Die Aktien von Adecco gewannen am Montag bei Börsenschluss 6 Prozent an Wert dazu und stiegen auf ein Zwei-Monate-Hoch bei 18.40 Franken. Bis zum Jahreshoch bei 23,54 Franken fehlen jedoch noch einige Franken. Die Titel waren im April auf den tiefsten Stand seit Herbst 1993 gefallen, daher beläuft sich die Jahresbilanz auf –21,57 Prozent.
Auslöser des Kursanstiegs waren positive Signale aus der Branche. Der britische Personalvermittler Page überraschte mit einem robusten Quartalsbericht und sorgte damit für Rückenwind im gesamten Sektor. Der Bruttogewinn sank im zweiten Quartal lediglich um 0,2 Prozent auf 197,6 Millionen Pfund, nachdem im ersten Quartal noch ein Rückgang von knapp 5 Prozent verzeichnet worden war. Nach mehreren Quartalen mit deutlichen Einbussen wertet der Markt dies als Hinweis darauf, dass sich der Abschwung in der Rekrutierungsbranche allmählich abschwächt.
Zusätzliche Unterstützung erhielt die Stimmung durch den Zwischenbericht des Spezialistenvermittlers Hays vom Freitag. Händler berichteten von Deckungskäufen, nachdem das Unternehmen einen überraschend stabilen Geschäftsgang präsentiert hatte. Das Management rechnet inzwischen mit einem operativen Vorsteuergewinn am oberen Ende der Zielspanne von 37 bis 46 Millionen Pfund. Eine höhere Produktivität der Berater sowie eine konsequente Kostenkontrolle konnten die rückläufigen Nettogebühren im zweiten Halbjahr weitgehend kompensieren. Die Hays-Aktie sprang daraufhin am Freitag um knapp 20 Prozent auf 0,43 Pfund.
Attraktiver Einstiegszeitpunkt – aber begrenztes Kurspotenzial
Bereits vor wenigen Tagen hatte die Deutsche Bank mit einer Hochstufung der Adecco-Aktie einen attraktiven Einstiegszeitpunkt signalisiert. Das Kursziel liess der Analyst unverändert bei 22 Franken und damit leicht unter dem Konsens von rund 24 Franken. Insgesamt sprechen sich derzeit acht Analysten für den Kauf der Aktie aus, während jeweils vier zum Halten beziehungsweise zum Verkauf raten.
Der Experte der Deutschen Bank weist jedoch darauf hin, dass die geopolitischen Unsicherheiten im Nahen Osten viele Unternehmen dazu veranlasst hätten, Personalentscheide weiter aufzuschieben. Bereits im April hatte auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB) vor den möglichen Folgen des damaligen Iran-Konflikts gewarnt. «Wir rechnen als Reaktion auf den Krieg im Mittleren Osten mit einer schwächeren Konsumentenstimmung und daraus mit einer zusätzlichen wirtschaftlichen Belastung für einige von Adeccos Kernmärkten», schrieb Analyst Gian Marco Werro.
Sollte sich der Konflikt erneut verschärfen, dürfte dies das Kurspotenzial der Aktie kurzfristig begrenzen. Die USA griffen in der Nacht auf Dienstag zum dritten Mal in Folge Ziele im Iran an. Zudem kündigte US-Präsident Donald Trump an, die Seeblockade gegen den Iran wieder in Kraft setzen zu wollen.
Fundamental sehen mehrere Analysten dennoch weiteres Potenzial. Die Bank Vontobel hält die Aktie für unterbewertet. Goldman Sachs erwartet, dass anhaltendes Umsatzwachstum und weitere Margenverbesserungen im Jahr 2026 eine höhere Bewertung rechtfertigen könnten.
Ein zusätzliches Argument für Anleger bleibt die Dividende. Mit einer aktuellen Dividendenrendite von 5,3 Prozent gehört Adecco zu den 14 renditestärksten Unternehmen am Schweizer Aktienmarkt. Für 2027 rechnen Analysten sogar mit einer Rendite von rund 6,6 Prozent – womit der Personalvermittler zu den fünf dividendenstärksten Schweizer Titeln zählen würde.
