Der Nasdaq 100 lässt die glorreichen Zeiten von 1998 und 1999 wieder aufleben. Der technologielastige US-Index, in dem Unternehmen wie Nvidia, Apple und Microsoft vertreten sind, hat seit Jahresbeginn um 43 Prozent zugelegt. Das ist mehr als zu diesem Zeitpunkt in den Jahren 1998 und 1999, als die Renditen für das gesamte Jahr 82 Prozent beziehungsweise 100 Prozent betrugen.  

"Der Markt hat diese Woche gefeiert, als wäre es 1999", schrieb Jim Reid, Makrostrategie der Deutschen Bank letzten Freitag, und stellte fest, dass "wachsende Hoffnungen auf eine weiche Landung" den Anstieg bei Aktien wie auch bei Anleihen befeuerten. Kein schöner Vergleich, wenn man die Börsengeschichte als Leitfaden nimmt: Denn vor zwanzig Jahren, im Jahr 2000, ging die spektakuläre Aktienrally zu Ende, als die Dotcom-Blase platzte.

Hoffnungen trotz inverser Zinsstrukturkurve

Die jüngste Etappe der Rallye wurde durch Anzeichen dafür angeheizt, dass die Inflation und die Zinssätze in den USA sich ihrem Höhepunkt nähern, wobei die Kreditkosten für zweijährige Staatsanleihen zuletzt um bis zu 30 Basispunkte gesunken sind, was weiter zur Invertierung der Zinskurve beiträgt. "Unter anderem gibt die inverse Zinsstrukturkurve einen klaren Hinweis darauf, dass eine Rezession ansteht", sagt Bantleon-Chefökonom Daniel Hartmann im cash-Interview.

Trotz der Euphorie könnten manche darin eine Warnung sehen und sich daran erinnern, dass die kräftigen Kursgewinne der Jahre 1998 und 1999 in jedem der folgenden drei Jahre grossen Verlusten wichen - insgesamt Kursverluste von 70 Prozent. Reid schrieb, dass sich die Hoffnungen der Anleger auf ein positives wirtschaftliches Ergebnis konzentrierten, unabhängig davon, was letztendlich passiert. "Es ist schwer, sich diesem Narrativ im Moment in den Weg zu stellen", fügte er hinzu. 

Stratege der Bank of America liebäugelt mit Shorts

Die Anleger stecken so viel Geld in Aktien, dass sie reif für Leerverkäufe sind, wenn die Märkte in der zweiten Jahreshälfte von den Risiken einer hartnäckigen Inflation und aggressiven Zentralbanken beherrscht werden, warnen die Strategen der Bank of America. Globale Aktienfonds haben in den letzten sieben Wochen Zuflüsse in Höhe von fast 70 Milliarden Dollar verzeichnet, so die Bank in einer Notiz unter Berufung auf Daten von EPFR Global.  

Der Optimismus der Märkte, dass die Wirtschaft weder zu heiss noch zu kalt laufen wird, wird wahrscheinlich nicht von Dauer sein, so BofA-Stratege Michael Hartnett. "Wir werden Ende August oder Anfang September Risikoanlagen shorten". Hartnett hatte sich im vergangenen Jahr zu Recht negativ zu Aktien geäussert, aber seine pessimistische Sichtweise ist dieses Jahr mit der Rally am US-Aktienmarkt kollidiert.  

(Bloomberg/cash)