Nachdem der Euro zum Franken im frühen europäischen Devisenhandel nach den höher als erwartet ausgefallenen Inflationszahlen in der Schweiz auf ein neues Fünf-Monats-Tief von 0,9131 Franken abgesunken ist, hat sich die europäische Einheitswährung im Laufe des Dienstagmorgens wieder gefangen. Um 10.40 Uhr notiert der Euro zum Franken bei 0,9149 Franken. Auch der US-Dollar schwächte sich am Dienstag ab und wird bei 0,8177 Franken gehandelt.
Wie die von cash.ch befragten Ökonomen - mehr dazu hier - erwarten keine unmittelbare Zinserhöhung durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) an der kommenden Sitzung von Anfang Dezember. Waren bisher erste Zinserhöhungen, wenn überhaupt, ab Sommer 2027 eingepreist, gehen einzelne Strategen nun davon aus, dass dies bereits im März 2027 der Fall sein könnte.
Ob die SNB die Leitzinsen tatsächlich zeitnah anheben wird, dürfte primär von der weiteren Entwicklung an den Energie- und Devisenmärkten abhängen. Bleibt der Franken stark und sinken die Erdölpreise, dürfte eine Zinserhöhung auf sich warten lassen. Sollten auf der anderen Seite die geopolitischen Turbulenzen anhalten und sich in der Schweiz Zweitrundeneffekte bei der Teuerung abzeichnen, dürfte bald eine Zinserhöhung ins Haus stehen.
Am Montag war es im Handel in New York zu einer deutlichen Aufwertung des Frankens gekommen. «Die Sorgen über die französischen Staatsfinanzen und die Kursrückgänge bei Technologieaktien haben offensichtlich das Sicherheitsbedürfnis erhöht», weiss die Nachrichtenagentur AWP aus einem Kommentar der Bank Valiant zu berichten. Zudem werde es mit jedem weiteren Anziehen des Frankens für ‹Halter von Zinsdifferenzgeschäften› ungemütlicher.
Ein weiterer Grund für den stärkeren Franken ist in den Absicherungstransaktionen zu sehen. Matthew Ryan, Stratege von Ebury, meint gegenüber cash.ch, dass viele Schweizer Unternehmen sich nach der Abwertung des Frankens über den Sommer mit weiteren Absicherungen der Währungsrisiken zurückgehalten hätten. Genau solche Bewegungen wie jetzt unter 0,92 Franken zum Euro zeigten, wie schnell sich das dreht.
Zunehmende Absicherungstransaktionen dürften den Schweizer Franken stärken, während andererseits Gewinnmitnahmen von spekulativen Shortpositionen dem Euro immer wieder etwas Auftrieb geben dürften.
Das Augenmerk an den Devisenmärkten richtet sich nun auf die US‑Wahlen. Da sich ein Sieg der oppositionellen Demokraten abzeichnet, wird vor allem interessant werden, wie US-Präsident Donald Trump auf eine Niederlage reagieren wird. «Sollte er eine mögliche Mehrheit der Demokraten in einer oder gar beiden Kongresskammern nicht anerkennen, könnte der Dollar rasch rund zwei Prozent einbüssen», so der Valiant-Kommentar weiter.
Auf jeden Fall dürfte die Volatilität nach einem erstaunlich ruhigen Handel über die Sommermonate hoch bleiben.

