Lohnen sich Kassenobligationen überhaupt noch?

Fixe Zinsen von bis zu 1,25 Prozent pro Jahr klingen für Anleger im aktuellen Umfeld verlockend. Doch Investitionen in Kassenobligationen bringen gewichtige Nachteile mit sich.
17.08.2016 12:13
Von Pascal Züger
Das Anlegen von Franken wird immer schwieriger.
Das Anlegen von Franken wird immer schwieriger.
Bild: Bloomberg

Sichere Anlagen, die trotzdem etwas Zins abwerfen, sind rar. Wer Staatsobligationen hält, zahlt oft sogar drauf: Aktuell beträgt die Rendite von zehnjährigen Schweizer Staatsanleihen minus 0,57 Prozent. Der Anleger wird für das sichere Anlegen also bestraft. Auch Sparkonten werden ihrem Namen kaum mehr gerecht: Denn die Zinsen sind nahe null und werden teilweise durch Gebühren gar gänzlich weggezehrt.

Eine Möglichkeit, doch noch etwas Geld gewinnbringend und sicher auf die Seite legen zu können, bieten Kassenobligationen. Für eine Laufzeit zwischen zwei bis zehn Jahren bekommt der Anleger einen im Voraus festgelegten jährlichen Zinssatz. Und dieser Zins ist fix: Die Bank kann nicht nachträglich die Konditionen ändern. Ausserdem unterliegen die Papiere dem Einlegerschutz, sind also auch vor einem Konkurs der Bank geschützt.

Cembra hat die Nase vorn

Ein Vergleich der verschiedenen Anbieter lohnt sich, da sich die Zinssätze doch ziemlich stark unterscheiden (siehe Tabelle unten): Bei achtjährigen Kassenobligationen bietet Cembra Money Bank, der beste Anbieter, 1,25 Prozent Zins. Bei der UBS gibt es für die gleiche Laufzeit nur 0,375 Prozent, bei der Postfinance sogar nur 0 Prozent. Tiefer sind die Zinssätze bei den kürzeren Laufzeiten: Bei fünfjährigen Kassenobligationen sind es maximal 0,75 Prozent (Cembra Money Bank), bei zwei Jahren Laufzeit springt für den Anleger maximal 0,3 Prozent (Regiobank Männedorf) heraus.

Was auffällt: Abgesehen von der zweijährigen Laufzeit hat der Kleinkrediteanbieter Cembra immer die Nase vorn - gefolgt von kleineren Regionalbanken. Grosse Anbieter wie die Credit Suisse, UBS, Raiffeisen oder Postfinance können – oder wollen - mit diesen Konditionen nicht mithalten.

Was hat Cembra der Konkurrenz voraus? "Wir sind im Konsumkreditgeschäft tätig, in dem die Zinsmarge höher ist als beispielsweise im Hypothekargeschäft", teilt Cembra-Kommunikationschef Andreas Werz auf cash-Anfrage mit. Dies erlaube es, attraktive Konditionen anbieten zu können.

Kurze Laufzeiten lohnen sich nicht

Wie gesehen, sind die Zinserträge bei kurzen Laufzeiten äusserst bescheiden. Zinsen von 0 bis 0,3 Prozent gibt es aus auch auf Sparkonten, welche darüber hinaus noch eine grössere Flexibilität aufweisen. Denn das eingezahlte Geld ist bei Kassenobligationen über die gesamte Laufzeit gebunden. Wer frühzeitig aussteigen will, kann dies höchstens mit der Entrichtung einer Entschädigung tun. PostFinance schreibt in ihren Bedingungen etwa, dass sie "nur in Härtefällen" einer vorzeitigen Rückzahlung zustimmt und bei einer vorzeitigen Kündigung "mit erheblichen Kosten" gerechnet werden muss.

Für Anleger, welche einen Teil ihres Portfolios in sichere Anlagen investiert haben wollen, lohnen sich deshalb zurzeit kurze Laufzeiten bei Kassenobligationen nicht. Interessant wird es erst ab fünf Jahren Haltedauer. Aber auch hier darf das Zinsrisiko nicht vergessen werden: Zwar hat man den zu Beginn vereinbarten jährlichen Zins auf sicher, doch könnte sich dies auch als Schuss nach hinten erweisen. Nämlich dann, wenn das allgemeine Zinsniveau plötzlich stark anzieht und man an der schlechteren Verzinsung festhalten muss. Gerade auf Sicht von mehreren Jahren ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

Vorsicht vor den Gebühren

Wer Kassenobligationen erwerben will, sollte nicht zur die Zinssätze vergleichen, sondern sich auch über die entstehenden Kosten informieren. Gewisse Anbieter erheben eine Depotgebühr, welche den Zinsertrag bedeutend schmälern kann.

Ausserdem verlangen einige Institute zusätzlich zum Depot für die Kassenobligation auch noch eine Kontoverbindung - in Form eines Privat- oder Sparkontos - bei der eigenen Bank, wodurch noch weitere Kosten anfallen könnten. 

Die besten Zinssätze von Kassenobligationen (Laufzeit 2 Jahre)

Anbieter Zins pro Jahr
Regiobank Männedorf 0,3%
Clientis Zürcher Regionalbank 0,25%
Bank BSU Genossenschaft 0,21%
WIR Bank 0,2%

Die besten Zinssätze von Kassenobligationen (Laufzeit 5 Jahre)

Anbieter Zins pro Jahr
Cembra Money Bank 0,75%
Regiobank Männedorf 0,5%
Spar + Leihkasse Frutigen 0,45%
Bank Sparhafen Zürich, BBo Bank Brienz Oberhasli 0,4%

Die besten Zinssätze von Kassenobligationen (Laufzeit 8 Jahre)

Anbieter Zins pro Jahr
Cembra Money Bank 1,25%
Regiobank Männedorf 0,8%
BBo Bank Brienz Oberhasli, Spar + Leihkasse Frutigen, Zürcher Landbank 0,75%
Bank Sparhafen Zürich 0,7%

Quellen: vermoegens-partner.ch, Stand 16.08.2016. Weitere Info: Moneyland.ch