Die Aktionäre des Nahrungsmittelriesen Nestlé haben an der Generalversammlung Ex-SNB-Präsident Thomas Jordan neu in den Verwaltungsrat gewählt. Auch die übrigen Anträge wurden deutlich angenommen. Kritik gab es aber am Management angesichts der Führungswechsel im letzten Jahr und des Babynahrungsskandals.
Jordan erzielte mit 98,8 Prozent Ja-Stimmen ein Glanzrestultat. Die Versammlung wählte auch die langjährige Procter-&-Gambel-Managerin Fama Francisco mit 93,9 Prozent neu ins Gremium. Damit wurde der Verwaltungsrat um 2 auf 13 Köpfe erweitert. CEO Philipp Navratil wird im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht im Verwaltungsrat sitzen.
Die Zustimmung fiel bei den allermeisten weiteren Traktanden mit Quoten von über 89 Prozent deutlich aus. Auch die vorgeschlagene Dividende von 3,10 Franken je Aktie wurde klar genehmigt; sie lag um fünf Rappen über dem Vorjahr und markierte die 30. Erhöhung in Folge.
Kritische Töne gab es an der Versammlung dennoch. Aktionärsvertreter rügten das Management unter anderem wegen der Skandale im letzten Jahr rund um die Führungswechsel, den weltweiten Rückruf von verunreinigtem Babymilchpulver und die Klimapolitik.
Kritik an ausbleibenden Konsequenzen
Vertreter institutioneller Investoren wie DWS und Deka und der Anlagestiftung Ethos bemängelten im Plenum etwa unklare Verantwortlichkeiten nach den Skandalen sowie unzureichende Massnahmen zur Wiederherstellung des Vertrauens. Zudem hätten die Kontrollmechanismen des Verwaltungsrats versagt, weshalb klare Konsequenzen für Verantwortliche gefordert wurden.
Weitere Kritik richtete sich gegen die Produktqualität und eine mangelnde Transparenz bei den Vergütungen. Aktionärsvertreter rügten vereinzelt auch die Klimapolitik beim weltgrössten Nahrungsmittelproduzenten. Sie befürchteten angesichts des finanziellen Drucks unter anderem eine Abschwächung der Ziele und verlangten eine präzisere Roadmap.
Die Nestlé-Führung um Präsident Pablo Isla und CEO Philipp Navratil betonte, man teile die Einschätzung, dass nun Ergebnisse geliefert werden müssten statt weiterer Ankündigungen. Gleichzeitig verwiesen sie auf Fortschritte bei der Strategie, den Effizienzprogrammen und der Nachhaltigkeit und bekräftigten ihre Verpflichtung zu Transparenz sowie zu langfristigen Klimazielen.
Isla sieht Fortschritte bei Neuausrichtung
Inhaltlich setzten sowohl Isla als auch Navratil bei ihrem ersten Auftritt vor den Aktionären auf Kontinuität und wiederholten weitestgehend ihre früheren Aussagen. Isla hob erste Fortschritte bei der strategischen Neuausrichtung und beim Kulturwandel im Konzern hervor. Navratil bestätigte den laufenden Umbau mit Fokus auf Wachstum, Effizienz und Profitabilität.
Hintergrund ist ein schwieriges Jahr 2025 für den ohnehin unter Wachstumsschwäche leidenden Nahrungsmittelkonzern. Zuerst kam es zum unerwarteten Abgang von CEO Laurent Freixe nach nur einem Jahr wegen einer verheimtlichten Liebesbeziehung mit einer Direktunterstellten und dem vorzeitigen Abgang von Verwaltungsratspräsident und Nestlé-Urgestein Paul Bulcke.
Danach folgte der weltweite Rückruf verunreinigter Babynahrung. Seitdem bemüht sich Nestlé, Vertrauen zurückzugewinnen und die Organisation neu auszurichten.
to/mk
(AWP)

