Die beiden Börsenschwergewichte Novartis und Roche starten unterschiedlich in die neue Handelswoche. Während Novartis ein neues Allzeithoch markiert, gerät Roche unter Druck.

Die Novartis-Aktie legt kurz nach Börsenstart 0,92 Prozent auf 121 Franken zu und jagt damit von Rekord zu Rekord. Gleichzeitig gewinnt der SMI 0,24 Prozent auf 13'535 Punkte. Seit Jahresbeginn hat der Pharmatitel fast 10 Prozent hinzugewonnen, auf 52 Wochen beträgt das Plus 24 Prozent.

Die positive Entwicklung erfolgt trotz einer Abstufung durch Goldman Sachs. Die US-Investmentbank senkt ihr Ziel auf 101 von 104 Franken - das sind 16,5 Prozent unter dem aktuellen Niveau. Die Einstufung bleibt bei «Sell». Analyst James Quigley warnt, dass Novartis 2026 von einer Phase mit branchenführendem Wachstum in eine schwächere Phase übergehe. Grund seien ablaufende Patente bei wichtigen Medikamenten. Das Unternehmen stehe vor einer der grössten Patentverlust-Phasen in der Branche bis in die 2030er Jahre hinein, während die Aktien gleichzeitig auf Rekordhoch notierten. Dies sei im Vergleich zu Konkurrenten eine zu hohe Bewertung, resümiert der Analyst und ist demnach pessimistischer eingestellt als seine Kollegen.

Laut Bloomberg vergeben 12 Analysten ein «Buy»-Rating, 13 empfehlen zum Halten und vier zum Verkauf. Das durchschnittliche Ziel für 12 Monate liegt bei 115 Franken.

Roche verliert nach MS-Daten

Anders sieht es beim Hauptrivalen Roche aus. Eine halbe Stunde nach Börseneröffnung fällt der Titel um 0,81 Prozent auf 353,60 Franken und ist zwischenzeitlich der zweitschwächste SMI-Titel zum Wochenstart.

Roche hat am Wochenende Studienergebnisse zu seinem MS-Medikament Fenebrutinib vorgestellt. Das Mittel verringert das Risiko eines Fortschreitens der Krankheit um 12 Prozent im Vergleich mit der bisherigen Standardtherapie Ocrevus. Damit erreicht der Pharmakonzern sein Studienziel.  

Stefan Schneider, Analyst bei der Bank Vontobel, schreibt in seinem Marktkommentar vom Montag, dass die Wirksamkeitsdaten positiv seien. Es stelle sich jedoch die Frage, wie die US-Zulassungsbehörde FDA auf erhöhte Leberwerte bei einigen Patienten reagieren werde. Er bestätigt sein Rating mit «Hold» und einem Ziel von 354 Franken.

Auch die ZKB lobt die Wirksamkeitsdaten, setzt aber ein Fragezeichen bei der Sicherheit. Die Analysten belassen das Rating bei «Übergewichten» mit einem Ziel von 358,70 Franken. Denn auch sie gehen davon aus, dass die beobachteten Unregelmässigkeiten Zufall seien, können aber nicht sicher ausschliessen, dass die FDA dies anders sieht.

Laut Bloomberg vergeben 12 Analysten eine Kaufempfehlung, 11 raten zum Halten und fünf zum Verkauf. Das durchschnittliche Ziel liegt bei 356,58 Franken.

Während Novartis-Anleger negative Analystenstimmen ignorieren und auf weiteres Wachstum setzen, bleiben Roche-Investoren vorsichtig. Die Unsicherheit über die regulatorische Einschätzung der MS-Studiendaten belastet.

Beide Pharmaschwergewichte stehen vor wichtigen Weichenstellungen: Novartis muss beweisen, dass es den bevorstehenden Patentverlust kompensieren kann, Roche hofft auf grünes Licht der Zulassungsbehörden für sein MS-Medikament Fenebrutinib.

(AWP/cash)