Der US-Versorger NextEra Energy übernimmt den Rivalen Dominion Energy für 66,8 Milliarden Dollar und schafft damit den nach Börsenwert weltweit grössten regulierten Stromversorger. Die Transaktion werde vollständig in Aktien abgewickelt, teilte der Konzern aus Florida am Montag mit. NextEra bietet 0,8138 eigene Aktien je Dominion-Papier. Das entspricht einem Wert von 75,97 Dollar pro Aktie und einem Aufschlag von rund 23 Prozent auf den letzten Schlusskurs.
Die Dominion-Aktien legten im vorbörslichen US-Handel um knapp 15 Prozent zu, während NextEra-Papiere rund zwei Prozent verloren. Nach Abschluss der Übernahme sollen die bisherigen NextEra-Aktionäre 74,5 Prozent an dem kombinierten Konzern halten, der weiterhin von NextEra-Chef John Ketchum geführt werden soll.
Mit Dominion sichert sich NextEra Zugang zu einem der wichtigsten Wachstumsmärkte der Branche. Der Versorger aus Virginia verfügt über vertraglich gesicherte Rechenzentrumskapazitäten von fast 51 Gigawatt. Zu den Kunden zählen Alphabet, Amazon, Microsoft, Meta und weitere grosse Technologiekonzerne. Zum Netzgebiet von Dominion gehört auch die sogenannte «Data Center Alley» im Norden Virginias - die weltweit grösste Konzentration von Rechenzentren und einer der am schnellsten wachsenden Strommärkte der Welt. Bereits im vergangenen Jahr hatte NextEra mit der Alphabet-Tochter Google die Wiederinbetriebnahme eines Atomkraftwerks in Iowa vereinbart, um den steigenden Energiebedarf der Tech-Branche zu bedienen.
Die Übernahme reiht sich in eine Konsolidierungswelle in der US-Energiebranche ein. Der rasante Ausbau von Rechenzentren lässt die Stromnachfrage in den USA erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder deutlich wachsen und eröffnet den Versorgern neue Ertragschancen. Zuletzt war es in der Branche bereits zu milliardenschweren Transaktionen um Unternehmen wie AES und Constellation Energy gekommen.
Die Dominion-Übernahme dürfte jedoch auf eine intensive Prüfung durch Wettbewerbshüter, Verbraucherschützer und Politiker stossen. Kritiker warnen angesichts steigender Marktkonzentration vor höheren Strompreisen und Risiken für die Netzstabilität. Dominion bringt zudem langfristige Schulden von mehr als 44 Milliarden Dollar mit. Die Strompreise in den USA sind nach Angaben der US-Energiebehörde EIA in den vergangenen fünf Jahren um rund 40 Prozent gestiegen, in wichtigen Rechenzentrumsregionen wie Virginia zuletzt sogar noch deutlich stärker. Die Transaktion soll innerhalb von zwölf bis 18 Monaten abgeschlossen werden und benötigt noch die Zustimmung von Aktionären und Aufsichtsbehörden.
(Reuters)

