Edle Parfums, teure Spirituosen und Luxus-Handtaschen: Die glitzernde Welt der Duty-Free-Shops an den Drehkreuzen im Nahen Osten hat in den vergangenen Wochen wegen des Iran-Krieges Risse bekommen. Betreiber wie DFS oder Avolta spüren die Auswirkungen des seit Wochen andauernden Kriegs in der Region. Geschlossene Flughäfen und eingeschränkter Reiseverkehr belasten das Geschäft mit den kaufkräftigen Kunden, was zunehmend zur Belastung für die Bilanzen der grossen Luxuskonzerne wird.
Die Störungen legen eine Schwachstelle der Luxus- und Kosmetikkonzerne offen. Sie hatten sich auf das Geschäft an Flughäfen und insbesondere auf die Drehkreuze am Golf verlassen, um eine schwächere Nachfrage in China und Europa auszugleichen. Das sogenannte Travel-Retail-Geschäft gilt als einer der Kanäle mit den höchsten Gewinnspannen. Analysten zufolge könnte ein längerer Einbruch des Flugverkehrs im Nahen Osten den Druck auf eine Branche erhöhen, die sich von der Corona-Pandemie noch nicht erholt hat. Dies könnte vor allem Unternehmen wie die LVMH-Tochter DFS belasten und sich auf Kosmetik- und Luxusfirmen wie Estee Lauder, Puig, L'Oreal und Hermes auswirken.
Die Zahl der internationalen Flüge in den und aus dem Nahen Osten brach in der ersten Märzhälfte ein. Drohnenangriffe zwangen wichtige Drehkreuze wie den Dubai International Airport zur vorübergehenden Schliessung und zum Betrieb mit reduzierter Terminal-Anzahl. Der Kuwait International Airport wurde wegen wiederholter Angriffe ganz geschlossen, was den Verkauf für die dortigen Filialen von Avolta zum Erliegen brachte. Obwohl einige Fluggesellschaften in den Vereinigten Arabischen Emiraten den Betrieb langsam wieder aufnehmen, liegt das Flugaufkommen weiterhin deutlich unter dem Normalniveau.
LVMH, Hermes und andere mit weiterem Gegenwind
Die finanziellen Folgen sind bereits spürbar. Der Konflikt habe den Konzernumsatz im letzten Quartal um mindestens ein Prozent geschmälert, teilte der Luxusgüterkonzern LVMH mit. Allein die schwächelnde Tochter DFS koste die Sparte Selective Retailing, zu der auch die Parfümeriekette Sephora gehört, zwei Prozentpunkte Wachstum, sagte Finanzchefin Cecile Cabanis. «Was wir heute sehen, ist, dass die Nachfrage immer noch sehr stark zurückgegangen ist.» Auch der Konkurrent Kering spürt die Folgen: Der Konflikt habe den Gesamtumsatz im März um drei Prozent oder auf das Quartal gerechnet um ein Prozent gedrückt, erklärte Finanzchefin Armelle Poulou.
Der Hersteller von Luxuslederwaren Hermes berichtete von einem Quartalsumsatz, der durch die maue Konsumlaune und Reisetätigkeit infolge des Iran-Kriegs geschmälert wurde. Der Konzern, dessen Handtaschen etliche tausend Euro kosten, gab an, dass die schwächeren Touristenzahlen die Umsätze in den Konzessionsgeschäften an Flughäfen und im Nahen Osten sowie in Frankreich, Grossbritannien, Italien und der Schweiz beeinträchtigt hätten, wo Käufer aus den Golfstaaten eine wichtige Rolle spielen.
Unternehmen des 74 Milliarden Dollar schweren Reiseeinzelhandels reagieren mit Bestandsumschichtungen und vorübergehenden Schliessungen. Avolta, das drei Prozent seines Umsatzes im Nahen Osten erzielt, verlagert Lagerbestände von Standorten mit geringeren Verkaufszahlen an solche mit mehr Kundenfrequenz, wie Finanzchef Yves Gerster sagte. Mit Spannung blicken Investoren nun auf die am 1. Mai erwarteten Quartalsergebnisse von Estee Lauder. Der Konzern prüft eine 40 Milliarden Dollar schwere Übernahme des spanischen Konkurrenten Puig, der ein Zehntel seines Umsatzes im Reise-Einzelhandel erzielt und damit als besonders anfällig für Schwankungen im Fluggeschäft gilt.
L'Oréal, dessen Reisegeschäft in Asien im Jahr 2025 weniger als vier Prozent des Gesamtumsatzes von 44 Milliarden Dollar ausmachte, wird seine Quartalsergebnisse am 22. April veröffentlichen. Das Unternehmen gibt keine Gesamtumsätze im Reisegeschäft an, Analysten zufolge entfällt jedoch der grösste Anteil auf Asien.
(Reuters)

