IPO - Uber, Snap und Co. - die Zwischenbilanz bei US-Börsenneulingen

Zahlreiche illustre Namen bereichern seit 2017 die US-Börse. Einige wurden dem Anfangshype bisher tatsächlich gerecht, andere wiederum stürzten ab. Eine Übersicht - mit Blick in die Zukunft.
23.06.2019 22:00
Von Pascal Züger
Eine grosse Uber-Flagge ziert die Fassade der New Yorker Börse am Tag des IPO (10.5.2019).
Eine grosse Uber-Flagge ziert die Fassade der New Yorker Börse am Tag des IPO (10.5.2019).
Bild: Bloomberg

Was für ein Debüt: Vergangene Woche wurde der Gang von Slack an die New York Exchange von Anlegern so richtig abgefeiert. Am ersten Handelstag schoss der Kurs um fast 50 Prozent in die Höhe. Das zeigt, dass zahlreiche Anleger riesiges Potenzial in der Bürochat-App sehen. 

Ob die Firma aus Kalifornien den hohen Vorschusslorbeeren gerecht werden kann oder ob sich schon bald Ernüchterung unter den Investoren breit machen wird - das zeigt der Kursverlauf der nächsten Wochen.

Slack ist bei weitem nicht der einzige Börsengang in den USA, der in letzter Zeit für Furore gesorgt hat. cash hat die aufsehenerregendsten IPO in den USA seit 2017 unter die Lupe genommen: Vom absoluten Highflyer bis zur grossen Enttäuschung ist alles mit dabei. Einige dürften dabei etwas zu stark abgehoben haben, während in anderen wiederum grosses Potenzial schlummert (zur Übersichtstabelle am Artikelende).

Der beeindruckende Börsenüberflieger: Beyond Meat

Selten hat ein Börsengang einen solchen Hype ausgelöst wie Beyond Meat: Der Ausgabepreis lag Anfang Mai bei 25 Dollar, inzwischen notiert die Aktie bei 165 Dollar. Das ist fast eine Versiebenfachung des Kurses in nur sieben Wochen. Offenbar hat der vegane Burger auf Erbsenproteinbasis, der geschmacklich echtem Fleisch verblüffend ähnlich kommen soll, den Nerv der Zeit getroffen. Als Investoren mit an Bord sind auch Microsoft-Mitgründer Bill Gates oder Hollywood-Star Leonardo DiCaprio. Beliefert werden etwa Burger King, seit April ist der fleischlose Burger auch im Schweizer Detailhandel erhältlich.

Doch bei aller Euphorie dürfen die nackten Unternehmenszahlen nicht ausser Acht gelassen werden: Zwar konnte im vergangenen Quartal der Umsatz um 215 Prozent auf 30 Millionen Dollar gesteigert werden, doch schrieb Beyond Meat unter dem Strich einen Verlust von 6,6 Millionen Dollar. Die Firma ist also (noch) nicht einmal profitabel.

Das Management will nun im Gesamtjahr 2019 vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in die Gewinnzone kommen. Anleger sollten nicht mehr auf den fahrenden Zug aufspringen, eine deutliche Korrektur im Aktienkurs scheint früher oder später unumgänglich. Das sehen auch Analysten so: Ihr durchschnittliches Kursziel liegt bei 83 Dollar - das ist 50 Prozent unter dem jetzigen Stand.

Ein Debakel am ersten Handelstag: Uber

Wie Beyond Meat hat es auch Uber bisher nicht geschafft, schwarze Zahlen zu schreiben. In den 12 Monaten vor dem Börsengang diesen Frühling erzielte das Unternehmen ein Rekordminus von satten 3,7 Milliarden Dollar. Zunehmend stellen sich Beobachter die Frage, ob der Fahrdienstvermittler überhaupt jemals profitabel wird sein können. 

Der Börsengang vor etwas mehr als einem Monat war ein einziges Debakel. Am ersten Handelstag fiel die Uber-Aktie acht Prozent in die Tiefe. Allerdings war das Timing etwas unglücklich: An jenem 10. Mai war die allgemeine Marktstimmung schlecht. Immerhin zeigt der Kurschart bei Uber seither nach oben, auch wenn die Gesamtperformance mit minus 3 Prozent noch immer negativ ist. Auch Konkurrent Lyft geht es übrigens nicht viel besser: Es resultiert ein Minus von 13 Prozent seit dem IPO Ende März 2019.

