Die Deutsche Bank sieht sich auf ihrer ersten Präsenz-Hauptversammlung seit fünf Jahren mit deutlicher Kritik von Fondsgesellschaftern und Stimmrechtsberatern konfrontiert. Führende Fondsgesellschaften mahnten am Donnerstag angesichts geopolitischer Risiken und einer Konjunkturschwäche ‌in Deutschland ⁠eine strikte Kostendisziplin an. Zudem stiessen die Pläne für eine deutliche Anhebung der Aufsichtsratsvergütung auf Widerstand. Vorstandschef ⁠Christian Sewing gab sich dagegen zuversichtlich und kündigte an, das grösste deutsche Geldhaus an die europäische Spitze führen zu wollen.

Sowohl Union ‌Investment als auch Deka Investment kündigten an, gegen die geplante Erhöhung der ‌Aufsichtsratsbezüge zu stimmen. Andreas Thomae von Deka Investment ​erklärte, die Anhebung für den Aufsichtsratsvorsitzenden Alex Wynaendts um 47 Prozent auf 1,4 Millionen Euro gehe zu weit. Dies sei «definitiv zu hoch» und sende ein falsches Signal in die Bank und an die Öffentlichkeit. Der Stimmrechtsberater ISS erklärte in einer Analyse, die Vergütung sei «aussergewöhnlich hoch für den deutschen Markt».

Fondsmanagerin Alexandra Annecke von Union ‌Investment mahnte angesichts neuer geopolitischer Risiken wie des Konflikts im Iran und der Konjunkturschwäche in Deutschland eine strikte Kostendisziplin an. Zwar seien die Zeiten vorbei, in denen die Deutsche Bank ein «Koloss auf tönernen Füssen» gewesen sei. Dennoch ​müsse die Bank vorsichtig bleiben, sagte sie. Thomae bezeichnete die Ziele für ​das Jahr 2028 als ambitioniert, diese könnten mittelfristig jedoch nur ein ​Zwischenschritt sein. «Wachstum ist wichtig, aber Profitabilität ist noch wichtiger.» Zudem sah der Deka-Vertreter die Doppelrolle von Stefan Hoops kritisch, der ‌neu in den Vorstand einzieht und gleichzeitig Chef der Fondstochter DWS bleibt. Union Investment kündigte an, der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat dennoch zuzustimmen.

Sewing bläst zur Offensive

Vorstandschef Sewing zeigte sich ungeachtet der Kritik zuversichtlich. Nach ​einem Rekordgewinn ​im ersten Quartal sieht er das Geldhaus auf einem ⁠guten Weg. «Wir schalten von der Defensive in die Offensive», erklärte ​Sewing. Bis zum Jahr ⁠2028 peilt er eine Eigenkapitalrendite von mehr als 13 Prozent und Erträge von rund 37 Milliarden Euro an. ‌

Für das laufende Jahr strebt die Bank Erträge von rund 33 Milliarden Euro an, nach einem Nachsteuergewinn von 2,2 Milliarden Euro im Auftaktvierteljahr. Die Aktionäre sollen durch höhere Ausschüttungen profitieren. ‌Für das abgelaufene Jahr schlägt der Vorstand eine Dividende von 1,00 Euro ​je Aktie vor, zudem läuft ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von einer Milliarde Euro. Aufsichtsratschef Wynaendts betonte, die Bank habe das «Basislager erreicht» und könne nun den Aufstieg an die europäische Spitze in Angriff nehmen.

(Reuters)