Microsoft gab am Mittwoch dank einer boomenden Cloud-Sparte ein Quartalsergebnis über Markterwartungen bekannt. «In diesem Jahr hat der Azure-Umsatz erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar überschritten», sagte Konzernchef Satya Nadella. Die kostenpflichtige Variante des KI-Assistenten Copilot nutzen inzwischen mehr als 30 Millionen Anwender.
Das Wachstum der Cloud-Erlöse beschleunigte sich im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 auf 43 Prozent. Analysten hatten mit knapp 40 Prozent gerechnet. Gleichzeitig stieg der Auftragsbestand in den vergangenen drei Monaten um rund 50 Milliarden auf 678 Milliarden Dollar. Das gesamte zusätzliche Geschäft komme von Unternehmen, die nicht zu den führenden KI-Entwicklern aus den USA zählten. Hinzu kämen Mietverträge für Rechenzentren im Wert von etwa 329 Milliarden Dollar, die ab 2027 begännen und Laufzeiten von bis zu 20 Jahren hätten. Bei einigen dieser Vereinbarungen müssten bestimmte Bedingungen erfüllt sein, bevor sie in Kraft träten.
Volle Auftragsbücher - langfristige Verträge
Anleger reagierten erleichtert auf die vorgelegten Zahlen. Microsoft-Aktien legten im nachbörslichen Handel an der Wall Street um drei Prozent zu. In den vergangenen Wochen kamen immer wieder Zweifel auf, ob die hohen Ausgaben für die KI-Infrastruktur gerechtfertigt seien. «In dieser Berichtssaison geht es um die Umsetzung von KI, nicht um die Begeisterung für KI», sagte Seth Hickle, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Mindset.
Die Cloud-Sparte des Internetkonzerns Google wuchs im abgelaufenen Quartal zwar fast doppelt so stark. Dort trübten aber die erneute Anhebung der KI-Investitionen und der erste negative Cashflow der Unternehmensgeschichte die Stimmung. Microsoft verbuchte dagegen einen erneuten Mittelzufluss, der mit 19,6 Milliarden Dollar die Markterwartungen übertraf. Das Unternehmen will im laufenden Jahr weiterhin 190 Milliarden Dollar für den Ausbau seiner KI-Infrastruktur aufwenden. Der grösste der sogenannten Hyperscaler, Amazon Web Services (AWS), plant Ausgaben in Höhe von 200 Milliarden Dollar. Er plant die Vorlage seiner Geschäftszahlen für Donnerstag.
Schätzungen der Beratungsfirma Gartner zufolge werden die weltweiten Investitionen in Rechenzentren 2026 um mehr als 60 Prozent auf 822 Milliarden Dollar steigen. Die Experten der Bank Morgan Stanley rechnen damit, dass diese Summe im kommenden Jahr auf mehr als eine Billion Dollar anwachsen wird.
(Reuters)

