Optimistische Jahresvorgaben - Hat der Nestlé-Chef zu hoch gepokert?

Als Nestlé-Chef Mark Schneider im April die Quartalsumsatzzahlen vorlegte, hielt er an den Wachstumsvorgaben für das Gesamtjahr fest. Eine britische Grossbank hält diese nun aber nicht länger für realistisch.
29.06.2020 07:58
Von Lorenz Burkhalter
Nestlé-CEO Mark Schneider bei einem Auftritt am Fortune Global Forum 2019 in Paris.
Nestlé-CEO Mark Schneider bei einem Auftritt am Fortune Global Forum 2019 in Paris.
Bild: imago images / IP3press

Als Nestlé-Chef Mark Schneider der Weltöffentlichkeit Ende April die Quartalsumsatzzahlen vorlegte, bekräftigte er das diesjährige Ziel eines organischen Umsatzwachstums in Höhe von mindestens 3,5 Prozent. Allerdings liess er damals durchblicken, dass sich darin die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie noch nicht widerspiegeln würden.

Nun rechnet die britische Barclays im zweiten Quartal sogar mit einem organischen Umsatzrückgang in Höhe von 2,3 Prozent. Darauf abgestützt kürzt sie die Wachstumserwartungen für das ganze Jahr auf 2 (zuvor 3) Prozent. Es ist bereits die zweite solche Reduktion innerhalb von wenigen Wochen (der cash Insider berichtete).

Barclays setzt den Rotstift schon zum zweiten Mal an

Wie die Grossbank weiter schreibt, geht der Erzrivale Danone in den Gastronomie-Absatzkanälen für das zweite Quartal von einem Umsatzeinbruch gegenüber dem Vorjahr in Höhe von bis zu 50 Prozent und im Wassergeschäft von einem in Höhe von immerhin noch bis zu 30 Prozent aus. Mit Unilever warnte kürzlich ein weiterer Grossanbieter vor einer Umsatzhalbierung beim Speiseeis.

Sollte die britische Barclays mit ihren zum zweiten Mal in Folge gekürzten Wachstumserwartungen für Nestlé richtig liegen, müsste wohl auch Firmenchef Schneider bei seinen diesjährigen Zielvorgaben über die Bücher.

Ob Schneider die Zielvorgaben tatsächlich überarbeitet und wie diese neuerdings aussehen werden, dürfte sich erst Ende Juli zeigen. Dann wird Nestlé das Halbjahresergebnis veröffentlichen.

Börsenjahr 2020 bisweilen Nullsummenspiel für Aktionäre

Beobachtern zufolge dürfte es nicht bei den Schätzungsreduktionen seitens von Barclays bleiben. Es gebe auch bei vielen anderen Banken Anpassungsbedarf. Vermutlich werden weitere Banken bei ihren Schätzungen den Rotstift ansetzen, so heisst es weiter.

Aus Sicht der Nestlé-Aktionäre waren die ersten knapp sechs Monate unter dem Strich ein Nullsummenspiel. Mit 105 Franken notiert die Aktie noch immer etwa auf dem Stand von Anfang Jahr. Wer Mitte März den Mut zum Einstieg aufbrachte, wurde allerdings fürstlich für diesen belohnt. Rund 20 Prozent konnte die Aktie seither an Boden gutmachen.