Nahrungsmiteel - Nestlé-Konkurrent Unilever zieht's nach Grossbritannien - Aktienkurs deutlich höher

Der traditionell niederländisch-britische Konsumgüterkonzern Unilever will seine bisherige Doppelstruktur in nur noch einer Muttergesellschaft in Grossbritannien vereinen.
11.06.2020 11:46
Prunkvoller Fimensitz: Die Unilever-Zentrale in der City of London.
Prunkvoller Fimensitz: Die Unilever-Zentrale in der City of London.
Bild: imago images / Imagebroker

Dies teilte der grosse Hersteller von Suppen, Glacés und Tee am Donnerstag mit. Von der neuen Struktur verspreche man sich eine höhere unternehmerische Flexibilität. Dies sei angesichts der Corona-Pandemie von hoher Bedeutung.

An der Börse kam das sehr gut an. Der Aktienkurs zog am Donnerstag in einem sehr schwachen Marktumfeld um mehr als zwei Prozent an. Unilever war damit die einzige Aktie mit einem Kursgewinn im EuroStoxx 50. Laut Liberum-Analyst Nico von Stackelberg wird mit dem Schritt die Rechtsform sowie die Unternehmensführung vereinfacht. Auch die Komplexität mit Blick auf Übernahmen oder Veräusserungen würde reduziert.

Bisher hat der Konzern, der unter anderem die Marken Knorr, Pfanni oder Magnum unter einem Dach vereint, eine duale Unternehmensstruktur. Diese besteht seit über 90 Jahren aus einem Sitz in den Niederlanden und einem Standort in Grossbritannien. Vor etwa zwei Jahren wollte das Unternehmen seinen Hauptsitz eigentlich in die Niederlande verlegen. Dieser Plan des ehemaligen Unilever-Chefs Paul Polman scheiterte aber am Widerstand der britischen Anteilseigner.

Doppelstruktur mit Problemen

Eine interne Untersuchung habe ergeben, dass die bisherige Doppelstruktur Probleme mit sich bringe, teilte Unilever mit. Die Neuorganisation soll keine Auswirkungen auf den Beschäftigtenstand oder sonstige unternehmerische Aktivitäten in den beiden Heimatländern mit sich bringen, unterstrich der Konzern. Der Konzernteil für Nahrungsmittel soll seinen Sitz weiter in Rotterdam haben, der Bereich für Körperpflegeprodukte soll weiter in Grossbritannien residieren.

In den Niederlanden macht man sich jedoch trotz derartiger Zusicherungen offenbar Sorgen. Ein Grund dürfte der Ausstieg Grossbritanniens aus der Europäischen Union sein. Wie Unilever einräumte, habe die niederländische Regierung eine Zusage erbeten, dass der in den Niederlanden beheimatete Unternehmensteil für Lebensmittel und Haushaltsprodukte auch im Falle einer Abtrennung vom Konzern in den Niederlanden verbleibe.

Technisch soll die Restrukturierung durch eine Verschmelzung der beiden Konzernteile - Unilever Plc und Unilever NV - über die Bühne gehen. Anteilseigner der niederländischen Unilever-Sparte sollen Aktien an dem künftigen Mutterkonzern Unilever Plc erhalten. Die Dividendentitel sollen weiterhin in London, Amsterdam und New York gehandelt werden. An der Dividendenpolitik solle sich nichts ändern, bekräftige das Unternehmen.

Das Vorhaben soll laut Unilever im Laufe des Jahres über die Bühne gehen, soweit die Aktionäre dem Vorhaben zustimmen.

(AWP)

 
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