Im Gegensatz zu seiner berüchtigten und pessimistischen Wette gegen Subprime-Kredite im Jahre 2008 ist der jüngste Versuch von Michael Burry gescheitert, von Kursverlusten bei einer allfälligen Korrektur an den US-Aktienmärkten zu profitieren. Laut den am Dienstag veröffentlichten 13F-Offenlegungen bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC hat Burrys Scion Asset Management Puts auf den "S&P 500 Index ETF SPY" und den "Nasdaq 100 Index ETF QQQ" in der nominalen Höhe von 1,6 Milliarden US-Dollar liquidiert.

Da der S&P im dritten Quartal - Burry hatte diese Positionen im zweiten Quartal aufgebaut - nicht genügend unter die Höchststände vom 30. Juni fiel, kann daraus geschlossen werden, dass die Puts entweder wertlos verfielen oder mit sehr geringem Wert verkauft wurden. Mit der sinkenden Volatilität dürfte es für Burry unmöglich gewesen sein, während der ganze Haltefrist nur halbwegs erfolgreich aus diesem Trade herausgekommen zu sein.

Hohe Rotationsgeschwindigkeit im Portfolio

Nebst der Liquiditation dieser grossen Wetten ist an den Portfoliobewegungen auffallend, dass die Rotation im Portfolio enorm hoch bleibt. Von den im ersten Quartal 2023 gehaltenen Positionen wurden praktisch alle bis zum Ende des zweiten respektive dritten Quartals liquidiert. Insgesamt wurden 25 Investments aufgelöst, darunter die drei ehemals grössten Positionen Expedia, Charter und Generac.

Gleichzeitig stockte «The Big Short» eine Handvoll kleinerer Positionen wie Stellantis, Nexstar und Star Bulk Carrier auf. Burry ist auch eine abgesicherte Position bei Booking Holdings eingegangen, wo er sowohl die Aktie als auch Puts zur Absicherung kaufte.

Nachdem er im ersten Quartal 2023 die Positionen bei JD.com und Alibaba aufgelöst hatte, kommt nun eher überraschend, dass er bei diesen zwei Titeln erneut eingestiegen zu sein scheint. Er hofft damit erneut, dass die chinesischen Aktien dieses Mal endlich eine bullische Performance hinlegen.

Trotz neuer Short-Wette vom «Short» zum «Long» Burry

Dass Burry einen massiven Verlust mit den Puts auf den SPY und QQQ eingefahren hat, hindert ihn nicht daran, eine 'kleine' Short-Wette auf die amerikanischen Chiphersteller einzugehen. Er hat dazu Putoptionen des börsengehandelten iShares Semiconductor-ETF erworben - damit setzen Investoren auf fallende Kurse, indem sie eine Prämie zahlen, um die Aktien zu einem späteren Zeitpunkt zu einem bestimmten Preis verkaufen zu können.

Der Nominalwert der neuen Transaktion beträgt 46,7 Millionen Dollar im Vergleich zu den nun liquidierten Putoptionen mit einem Nominalwert von 1,6 Milliarden Dollar. Die Putprämie ist dabei wesentlich kleiner als der nominale Wert der Transaktion. Diese Puts machen entsprechend am gesamten Aktienportfolio von 100 Millionen Dollar einen geringen Anteil von 2 bis 4 Prozent aus.

Das heisst auf der anderen Seite, dass mehr als 96 Prozent in Longpositionen angelegt sind. Spitze Zungen behaupten deshalb, Burry sei zum «Long Burry» oder zu einem schnell handelnden Warren Buffett mutiert. 

Die Nachrichtenagentur Bloomberg stellt in diesem Zusammenhang am Dienstag die Frage, ob diese Bewegungen im Portfolio ein Signal für einen neuen Bullenmarkt für US-Aktien sind. «The Big Long» respektive ehemals Short könnte damit gerade signalisiert haben, dass er glaubt, dass die Rallye an den US-Märkten an Fahrt aufnimmt.

Thomas Daniel Marti
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