Die Deutsche Telekom erwäge eine Verschmelzung mit ihrer US-Tochter T-Mobile, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Mittwoch. Mit einem kombinierten Börsenwert von knapp 390 Milliarden Euro entstünde der weltweit grösste Telekom-Konzern. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zunächst über die Pläne berichtet. Die Telekom wollte sich zu diesem Thema nicht äussern. T-Mobile war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Zur Diskussion steht den Insidern zufolge die Gründung einer Holding, die ein Übernahmeangebot sowohl für die Aktien des Bonner Konzerns als auch für die der US-Tochter abgeben würde. Das fusionierte Unternehmen solle voraussichtlich an der Wall Street und einer europäischen Börse gelistet werden. Die Überlegungen befänden sich in einem frühen Stadium und Details könnten sich noch ändern. Die Telekom erhoffe sich offenbar einen Kursschub durch die Schaffung eines transatlantischen Champions.
Wenig Gegenliebe bei Anlegern
An der Börse stiessen die Pläne auf Skepsis: Die Telekom-Titel fielen am Mittwoch um etwa drei Prozent. Die Papiere von T-Mobile hatten am Dienstag an der Wall Street mit einem Minus von 1,5 Prozent unter dem Niveau vor Veröffentlichung der ersten Medienberichte über die mögliche Fusion geschlossen.
Eine Fusion sei kein Allheilmittel, um den Unternehmenswert zu steigern, schrieb Analyst Robert Grindle von der Deutschen Bank. Das Einsparpotenzial sei bei Telekomfirmen überschaubar. Ähnlich wie bei anderen, international agierenden Wettbewerbern wie Vodafone werde voraussichtlich auch der kombinierte Telekom/T-Mobile-Konzern niedriger bewertet als die Summe seiner Teile. Die Marktkapitalisierung der Telekom liegt aktuell bei knapp 135 Milliarden Euro. T-Mobile kommt auf umgerechnet 252 Milliarden Euro.
Eine Fusion von Telekom und T-Mobile müsste zudem einige Hürden überwinden: Der Bund ist mit insgesamt rund 28 Prozent der grösste Aktionär des Bonner Konzerns. Bislang ist unklar, wie er einen Zusammenschluss beurteilen würde. Da die Telekom aktuell etwa 53 Prozent an T-Mobile hält, würde der Staatsanteil bei einer Fusion verwässert.
Vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind
Die Telekom stieg im Jahr 2000 mit der Übernahme von Voicestream in den US-Markt ein. Der anfänglichen Euphorie folgte zunächst Ernüchterung. T-Mobile wurde zum Sorgenkind des Konzerns und stand zeitweise sogar zum Verkauf. In den vergangenen Jahren mauserte sich die US-Tochter jedoch zum Wachstumstreiber der Bonner. Sie lässt beim Kundenzuwachs die US-Rivalen AT&T und Verizon regelmässig hinter sich.
Im vergangenen Jahr erwirtschaftete T-Mobile einen operativen Gewinn von umgerechnet rund 29 Milliarden Euro. Die Telekom kam auf ein Betriebsergebnis von etwa 44 Milliarden Euro.
(Reuters)

