«Inflationärer Gegenwind» - Moody's Chefökonom glaubt an Aktienmarkt-Korrektur von 20 Prozent

Mark Zandi, Chefökonom von Moody's Analytics, stellt Anleger auf eine Korrektur ein, von der sich die Märkte weniger schnell erholen werden als zuletzt. Grund sind die Bewertungen.
21.06.2021 10:52
Von Henning Hölder
Mark Zandi ist Chefökonom von Moody's Analytics.
Mark Zandi ist Chefökonom von Moody's Analytics.
Bild: © 2020 Bloomberg Finance LP

Mark Zandi hat eine klare Botschaft für Anlegerinnen und Anleger: Macht euch parat für eine signifikante Korrektur an den Aktienmärkten. Der Chefökonom von Moody's Analytics glaubt, dass eine "hawkish" agierende US-Notenbank Fed die Kurse um bis zu 20 Prozent nach unten drücken werde. "Hawkish" bedeutet, dass Notenbanken Abstand von der lockeren Geldpolitik nehmen und stärkere Zinserhöhungen in Aussicht stellen. Hinzu komme, so Zandi im Interview mit US-Sender CNBC, dass auf die Korrektur, anders als in den letzten Jahren, diesmal keine schnelle Erholung folgen wird. 

"Der Markt ist hoch bewertet, was dazu führen könnte, dass die Erholung von der Korrektur über ein Jahr brauchen könnte", sagt Zandi. Am Markt entsteht zunehmend Gegenwind, hauptsächlich ausgelöst durch die Fed-Sitzung von letzter Woche. Zandi glaubt, dass die Korrektur bereits in vollem Gange sein könnte. In der Tat verzeichnete der Dow Jones zuletzt sein grösstes Wochenminus (-3,45 Prozent) seit Oktober 2020. Der breite S+P 500 hatte seine schlechteste Woche seit Februar. Der US-Technologie-Index Nasdaq verlor ebenfalls, notiert allerdings nur 1,28 Prozent unter Allzeithoch. 

Und auch zu Wochenbeginn zeigen sich die Märkte verunsichert. In Asien fiel der Nikkei 3,3 Prozent. Zandi gibt jedoch gleichzeitig Entwarnung, was die allgemeine Konjunktur betrifft. Er glaube nicht, dass die Wirtschaft in eine Rezession abrutsche, was eine Korrektur noch heftiger ausfallen lassen würde. Er betont, dass eine Kurs-Korrektur an den Aktienmärkten allein der Bewertung des Marktes geschuldet sei und weniger einem "fundamentalen Problem" vorausginge. 

Zinsen schlecht für hohe Bewertungen

Dadurch, dass die Fed steigende Zinsen etwas früher als angenommen in Angriff nehmen könnte, werden hohe Bewertungen an den Märkten zu einem Problem. Grund: Zukünftige Gewinne, die schon jetzt in den Aktienkursen eingepreist sind, würden bei steigenden Zinsen in Zukunft höher diskontiert werden, was die Gewinne kleiner ausfallen lassen würde. Trotzdem glaubt Zandi nicht, dass die Korrektur heftiger als 20 Prozent ausfallen wird. 

"Der Wirtschaftsaufschwung wird wild werden", so Zandi im CNBC-Interview. "Die Arbeitslosenrate wird sinken und die Löhne werden stark steigen." Bereits seit Monaten sagt der Moody's-Analyst eine steigende Inflation voraus. Er glaubt zudem nicht, dass die Renditen auf zehnjährige US-Staatsanleihen so tief bleiben werden. Im Frühjahr hatten stark steigende Anleiherenditen die Aktienmärkte verunsichert. Zuletzt haben sich die Renditen stabilisiert, und sind sogar leicht zurückgegangen.