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LLB-Aktie auf MehrjahreshochAnleger stehen plötzlich auf die Liechtensteinische Landesbank

Der Aktienkurs der Liechtensteinischen Landesbank steigt seit Monaten und hat ein Mehrjahreshoch erreicht. Eine Information erfreut Investoren besonders.
25.01.2017 20:00
Von Marc Forster
Blick auf das Zentrum der liechtensteinischen Hauptstadt Vaduz
Blick auf das Zentrum der liechtensteinischen Hauptstadt Vaduz
Bild: Pixabay

Die Liechtensteinische Landesbank LLB besteht seit 1861 und gehört zu 57,5 Prozent der Liechtensteiner Regierung. Die Bank ist an der SIX kotiert und konzentriert sich neben dem Fürstentum auf die Märkte Schweiz und Österreich. Sie besitzt auch Niederlassungen in Dubai und Abu Dhabi.

Lange litt das Institut unter den Folgen der Liechtensteiner Steueraffären von 2008/2009 und sah Kundengelder abfliessen. Vom Höchstand von Mitte 2007 – 131,80 Franken – ist die Aktie noch immer weit entfernt. Innert Jahresfrist ist sie aber um 23,6 Prozent gestiegen und aktuell mit 44,55 Franken so viel wert wie im Herbst 2011.

Die Kursentwicklung der LLB-Aktie in den vregangenen 12 Monaten (Grafik: cash.ch)

Was macht die Aktie derzeit so beliebt? Äusserlich sieht es für die Bank nicht schlecht aus. Die LLB verfügt über ein gut diversifiziertes Geschäftsmodell mit Retail- und Firmenkunden, Vermögensverwaltung und Fondsgeschäft. Sie verfügt, da sie mehrheitlich dem Staat gehört, über ein begehrtes AAA-Rating.

Die Bewertung der Aktie liegt bei einem relativ tiefen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,9. Auch zahlt das Traditionshaus eine gute Dividende. Ausgeschüttet vom Gewinn werden 40 bis 60 Prozent, die durch die Dividende erzielte Rendite lag letztes Jahr bei ansehnlichen 3,6 Prozent.

Die Swap-Positionen machen's aus

Der Geschäftsertrag der LLB  legte im vergangengen gemäss der Vorabinformation auf das Jahresergebnis vom letzter Woche um 19 Prozent auf 371 Millionen Franken zu (das vollständige Resultat folgt am 14. März).

Die mittlerweile wieder steigenden Zinsen nützen der LLB, und dies ist auch der wichtigste Grund, weswegen die Anleger so heiss auf die Aktie sind. Analyst Andreas Brun von Mirabaud Securities, der für die LLB-Aktie diesen Monat eine Kauf-Empfehlung ausgesprochen hat, erklärt dies so: "Bei der LLB wurden Swap-Positionen anders als bei anderen Banken bis vor kurzem in der Erfolgsrechnung verbucht. Damit wirken sich die steigenden Zinsen positiv auf den Gewinn aus." Ein Anstieg der Zinskurve wird auf den LLB-Gewinn wie ein Hebel. 

Mittlerweile verbucht die LLB wie die meisten anderen Banken die Swaps im Eigenkapital. Aber der aktuell rund 1,2 Milliarden Franken grosse alte Swap-Bestand erfährt Wertsteigerungen, die das LLB-Resultat stützen. Mit den Swaps sichert die LLB die fixierten Langfrist-Zinsen aus dem Kredit- und Hypothekargeschäft auf der Aktivseite der Bilanz gegen die schwankenden Kurzfristzinsen in den Sichtguthaben der Passivseite ab. Ein glückliches Händchen bei den Absicherungen zahlt sich also aus.

Bereits der Trump-Effekt von vergangenen November trieb die Zinsen an und halfen der LLB, einem der zinssensitivsten Bankentitel an der Schweizer Börse. Informierte Investoren nutzten die Ausganglage: Das Wissen um die Zinsabsicherungen der LLB lässt die Anleger deswgen schon seit einiger Zeit zur LLB-Aktie greifen. Vergangenn Woch bestätigte die Bank in ihrem Vorbericht, dass sie tatsächlich von den Swaps profitiere. Der Effekt war sogar noch etwas stärker als erwartet.

LLB ist auf Akquisitionskurs

Mit seiner Kauf-Empfehlung signalisiert Mirabaud-Analyst Brun, dass er die Kursentwicklung der LLB für nachhaltig hält. Bis 2020 will die Bank in der Vermögensverwaltung wachsen. Kapital ist genügend da, um sich eine Privatbank einzuverleiben, die Herausforderung liegt mehr darin, ein geeignetes Objekt zu finden. Die LLB will eher in den angestammten Märkten ausbauen, also keine neuen Märkte wie etwa Südostasien erschliessen. Der Verzicht auf ein Engagement in Asien könnte sich allerdings auch als Risiko erweisen.

Dank des schon heute ausgewogenen Geschäftsmix ist die LLB ingesamt eine stabile Bank. Besser in den Griff bekommen muss sie noch die Neugeldsituation: Während sie in den Wachstumsmärkten und im Onshore-Geschäft Zuflüsse verzeichnet, drohen ihr in der angestammten grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung immer noch Abflüsse. So betrugen die Kundenvermögen der LLB-Gruppe betrugen per Ende Juni 2016 45,3 Milliarden Franken, nach 45,6 Milliarden Ende 2015. Unter dem Strich verlor die Bank 42 Millionen verwaltetes Geld.