Die Deutsche Bank präsentiert vierteljährlich ihre «Top Picks» der europäischen Aktien. Dabei wählt das Finanzinstitut pro Sektor jeweils einen Titel aus, für den die Analystinnen und Analysten Potenzial sehen.

cash.ch hat sieben Aktien aus der Liste genauer unter die Lupe genommen.

Lonza

Als einzige Schweizer Aktie befindet sich Lonza auf der Liste der Deutschen Bank und verteidigt damit ihren Platz im Sektor «Medical Technologies & Services». Laut den Analysten deute das jüngste Halbjahres-Update auf eine anhaltende Stärke in allen Segmenten hin. Die Aktie gewann seit Jahresbeginn knapp über sieben Prozent dazu.

Risiken seien für den Pharmazulieferer das Verfehlen der Prognosen, mangelhafte Produktqualität sowie der zunehmende Wettbewerb und auslaufende Verträge. Vorteile der Aktie sehen die Analysten im anhaltenden Pharma-Outsourcing sowie in der hohen Widerstandsfähigkeit, da die Branche nur gering anfällig ist für geopolitische Spannungen.

UCB

Für eine Überraschung sorgt ein Top Pick aus dem Pharma-Sektor. Wo im letzten Quartal noch Novartis stand, übernimmt nun UCB den Platz auf der Liste. Das belgische Biopharmaunternehmen stellt Medikamente gegen Allergien, Epilepsie und Autoimmunerkrankungen her. Die Aktie gewann in den Jahren 2024 und 2025 nach starker Medikamenten-Nachfrage kräftig dazu mit einem Plus von 196 Prozent. Seit dem Allzeithoch Anfang des Jahres verloren die Papiere jedoch fast 30 Prozent.

Laut Analysten der Deutschen Bank soll UCB weiterhin vom starken Wachstum des Blockbuster-Medikaments Bimzelx profitieren. Zudem gibt es für das Mittel eine neue Zulassung für die Hauterkrankung Hidradenitis Suppurativa, für die es weltweit nur wenige zugelassene Behandlungsmöglichkeiten gebe. Als Risiken listet die Deutsche Bank neue Studienergebnisse des Konkurrenzprodukts Remibrutinib von Novartis sowie den Mangel neuer Produkte in der aktuellen Pipeline.

Adidas

Adidas überzeugt die Analysten mit einem starken Umsatzwachstum, überdurchschnittlicher Marktentwicklung und einer soliden Pipeline an neuen Produkten. Seit dem Amtsantritt des neuen CEOs haben sich Umsatz und Gewinn des Unternehmens deutlich erholt. Die Aktie ist in dieser Zeit zwischenzeitlich gestiegen, sank aber in den letzten zwei Jahren wieder moderat. Seit Anfang Jahr weist die Aktie einen Verlust von über 14 Prozent auf. Die Analysten der Deutschen Bank rechnen in den kommenden drei Jahren mit einem Gewinnwachstum pro Aktie im mittleren Zehnerbereich.

Verglichen mit dem Konkurrenten Nike sind das gute Aussichten: Die Aktien des amerikanischen Sportartikelherstellers sinken seit Jahren kontinuierlich. Zudem bekommen die beiden Sportgiganten Konkurrenz aus der Schweiz: On steigt nun auch in den Fussballmarkt ein und könnte den Platzhirschen in diesem Bereich Marktanteile abjagen. Laut Analysten «besteht das Risiko erhöhter Ausgaben für Verkaufsförderungsmassnahmen zur Sicherung der Marktanteile».

Scout24

Der deutsche Marktführer für Immobilienanzeigen, Scout24, habe sich mit seiner klar ausgearbeiteten KI-Strategie einen deutlichen Vorsprung gegenüber der europäischen Konkurrenz verschafft. Die SMG-Konkurrentin sei zudem äusserst profitabel und generiere hohe Cashflows. Die Aktie musste derweil einstecken: Seit Jahresbeginn verloren die Titel über 20 Prozent an Wert.

Makroökonomische Schocks könnten dem Online-Marktplatzbetreiber in die Quere kommen. Weitere Risiken für Scout24 seien laut Analysten der intensivere Wettbewerb, Wechsel im Management sowie gescheiterte Übernahmen.

Thyssenkrupp

Der deutsche Industriekonzern legte in den vergangenen zwei Jahren eine starke Kursentwicklung hin - die Aktie gewann fast 440 Prozent hinzu. Zwischendurch gab es allerdings Taucher – etwa im Februar 2026 wegen hoher Restrukturierungskosten in der Stahlsparte des Unternehmens. 

Thyssenkrupp sei weiterhin eine Aktie, bei der Anleger eine gewisse Volatilität in Kauf nehmen müssen, schreiben die Analysten. Das Chance-Risiko-Verhältnis habe sich allerdings verbessert. Für die Analysten bleiben die Titel eine Kaufempfehlung: Sie sehen ein Aufwärtspotenzial von 20 Prozent im Basisszenario. Im optimistischen Szenario würden mehr als 100 Prozent Wertsteigerung drin liegen.

SAP

Nach einer Baisse im ersten Halbjahr geht es für den deutschen Softwarekonzern SAP wieder aufwärts. In den vergangenen 12 Wochen konnten die Titel 38 Prozent zulegen. Die Umfragen der Deutschen Bank im Softwaresektor deuten darauf hin, dass die Nachfrage in der Branche nicht nachgibt. Die Analysten seien somit zuversichtlich, dass das Wachstum die Erwartungen weiterhin übertreffen kann.

Solide erwartete Ergebnisse fürs dritte Quartal sollen den Aktienkurs weiterhin stützen können. Die anstehende Transformationsphase führe laut Analysten zu Volatilität beim Kurs der SAP-Papiere, was eine attraktive Einstiegschance für geduldige Anleger biete. Risiken sieht die Deutsche Bank hingegen in neuen Marktteilnehmern – vor allem Player aus dem KI-Sektor könnten für einen intensiveren Wettbewerb sorgen.

Volkswagen

Trotz des schwierigen Branchenumfelds erwartet die Deutsche Bank, dass die Aktien von Volkswagen besser performen als der Markt. Die Titel haben seit Jahresbeginn ein Drittel ihres Werts verloren. Der deutsche Autobauer steht allerdings vor einem grossen Wandel. Bis 2030 will CEO Oliver Blume konzernweit bis zu 100’000 Stellen abbauen.

Die weitere Entwicklung liege nun in der Hand der Konzernleitung und es bleibe die Frage, ob das Management den Wandel erfolgreich bewältigen wird. Volkswagen bleibt für die Analysten der Deutschen Bank eine Kaufempfehlung.

Portrait von cash-Redaktor Loris Gregorio
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