Der wachsende Bedarf an Prozessoren für Rechenzentren verhilft Intel zu einem Gewinnsprung. Der Chipkonzern legte am Donnerstag einen überraschend optimistischen Ausblick vor. Um auch in Zukunft vom KI-Boom profitieren zu können, werde Intel im laufenden Jahr 20 Milliarden statt der ursprünglich geplanten 18 Milliarden Dollar investieren, kündigte Finanzchef David Zinsner in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters an. Die Ausgaben würden 2027 noch einmal deutlich steigen. Diese Pläne stützten sich auf zahlreiche langfristige Lieferabkommen. «Kunden unterschreiben solche Verträge nur, wenn sie wirklich davon überzeugt sind, dass sich diese Investition lohnt.» Die Vereinbarungen gäben Intel Planungssicherheit.
Das US-Unternehmen steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 25 Prozent auf 16,1 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,42 Dollar, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust zu Buche gestanden hatte. Für das laufende Vierteljahr stellte Intel Erlöse zwischen 15,8 und 16,8 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 0,38 Dollar je Aktie in Aussicht. «KI sorgt für eine beispiellose Nachfrage nach Rechenleistung», betonte Konzernchef Lip-Bu Tan. «Unsere Quartalsergebnisse weisen das grösste Umsatzwachstum seit mehr als 15 Jahren aus.» Intel-Aktien stiegen daraufhin im nachbörslichen Handel an der Wall Street um zwölf Prozent.
Der Halbleiter-Hersteller profitiert von der zunehmenden Verbreitung sogenannter KI-Agenten. Diese Programme können komplexe Aufgaben weitgehend eigenständig erledigen. Sie laufen auf Servern mit traditionellen Prozessoren. Auch für die Nutzung von KI-Modellen werden derartige CPUs benötigt, während für das Training meist die Spezialchips von Nvidia zum Einsatz kommen.
Auch die verlustreiche Auftragsfertigung gewinnt immer mehr Kunden. Die Wiederbelebung dieses Geschäftsbereichs ist einer der Eckpfeiler von Tans Sanierungsprogramm. Medienberichten zufolge hat der Internetkonzern Google Computerchips im Milliardenwert bestellt. Ein weiterer Kunde ist der Weltraumkonzern SpaceX des Milliardärs Elon Musk. Zudem erwägt der Intel-Grossaktionär Nvidia, Intel mit der Produktion eines neuen Prozessors zu beauftragen. Mit dem iPhone-Anbieter Apple laufen ebenfalls Verhandlungen. Sowohl Nvidia als auch Apple setzen bislang vor allem auf den weltgrössten Auftragsfertiger TSMC. Dieser arbeitet wegen der rasant wachsenden Nachfrage jedoch an der Kapazitätsgrenze.
(Reuters)

