Kryptowährungen - Die Bitcoin-Chilbi läuft wieder

Nach langem Niedergang ist wieder Leben im Bitcoinkurs. Die Aussicht auf weitere unterhaltsame Action ist intakt.
25.02.2019 23:05
Von Ivo Ruch
Krypto-Anleger dürften sich oft vorkommen wie auf einem Karussell.
Krypto-Anleger dürften sich oft vorkommen wie auf einem Karussell.
Bild: Pixabay

Der Krypto-Winter wird lang und länger. Denn nach der Euphorie kam eine monatelange Flaute, und der kurze Frühling könnte schon wieder vorbei sein. Seit Monaten dominieren mehrheitlich die Pessimisten den Markt für Bitcoin und andere Digitalwährungen. Stellvertretend dafür wurde Bitcoin kürzlich zum 346. Mal ein baldiges Ende prophezeit. Die Seite "99Bitcoins" führt eine Nachrufliste, wo stets ein Eintrag hinzukommt, wenn irgendwo der Tod von Bitcoin vorausgesagt wird.

Der letzte Abgesang stammt demnach von der US-Bank J.P. Morgan, die an der Einführung einer eigenen Digitalwährung arbeitet. Immerhin ist wieder Action und Unterhaltung im Kryptomarkt. Der Bitcoinkurs legte im Februar eine eindrückliche Rally von mehr als 20 Prozent hin, wobei er auch wieder einmal die wichtige Marke von 4000 Dollar überspringen konnte.

Bewegung auf tiefem Niveau: Bitcoin in den letzten zwölf Monaten (Quelle: cash.ch)

Doch ein Teil dieses Anstiegs ist in den letzten zwei Tagen bereits wieder weggefallen: Bei sehr hohen Handelsvolumen korrigierte Bitcoin alleine am letzten Sonntag von 4200 auf 3800 Dollar (-10 Prozent). Seinen Anfang nahm der grosse Absturz im Dezember 2017 als das Bitcoin-Allzeithoch bei knapp 20'000 Dollar erreicht wurde. Investoren in Bitcoin und anderen Krypto-Anlagen müssen sich somit weiterhin fragen, ob die Kurse bereits einen Boden gefunden haben oder ob die Konsolidierung noch andauert.

Wie stark ist das Fundament?

Die optimistischen Marktbeobachter sprechen deshalb von Gewinnmitnahmen, die nach der Februar-Rally stattgefunden hätten. Schliesslich sind die beiden grössten Kryptowährungen Bitcoin und Ether zuletzt auf den höchsten Stand des laufenden Jahres gestiegen. Fundamental, so die These, stehe Bitcoin nämlich so gut da wie noch nie. Die News-Plattform btc-echo.de hat dazu sechs Fakten zusammengetragen:

  • Noch nie gab es so viele Bitcoin-Geldautomaten und ihre Zahl steigt weiter (in der Schweiz sind es laut coinatmradar.com 49 Stück)
  • Die Anzahl Bitcoin-Transaktionen nimmt wieder zu und nähert sich ihrem Rekord von Ende 2017
  • Immer mehr Bitcoin-Wallets deuten auf eine wachsende Anzahl Nutzer
  • Anders als an den herkömmlichen Krypto-Börsen nimmt der ausserbörsliche Handel mit Bitcoin laufend zu
  • Die Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerks, die sogenannte Hash Rate, ist trotz der schlechten Kursperformance konstant
  • Das schnelle Bitcoin-Netzwerk Lightning wird immer grösser

Ebenfalls erwähnen könnte man die Verbreitung von Bitcoin bei Schweizer Tradern. Wie eine Umfrage von moneyland.ch zeigt, handeln 15 Prozent von ihnen mit Bitcoin. Das sind sogar mehr als mit ETF, strukturierten Produkten oder Devisen. Zum freundlichen Umfeld trägt auch bei, dass die Schweiz in Sachen Krypto-Regulierung als eines der führenden Länder gilt. Daraus entstand auch das weltweit erste Krypto-Indexprodukt, das an der Schweizer Börse kotiert worden ist. Ein Erfolg ist der "Amun Crypto Basket" allerdings noch nicht. Seit seiner Lancierung am 21. November 2018 hat er fast 20 Prozent verloren.

Neben Bitcoin haben auch andere grosse Kryptowährungen in diesem Jahr ein Auf und Ab hinter sich. Ripple zum Beispiel, hinter Bitcoin und Ether die Nummer drei nach Marktkapitalisierung, hat 15 Prozent verloren. Litecoin andererseit kommt auf ein Plus von mehr als 50 Prozent (siehe Tabelle am Artikelende).

Regulierung und Sicherheit

Denn eine breitere Anlegerschaft verunsichern aber immer noch verschiedene Faktoren. Angefangen bei ungelösten Fragen der Regulierung. Es ist durchaus möglich, dass ein Zusammenschluss mehrerer Staaten wie die OECD Kryptowährungen verbietet. Auch die grosse Zahl gescheiterter und betrügerischer Initial Coin Offerings (ICO) hat dem Vertrauen in die Krypto-Branche geschadet, wie der Liechtensteiner Vermögensverwalter Incrementum in seinem neusten "Crypto Research Report" schreibt.

Hinzu kommt der Faktor Sicherheit. Darunter sind auch schier unglaubliche Geschichten, wie jene der kanadischen Krypto-Börse Quadriga CX. Ihr Gründer Gerald Cotton war überraschend ums Leben gekommen und offenbar der einzige, der das Passwort für die Börse hatte. Mehr als 100'000 Kunden kommen nun nicht mehr an ihr Kapital von insgesamt rund 120 Millionen Euro.

Wertveränderungen der grössten Kryptowährungen

Coin Kapitalisierung* Performance 2019, in %
Bitcoin 67,4 +3,0
Ether 14,5 +5,1
Ripple 12,6 -15,2
EOS 3,2 +39,3
Litecoin 2,7 +50,6
Bitcoin Cash 2,4 -11,0
Tether 2,0 -1,0
Stellar 1,6 -24,6
TRON 1,6 +26,3
Binance Coin 1,4 +63,6

*in Mrd. Dollar (Quelle: coinmarketcap.com)