Doch gibt es auch Hoffnung: Uber bietet neben dem Fahrdienst weitere zukunftsträchtige Dienstleistungen an. Etwa eine digitale Fracht-Plattform ("Uber Freight") oder Essenslieferungen ("Uber Eat"), zudem tüftelt man an selbstfahrenden Autos rum. Das alles klingt vielversprechend. Solange aber Uber die Rentabilität nicht steigern kann, ist ein aufmerksames Beobachten von der Seitenlinie ratsam.

Kursentwicklung der Uber-Aktie seit dem IPO vom 10. Mai 2019

Der Liebling der Analysten: Sonos

Wenig spektakulär verlief vor einem Jahr der erste Handelstag von Sonos, einem Anbieter von vernetzten Lautsprechern. Inzwischen liegt die Aktie 22 Prozent unter dem Ausgabepreis. Der Markt für Lautsprecher ist sehr umkämpft. Mit Apple, Google und Amazon tummeln sich grosse Konkurrenten im gleichen Feld. Doch die kleine Sonos schlägt sich tapfer, konnte zuletzt mehr Geräte absetzen. Im ersten Quartal 2019 verzeichnete die Firma mit plus 62 Millionen Dollar sogar einen Rekordgewinn. 

Analysten glauben an Sonos, sehen im Schnitt ein Aufwärtspotenzial von fast 40 Prozent zum aktuellen Aktienkurs. Im August wird eine neue Lautsprecherreihe in Zusammenarbeit mit Ikea lanciert, das könnte die Gewinnzahlen weiter verbessern. Zudem entwickelt Sonos derzeit kabellose Kopfhörer, die frühestens im kommenden Jahr marktreif sind. Gemäss Bloomberg-Informationen soll es sich um Modelle im Preissegment ab 300 Dollar handeln. Zu guter Letzt könnte die Sonos-Aktie auch durch Übernahmegerüchte in Fahrt kommen: Analysten von JP Morgan schreiben, dass Sonos gut ins Portfolio von Apple passen würde. Die Aktie hat für mutige Anleger durchaus ihren Reiz.

Der unbeliebte Prügelknabe: Snap

Snap ist inzwischen über zwei Jahre börsenkotiert. In dieser Zeit hat die Aktie 13 Prozent an Wert verloren. Die App - mit der Fotos geschickt werden können, die schnell wieder verschwinden - war eine Zeitlang bei jungen Leuten extrem populär. Einst galt sie gar als Plattform, die für Facebook zum Problem werden könnte. Doch inzwischen glaubt kaum mehr jemand ernsthaft daran. Denn: Gegen Instagram und Twitter zu bestehen ist nicht leicht. Snap verdient vor allem mit Werbung Geld, wo sie aber im Vergleich zu den Internetriesen Facebook und Google nur Brosamen bekommt.

Auch von den Analysten gibt es keine Rückendeckung. Diese sehen die Aktie im Schnitt vom jetzigen Stand im Schnitt um 22 Prozent fallen. Doch allen Widerständen zum trotz hat die Aktie im letzten Halbjahr zu einer gewaltigen Rallye angesetzt: Vom Rekordtief bei 4,82 Dollar am 20. Dezember 2018 ist Snap wieder auf fast 15 Dollar angestiegen. Snapchat ist inzwischen auch eine Plattform für Medieninhalte, was neue User anlockt. Im ersten Quartal 2019 stieg erstmals seit einem Dreivierteljahr die Zahl der Nutzer wieder an. Was aber bleibt sind die roten Zahlen: Bei einem Minus 310 Millionen Dollar im ersten Quartal ist die Gewinnschwelle noch immer weit weg. Snap ist und bleibt ein volatiles Hochrisikoinvestment.

Vielbeachtete Börsengänge in den USA seit 2017

Aktie IPO-Datum Performance seit IPO Potenzial zum Kursziel*
Uber 10.05.2019 -3% +24%
Beyond Meat 02.05.2019 +561% -50%
Pinterest 18.04.2019 +45% +2%
Lyft 29.03.2019 -13% +12%
Levi Strauss 21.03.2018 +28% +15%
Tencent Music 12.12.2018 +16% +20%
Sonos 02.08.2018 -22% +39%
Spotify 03.04.2018 -10% +11%
Snap 02.03.2017 -13% -22%

*Unterschied aktueller Aktienkurs zum durchschnittlichen Analystenkursziel
Quellen: cash, nasdaq.com und Yahoo Finance

Investment-Ideen von Julius Bär

Slack Tech Rg-A

Kurs (USD)
Zeit
31.30
19.07.2019
-2.19%
-0.700
Eröffnung 32.00

Traderinfo

31.29
19.07.2019
18'600
Geld/Brief
Zeit
Volumen
31.30
19.07.2019
1'400
 93%
 
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Vol. Börse 0.881 Mio

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