Waren und Dienstleistungen verteuerten ‌sich ⁠im April im Euroraum um durchschnittlich 3,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das ⁠EU-Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte.

Von Reuters befragte Experten hatten nur mit einem Anstieg auf ‌2,9 Prozent gerechnet. Im März und ‌damit nach Ausbruch des Iran-Konflikts war ​die Inflationsrate bereits auf 2,6 Prozent geklettert. Die Europäische Zentralbank (EZB), die um 14.15 Uhr (MESZ) ihre Leitzinsentscheidung bekanntgibt, sieht sich mit einem akuten Inflationsschub konfrontiert. Sie hat als Stabilitätsziel eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent. ‌Als Inflationstreiber erweist sich Energie, die sich im April um satte 10,9 Prozent verteuerte.

Laut EZB-Chefin Christine Lagarde ist die Zentralbank bereit zu handeln, ​wenn es die Datenlage erfordert. Doch dürfte ​die Notenbank nach Ansicht vieler Analysten noch ​stillhalten. Damit könnte sie Zeit gewinnen, um sich einen besseren Überblick darüber zu verschaffen, ‌ob sich der Inflationsschub verfestigt. Wenn zeitweise höhere Preise zu steigenden Löhnen und in der Folge zu Preiserhöhungen von Firmen führen, ​könnten ​diese sogenannten Zweitrundeneffekte die Inflationsrate über ⁠längere Zeit hochhalten.

Sollten sich dafür Anzeichen ergeben, ​dürfte die EZB ⁠nach Einschätzung vieler Anleger im Juni die Zinszügel anziehen und womöglich weitere ‌Straffungen folgen lassen. «Wachsamkeit ist angesagt, da Unternehmen aus den Erfahrungen der zurückliegenden Jahre eher gewillt sind, ihre höheren ‌Kosten an die Verbraucher weiterzugeben», meint DWS-Ökonomin Ulrike ​Kastens: «Damit steigen die Risiken in Richtung Zinserhöhung, übereilte Schritte von Seiten der EZB erwarten wir aber nicht.» 

(Reuters)