Mit dem Start in den Mai dürften am Schweizer Aktienmarkt keine grossen Frühlingsgefühle aufkommen. Die wirtschaftlichen Folgen der kriegsbedingten Preisexplosionen drücken weiterhin auf die Stimmung der Investoren.
«Der Ölpreis ist aktuell der dominierende Stressfaktor, welcher wie eine zusätzliche Steuer auf Wachstum und Konsum wirkt», resümiert Timo Emden von Emden Research. Auch Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank, zeichnet ein eher pessimistisches Bild: «Je länger die Sperrung der Strasse von Hormus anhält, desto signifikanter fallen die konjunkturdämpfenden Effekte aus.» Seit drei Wochen gilt eine fragile Waffenruhe in dem Konflikt, die für den internationalen Energiehandel essenzielle Seeroute blieb aber weitgehend dicht.
Versorgungsängste trieben den Preis für das Nordseeöl Brent mit gut 126 Dollar je Fass zeitweise auf den höchsten Stand seit vier Jahren. Seit Beginn des Krieges Ende Februar hat sich Öl um mehr als 60 Prozent verteuert - mit drastischen Folgen für die Inflationsrate im Euro-Raum, die im April auf drei Prozent gestiegen ist. Die Europäische Zentralbank rührte die Leitzinsen in der Euro-Zone am Donnerstag zwar nicht an, Anleger rechnen im Kampf gegen die Inflation im Jahresverlauf aber mit steigenden Zinsen.
Der Schweizer Aktienmarkt (SMI) büsste in der letzten Aprilwoche lediglich 0,06 Prozent ein. In den USA schlossen der Nasdaq (27.710,36 Punkte) und der S&P 500 ( 7.230,12 Punkte) am Freitagabend auf Höchstständen. In beiden Indizes sind die zuletzt wieder erstarkten Kurse der grossen Tech-Konzerne deutlich schwerer gewichtet als im Leitindex Dow Jones. Jener bringt es auf Wochensicht auf ein Plus von rund einem halben Prozent. Von seinem Rekordhoch vom Februar bei gut 50'500 Punkten ist der Dow aber noch ein Stück entfernt.
Sell in May and go away?
Der Wonnemonat Mai hat bei den Anlegern durch die Börsenweisheit «Sell in May and go away» einen eher schlechten Ruf. Da die Sommermonate in der Vergangenheit oft schwächere Renditen brachten als der Winter, sollen Investoren der Regel zufolge Aktien verkaufen und erst wieder im Spätsommer investieren. Historisch traf dieses saisonale Muster allerdings nicht immer zu, sodass die Börsenweisheit keine allgemeine Regel ist. Anders sieht es allerdings für die Jahre aus, in denen es wie 2026 in den USA Zwischenwahlen gab. In den zurückliegenden Jahren kam es öfter vor, dass die Märkte im Mai Verluste einfuhren.
Bei den Wahlen zur Amtshalbzeit von US-Präsident Donald Trump im November werden die Mehrheitsverhältnisse im Kongress neu festgelegt. Die Zustimmung für Trump ist momentan auf den niedrigsten Stand seiner aktuellen Amtszeit gefallen. Als Gründe für den Rückgang gelten die Unzufriedenheit der US-Bürger mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten sowie der unpopuläre Krieg gegen den Iran.
Wie stark lastet der Krieg auf der Industrie?
Der Krieg im Mittleren Osten dürfte beträchtliche langfristige Folgen haben, warnen die Commerzbank-Ökonomen. So sei ein Anstieg der Rüstungsausgaben wahrscheinlich, zudem sei die Region dauerhaft instabiler geworden. Wie stark der Iran-Krieg die deutsche Industrie belastet, dürften die März-Zahlen zu den Auftragseingängen am Donnerstag und der Produktion am Freitag zeigen.
Auf der Konjunkturseite rücken ansonsten vor allem Daten aus den USA in den Fokus. Unter anderem stehen die Auftragseingänge für März (Montag) und der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor (Dienstag) zur Veröffentlichung an. Am Freitag folgen dann der Arbeitsmarktbericht für April sowie das vorläufige Michigan-Verbrauchervertrauen für Mai.
Grundsätzlich dürfte das Wachstum bei den Firmen in Europa schwächer ausfallen als in den USA, wo die Berichtssaison die ohnehin schon guten Schätzungen ein weiteres Mal übertreffen sollte, sagen die Experten der Weberbank. Ebenfalls wahrscheinlich sei es aber, dass die sehr konservativen Schätzungen für die europäischen Unternehmenszahlen geschlagen werden.
(Reuters)

