Der CSI 300-Index gab am Donnerstag um bis zu 1,7 Prozent nach, womit sich die Gesamtverluste seit dem Höchststand im Juni auf 20 Prozent belaufen. Damit nähert sich der Index einem Bärenmarkt. Das ist eine längere Phase an den Finanzmärkten, in der die Kurse von Wertpapieren oder breiten Aktienindizes um 20 Prozent oder mehr von ihrem vorherigen Höchststand fallen.

Zu den grössten Verlierern zählten am Donnerstag die Unternehmen Eoptolink Technology und Zhongji Innolight, die im Bereich optischer Komponenten tätig sind. Ein Index für bedeutende chinesische Unternehmen, die in Hongkong notiert sind, verlor zeitweise bis zu 3,2 Prozent.

Chinesische Aktien befinden sich bereits seit Ende Juni im Abwärtstrend: Zunächst litten sie unter dem globalen Ausverkauf bei KI-nahen Werten, anschliessend gerieten sie durch neue Anzeichen einer anhaltenden Konsumschwäche weiter unter Druck. Die politischen Entscheidungsträger setzen weiterhin nur auf punktuelle und schrittweise Konjunkturmassnahmen – zum Entsetzen der Marktteilnehmer, die auf ein umfassendes Stimuluspaket gehofft hatten.

Die Aktien von Contemporary Amperex Technology bauten ihre Verluste weiter aus, nachdem sie bereits am Mittwoch um 12 Prozent eingebrochen waren – ausgelöst durch ein schwächer als erwartet ausgefallenes Gewinnwachstum im Quartal, das mit dem Auslaufen staatlicher Fördermassnahmen zusammenfiel.

Investoren fürchten nun weitere Enttäuschungen bei den Unternehmensgewinnen. «Die Stimmung der Anleger für chinesische Aktien – sowohl auf dem Festland als auch in Hongkong – ist nach wie vor sehr schlecht. Ohne neue politische Impulse oder technologische Katalysatoren könnte dieses volatile, richtungslose Marktumfeld bis Anfang 2027 anhalten», erklärt Homin Lee, Senior Macro Strategist bei Lombard Odier in Singapur.

Chinesische Unternehmen gehören zu den grössten Verlierern des ins Stocken geratenen globalen KI-Trends, da die Skepsis hinsichtlich der künftigen Nachfrage und der Gewinnaussichten zunimmt. Der am Nasdaq orientierte Star50-Index ist im laufenden Halbjahr um rund 40 Prozent gefallen; der ChiNext-Index, der ebenfalls einen Schwerpunkt auf Hardware-Werte legt, verzeichnete einen ähnlich starken Rückgang.

Durchwachsene Ergebnisse grosser US-Technologiekonzerne haben Zweifel an der Nachhaltigkeit der KI-Rallye aufkommen lassen, zumal Investoren angesichts steigender Finanzierungskosten bei der Bewertung von Unternehmen zunehmend kritischer werden. In China hatten anfänglicher Optimismus hinsichtlich technologischer Durchbrüche und eine starke staatliche Förderung die Bewertungen in schwindelerregende Höhen getrieben – was den Sektor nun, da sich die Stimmung dreht, umso anfälliger für Kursverluste macht.

Eine ähnliche Situation zeigte sich bereits 2024

Der umfassendere Kursrückgang stellt eine Kehrtwende gegenüber der anhaltenden Rallye dar, die auf Pekings Konjunkturimpulse Ende 2024 folgte – eine Phase, in der erneute politische Unterstützung dazu beitrug, Investoren zurück an den chinesischen Aktienmarkt zu locken. Der Hang Seng China Enterprises Index und der CSI 300 gehören in diesem Jahr zu den weltweit am schlechtesten abschneidenden grossen Aktienindizes; beide verzeichnen Verluste von jeweils mehr als 10 Prozent.

Laut Bloomberg Intelligence (BI) könnten für eine erfolgreiche Stabilisierung des chinesischen Aktienmarktes weitere staatliche Käufe erforderlich sein. Die Behörden haben zwar Massnahmen ergriffen, um den Verkaufsdruck zu dämmen und den Aktienmarkt zu stabilisieren, doch Analysten geben zu bedenken, dass staatlich gestützte Käufe allein möglicherweise nicht ausreichen, um eine nachhaltige Erholung herbeizuführen. Eine anhaltend schwache Marktstimmung könnte die Wirkung dieser Käufe zunichtemachen.

Eine ähnliche Situation zeigte sich bereits 2024: Damals stützten kontinuierliche Käufe über börsengehandelte Fonds (ETFs) die Kurse zwar über den Sommer hinweg, konnten jedoch keine dauerhafte Trendwende bewirken – diese trat erst ein, als im September umfassendere politische Massnahmen die Stimmung aufhellten.

«Da keine Erholung an den globalen Aktienmärkten als Stütze dient, muss das staatliche Interventionsteam möglicherweise in grösserem Umfang und über einen längeren Zeitraum hinweg intervenieren als bei den beiden jüngsten Rettungsaktionen – dem Schock durch Zölle im April 2025 und dem Ausverkauf im Technologiesektor im Juli 2026», schreiben BI-Analysten, darunter Rebecca Sin, in einer Mitteilung.

Das Volumen der auf Kredit finanzierten Aktienkäufe (Margin-Geschäfte) ist auf ein Niveau gesunken, das zuletzt Ende 2025 erreicht wurde – ein deutliches Zeichen für eine nachlassende Risikobereitschaft. Das tägliche Handelsvolumen bei chinesischen Festlandaktien bewegt sich derzeit auf dem niedrigsten Stand seit etwa 15 Monaten. Zwar bieten sich langfristig durchaus Chancen, doch kurzfristig «kann der Markt nur auf Gewinnwachstum reagieren, nicht aber auf eine Ausweitung der Bewertungskennzahlen», erklärt Kerry Goh, Chief Investment Officer bei Kamet Capital Partners mit Sitz in Singapur.

(Bloomberg/cash)

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