Medien - TX Group und Ringier wollen Online-Marktplätze gemeinsam an Börse bringen

Die Online-Marktplätze von TX Markets und Ringier werden gebündelt und mittelfristig an die Börse gebracht. Andere international tätige Grossverlage wie Naspers oder Schibsted haben den Weg vorgespurt.
31.08.2021 13:13
Von Daniel Hügli
Der Sitz der Mediengruppe Ringier in Zürich.
Der Sitz der Mediengruppe Ringier in Zürich.
Bild: imago images / Geisser

Die TX Group bringt die TX Markets-Plattformen Ricardo, tutti.ch, Homegate sowie Car For You in das neue Joint Venture ein. Ringier sowie die Mobiliar beteiligen sich durch das Einbringen der Scout24 Schweiz Gruppe, welche die Plattformen ImmoScout24, AutoScout24, MotoScout24, FinanceScout24 und anibis.ch betreibt.

Der Abschluss der Transaktion erfolge "in ein paar Wochen", wurde an einer Medienorientierung in Zürich mitgeteilt. Das Unternehmen werde etwa 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassen. Zu Umsatzzahlen wurden an einer Medienorientierung in Zürich keine Angaben gemacht. Branchenkenner schätzen diesen aber auf rund 250 bis 300 Millionen Franken.

Mit dem Zusammenschluss wollen sich die Firmen gegen internationale Riesen wie Google und auch Start ups wehren. Trotz des starken Wachstums in den vergangenen Jahren stehe man einem zunehmenden Wettbewerb durch globale internationale Konkurrenten und schnell wachsende Startups, die den Markt umpflügen, gegenüber. Ausserdem würden die Anforderungen der Kunden steigen.

Die Aktie von TX (ehemals Tamedia) steigt am Dienstag an der SIX um 15 Prozent. Der Titel hatte in den letzten sechs Monaten 22 Prozent zugelegt. Ringier ist nicht kotiert. 

Wachstumsinvestor General Atlantic mit an Bord

Vierter Gesellschafter am Joint Venture wird der global tätige Wachstumsinvestor General Atlantic, der die Gruppe mit seiner langjährigen internationalen Expertise im Bereich der digitalen Marktplätze unterstützt. Die Bündelung der Kräfte zu einem der grössten Digitalunternehmen der Schweiz ermögliche es, ein kompetitives Schweizer Marktplatz-Angebot zu schaffen und damit als Vorreiter im Schweizer Markt zu agieren, wurde betont. Das angekündigte Joint Venture verfolgt als mittelfristiges Ziel einen Börsengang. Das IPO erfolge aber erst "in einige Jahren", wurde auf Nachfrage an der Medienkonferenz gesagt.

Andere, international tätige Verlage haben ähnliche Schritte bereits vollzogen. So brachte der südafrikanische Konzern Naspers seine Internetaktivitäten im September 2019 mit dem Namen Prosus in Amsterdam an die Börse. Der norwegische Verlag Schibsted vollzog ähnliches, indem er seine nicht-nordischen Kleinanzeigenaktivitäten ebenfalls auslagerte und an der Börse kotierte. Das so entstandene Unternehmen Adevinta erwarb im letzten Jahr dann für 9,2 Milliarden Dollar das Kleinanzeigengeschäft des US-Onlineriesen Ebay.

"Was wir hier tun, ist für den Standort Schweiz ganz wichtig", sagte Marc Walder, CEO und Miteigentümer von Ringier, an der Medienkonferenz zum neuen Joint Venture. Die heimischen Online-Marktplätze würden zunehmend konkurrenziert von Firmen wie Google. Es sei wichtig für den Innovationsstandort Schweiz, dass heimische Firmen komeptitiv bleiben. Es sei eine Schweizer Lösung für die Schweiz. "Wir sind überzeugt, dass wir mit der Zusammenführung unserer starken Marktplätze deren weiteres Wachstum fördern", fügte TX Group-Präsident Pietro Supino an. 

Die TX Group hält am neuen Joint Venture 31 Prozent, Ringier und die Mobiliar jeweils 29,5 Prozent und der Wachstumsinvestor General Atlantic 10 Prozent. Die vier Aktionäre verfügen über jeweils 25 Prozent der Stimmrechte. Der Zusammenschluss könne daher ohne Verfahren der Wettbewerbskommission erfolgen, hiess es an der Medienkonferenz. Man habe aber das Gespräch mit der Weko gesucht.

Job Cloud nicht im Joint Venture

Die Zürcher Kantonalbank betont in einem Kommentar zwar, dass das Joint Venture den Wert der Assets der eingebrachten Unternehmensteile betone. Der Analyst bedauert aber, dass der mit Abstand profitabelste Bereich, Job Cloud, nicht im Joint Venture enthalten sei und fragt sich überdies, weshalb TX die Transaktion nicht alleine "durchzieht".

CEO des Joint Ventures wird Gilles Despas, derzeit CEO der Scout24 Schweiz Gruppe. Zuvor war er Chief Digital Officer und Group Chief Marketing Officer bei Thomas Cook in London sowie Managing Director und CEO von Ebookers und HolidayCheck.

Verwaltungsratspräsident des Joint Venture wird Lothar Lanz. Er ist Vorsitzender des Aufsichtsrates von Home24, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats von TAG Immobilien und Mitglied des Aufsichtsrats von Dermapharm. Er gehörte unter anderem auch dem Aufsichtsrat von Zalando und Axel Springer an. Zuvor war er langjähriger Finanzchef von ProSiebenSat.1 Media. Dem Verwaltungsrat werden auch Jörn Nikolay, Olivier Rihs, Michèle Rodoni, Pietro Supino und Marc Walder angehören.

(mit Material von AWP)

 
Aktuell+/-%
TX Group N147.20+5.14%
Alphabet-A Rg2'945.39+2.87%
Prosus Rg-N75.12-1.11%
eBay Rg67.23+1.76%
home24 I13.150-1.50%
Zalando I78.42+0.05%
ProSiebenSat.1 N13.655-1.01%

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