsziel von 2 Prozent an.

Daniel Hügli
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