«Insbesondere die Entwicklung in China macht ‌deutlich, dass ⁠das Geschäftsmodell von Porsche in seiner bisherigen Form nicht mehr trägt», sagte Hendrik Schmidt vom Deutsche-Bank-Vermögensverwalter DWS auf der virtuellen Hauptversammlung des Stuttgarter ⁠Sportwagenbauers. Porsche steuere zwar dagegen und setze nun stärker wieder auf Verbrennermodelle. Aus kurzfristiger Sicht könne das nachvollziehbar sein. «Langfristig stellt sich jedoch eine andere Frage: Besteht hier wirklich ‌ein klarer Plan - oder droht vielmehr der Verlust strategischer Klarheit?»

Leiters, der seit Jahresbeginn an der ‌Spitze von Porsche steht, setzt bei den Autos den Rotstift an. ​Das Portfolio sei zu komplex geworden, insbesondere im Vergleich mit den Wettbewerbern, sagte er. Deswegen werde die Zahl der Varianten reduziert. Zugleich erwäge das Unternehmen, sein Angebot an margenträchtigen Modellen auszubauen, sowohl bei den klassischen Sportwagen als auch bei grossen SUV-Fahrzeugen.

Auch bei den Kosten will er ansetzen. So überdenke Porsche derzeit die Entwicklung grundsätzlich, sagte Leiters. Zudem sollten Synergien zwischen den Modellen sowie Plattformen der Muttergesellschaft Volkswagen genutzt werden. «Wenn weniger Modelle ‌miteinander konkurrieren, dürfte das signifikante Auswirkungen auf unsere Kapitaleffizienz haben.» Von den Mitarbeitern verlangte er mehr Fleiss, schliesslich habe sich dadurch «Made in Germany» zum Erfolgsrezept entwickelt. Konkrete Zahlen, etwa zu den langfristigen Rendite-Aussichten und zur Zahl der wegfallenden Stellen nannte Leiters nicht. Details dazu will er auf einem ​Kapitalmarkttag im Herbst vorstellen. Bei dem Stuttgarter Unternehmen laufen Verhandlungen über ein weiteres Sparprogramm.

Fondsmanager: «Das ist ein strukturelles Problem»

Überzeugt, dass der erfolgsverwöhnte Sportwagenbauer wieder auf die Überholspur kommt, zeigten sich die ​Aktionäre nicht. Deka-Experte Ingo Speich sprach von einem «Scherbenhaufen», auf den die Porsche-Aktionäre blickten. Die Aktie habe sich seit dem Börsengang viel schlechter als der europäische Branchenindex Stoxx und noch ‌schlechter als der Dax entwickelt, sagte er. «Das ist kein Zufall, sondern das Resultat klar verfehlter Zielsetzungen, unzureichender Steuerung und einer Governance, die zu lange nicht eingegriffen hat.» Porsche verkaufe heute ein Fünftel weniger Autos als zur Zeit des Börsengangs. Gleichzeitig stiegen Komplexität, Fixkostenbasis und Investitionsbedarf. «Das ist kein zyklischer ​Dämpfer - das ​ist ein strukturelles Problem.»

Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sieht ⁠in der Führungsstruktur einen wichtigen Grund für die Schwierigkeiten, in denen Porsche steckt. Der ​Aufsichtsrat sei bei der Kontrolle des ⁠Vorstands ein Totalausfall. Schliesslich habe er die Strategie von Oliver Blume gebilligt, der stark auf Elektroautos gesetzt hatte. Weil sich E-Autos aber weniger ‌gut verkaufen als vorhergesagt, hat Porsche eine Kehrtwende hingelegt und setzt nun verstärkt auf Verbrenner. Der Schwenk spielte eine wichtige Rolle beim Gewinneinbruch 2025. Kienle forderte den Rücktritt des 83-jährigen Wolfgang Porsche als Aufsichtsratschef, wenn dieser nicht in der ‌Lage sei, seiner Rolle als Oberaufseher nachzukommen.

Porsche leidet auch unter dem Kollaps des chinesischen Marktes und unter ​den Zöllen von US-Präsident Donald Trump. Für das laufende Jahr erwarte das Unternehmen weiterhin eine Gewinnmarge zwischen 5,5 und 7,5 Prozent, sagte Leiters. Das ist mehr als im vergangenen Jahr, aber deutlich weniger als in den Jahren zuvor. Kurzfristig sei keine Rückkehr zu den Renditen zu erwarten, die sich ‌Porsche in der Vergangenheit vorgenommen habe, sagte ​der Vorstandschef.

(Reuters)