«Wir sehen klar keinen Grund, unsere Strategie aufgrund dessen zu ändern, was in den vergangenen Wochen passiert ist», sagte Steffen Meister, Verwaltungsratspräsident von Partners Group, in einem Interview. «Wir prüfen die offenen Fonds und könnten sie künftig etwas kleiner halten, stärker abgestimmt auf die Entwicklung der Kapitalflüsse über die Zeit.»

Partners Group durchläuft derzeit eine turbulente Phase: Die Mittelabflüsse von Kunden haben deutlich zugenommen, während gleichzeitig der Leerverkäufer Grizzly Research dem Unternehmen vorwirft, seine Fonds generell zu hoch zu bewerten.

Führende Manager befanden sich gerade bei einer jährlichen Strategietagung im Schweizer Bergort Lenzerheide, als die Aktien einbrachen. Auslöser war die Nachricht vom 3. Juni, dass das Unternehmen die Rücknahmen aus einem seiner grössten «Evergreen»-Private-Equity-Fonds begrenzen würde.

Institutionelle versus private Kunden

In den vergangenen Jahrzehnten hat das Unternehmen oft einen anderen Weg eingeschlagen als viele Wettbewerber und war ein Vorreiter beim Aufbau des Evergreen-Geschäfts – Fonds ohne feste Laufzeit, die regelmässige Rücknahmen ermöglichen. Zum Jahresende verwaltete Partners Group rund 56 Milliarden US-Dollar in Evergreen-Fonds bei insgesamt 185 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen.

Während institutionelle Investoren – häufig grosse Pensionskassen oder Stiftungen – ihr Kapital oft für zehn Jahre oder länger binden, um höhere Renditen zu erzielen, bieten Evergreen-Fonds regelmässige Möglichkeiten, Kapital abzuziehen.

Laut Meister haben Aktieninvestoren nicht ausreichend verstanden, dass die schnell gewachsene Evergreen-Sparte dennoch nicht den Grossteil der Investorenbasis ausmacht. Die jüngsten Rücknahmen seien vor allem von vermögenden Anlegern aus dem asiatisch-pazifischen Raum ausgegangen.

«Viele dachten, das gesamte Wachstum von Partners Group komme von vermögenden Privatkunden», sagte er. «Was wir nicht genug betont haben, ist, dass die anderen 80 Prozent, nämlich die institutionellen Investoren, deutlich wichtiger sind.» Zu den Vorwürfen von Grizzly Research wollte er sich nicht weiter äussern.

Der 56-Jährige, der seit dem Jahr 2000 bei Partners Group tätig ist, sagte, das Unternehmen habe seine eigene Geschichte nicht gut genug erzählt. Meister zählt zu den bekanntesten Finanzmanagern der Schweiz. Laut Bloomberg-Daten hält er zudem rund 1,3 Prozent der Aktien von Partners Group.

«Ich war sehr überrascht über die Kursentwicklung der Aktie», sagte er. «Wir können sagen, dass wir in unserer Kommunikation einige Fehler gemacht haben – trotz bester Absichten.»

Wiederkehrendes Sorgenkind

Das Unternehmen hat sich von einem Liebling des Schweizer Finanzplatzes, gelobt für seine Innovationskraft und seine von Gründern geprägte Unternehmenskultur, zu einem wiederkehrenden Sorgenkind für Investoren entwickelt. Dies geschah trotz weiterhin robuster Mittelzuflüsse und einer überdurchschnittlichen Performance einiger Fonds, insbesondere im Infrastrukturbereich.

Die Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als 33 Prozent verloren und schneidet damit schlechter ab als die meisten europäischen Wettbewerber. Dies geschieht in einer Zeit, in der die gesamte Private-Equity-Branche unter einem Mangel an Transaktionen leidet, die Rückflüsse an Investoren ermöglichen würden. Partners Group wird ihre aktualisierten Zahlen zum verwalteten Vermögen am 15. Juli veröffentlichen.

Die anhaltende Suche nach Rendite durch Versicherungen, von denen viele ihre Engagements in privaten Märkten ausbauen, stützt Partners Group, während das Interesse wohlhabender Privatanleger nachlässt. «Wir sehen viel Wachstum auf institutioneller Seite», sagte Meister. «Allein Versicherungen machen bereits bis zu 15 Prozent des weltweit verwalteten Vermögens aus und nähern sich damit der Grösse des Geschäfts mit vermögenden Privatkunden an.»

Für Private-Equity-Gesellschaften war der Vermögenskundenkanal zuletzt eine zentrale Wachstumsquelle. Privatbanken und Vermögensverwalter, darunter die UBS, schlossen Vertriebsvereinbarungen mit alternativen Vermögensverwaltern. Unternehmen wie KKR & Co. und Apollo Global Management eröffneten Niederlassungen in Finanzzentren wie Zürich, um dieses Kundensegment besser zu erschliessen. 

Meister deutete jedoch an, dass diese Strategie nicht vollständig aufgegangen sei. «Alles, was ursprünglich positiv prognostiziert wurde, hat sich ins Gegenteil verkehrt», sagte er und fügte hinzu, dass er den Banken keinen Vorwurf mache, diesen Trend gefördert zu haben. «Das ist ein Phänomen der Investmentwelt», erklärte er. «Wenn etwas als besonders attraktiv gilt, ziehen solche Anlagen auch Investoren an, die nicht vollständig zum Risiko-Rendite-Profil passen.»

Konsolidierung und Neubewertung

Der Verwaltungsratspräsident von Partners Group, der dieses Amt seit 2013 innehat, sagte zudem, dass den privaten Kapitalmärkten weiterhin eine Neubewertung bevorstehe. Insbesondere hätten viele Unternehmen Schwierigkeiten, Vermögenswerte, die zwischen 2018 und 2022 zu hohen Preisen erworben wurden, mit Gewinn zu veräussern.

In der Private-Equity-Branche sei die Konsolidierung bereits in vollem Gange, da viele Fonds zunehmend Schwierigkeiten hätten, neues Kapital einzuwerben. Einige Gesellschaften seien jedoch weiterhin in der Lage, grosse Verkäufe erfolgreich abzuschliessen und umfangreiche Fonds aufzulegen.

Für Meister wird dieser Trend dazu führen, dass grosse Anbieter wie Partners Group zusätzliche Marktanteile gewinnen. «Es gibt Tausende von Fonds», sagte er. «Nur 10 bis 20 Unternehmen wachsen wirklich stark. Durch Marktanteilsgewinne gibt es erhebliches Wachstumspotenzial. Viele Private-Equity-Fonds bluten langsam aus.»

(Bloomberg/cash)